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Weihnachtscircus in Pützchen: Bürger klagt gegen die Stadt Bonn

Prüfung weiterer Standorte gefordert : Bürger wollen Weihnachtscircus in Pützchen verhindern

Ein Pützchener droht der Stadt Bonn mit einer Klage, falls der Weihnachtscircus 2020 wieder auf den Marktwiesen gastiert. Es gibt noch weitere Kritiker im Ort. Die Bezirksvertretung Beuel beschäftigt sich nun mit dem Thema.

Ob der Weihnachtscircus im Dezember dieses Jahres seine Zelte wieder auf den Pützchener Marktwiesen aufbauen soll, wird derzeit in Beuel intensiv diskutiert. Anlass sind zwei Bürgeranträge aus Pützchen. Die Antragsteller fordern ein transparenteres Genehmigungsverfahren und wechselnde Standorte im Stadtgebiet sowie den Verzicht auf einen längerfristigen Gastspielvertrag für den Weihnachtscircus auf den Pützchens-Markt-Flächen. Die Bezirksvertetung Beuel wird sich in ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch, 18. März, mit dem Thema beschäftigen.

Einer der beiden Bürgeranträge stammt aus der Feder des Vorsitzenden der Ortsvereine Pützchen-Bechlinghoven, Cyrus Straubitz. Die Dachorganisation aller dortigen Ortsvereine spricht sich zwar nicht grundsätzlich gegen ein weiteres Gastspiel auf den Marktwiesen aus, will aber sichergestellt wissen, dass vor einer Genehmigung alle vorhandenen Standorte in Bonn geprüft werden, die sich für eine kommerzielle Nutzung eignen.

Laut Straubitz hätten sich viele Bürger der beiden Orte darüber gewundert, dass die Stadtverwaltung das Gastspiel im Dezember 2019 genehmigt hat, ohne eine Einzelfall bezogene Prüfung bezüglich der Zumutbarkeit durchgeführt zu haben – so wie es ein Beschluss des Bonner Hauptausschusses von 2001 festlegt.

Nach dem Gastspiel hat der Zirkuschef die zerstörten Flächen geglättet und neu eingesät. Die Stadt hat den Platz so abgenommen. Foto: Benjamin Westhoff

Politik mehrheitlich für Gastspiel

Der andere Antragsteller, eine an der Sebastianusstraße wohnende Privatperson, war über die Entscheidung der Stadt Bonn derart enttäuscht, dass er jetzt in seinem Bürgerantrag keine Zulassung von weiteren Veranstaltungen auf den Marktwiesen fordert. „Es gibt im Bonner Raum genügend andere Plätze für solche Veranstaltungen, die ohne direkte Nähe an die Bewohner grenzen. Vor allem sollte nicht nur eine Fläche für alle kommenden Veranstaltungen genutzt werden“, schreibt er an die Stadt Bonn. Sollte es bei der Vorgehensweise für die Vergabe von Veranstaltungen auf den Marktwiesen bleiben, will er notfalls gerichtlich klären lassen, ob das die Bürger dulden müssen.

Zirkusbetreiber Manuel Fischer ist überrascht von der Kritik: „Vor, während und nach unserem Gastspiel haben wir keine Beschwerde über uns erfahren. Mit den direkten Nachbarn standen wir in Kontakt und haben nur positive Rückmeldungen erhalten.“ Erst vor wenigen Tagen hat die sogenannte Platzabnahme stattgefunden, dabei besichtigen Stadt und Zirkusbetreiber die hinterlassene Spielfläche. „Es gab keine Beanstandungen seitens der Stadt. Wir haben die Fläche neu eingesät. In acht Wochen ist alles wieder Grün“, verspricht Fischer. Gefragt, ob er sich für ein weiteres Gastspiel bei der Stadt Bonn bewerben will, antwortete Fischer: „Das habe ich vor. Wir möchten vom 18. Dezember bis 3. Januar auf den Marktwiesen gastieren. Ich rechne fest mit einer Zusage.“

Die Beueler Politik ist mehrheitlich für ein weiteres Gastspiel. Günter Dederichs, CDU-Fraktionschef und Vorsitzender des Freundeskreises Pützchens Markt, kann die Aufregung nicht verstehen: „Die Bezirksvertretung hat den Standort Marktwiesen nicht beschlossen. Wir haben den Vorschlag der Verwaltung nur positiv zur Kenntnis genommen.“ Er hält die Pützchener Marktwiesen als dauerhafte Spielstätte auch für geeignet: „Der Markt ist für viel Geld ausgebaut worden. Er hat eine hervorragende Infrastruktur. Darauf hat die Stadt Bonn 2019 bei einem Pressetermin anlässlich Pützchens Markt eigens hingewiesen.“ Außerdem sei ihm keine einzige Beschwerde der Anlieger zu Ohren gekommen, so Dederichs.

Das Presseamt erklärte am Mittwoch, dass der Zirkusbetreiber noch keinen Antrag auf ein Gastspiel im Dezember gestellt habe. Die zu diesem Thema nun eingegangenen Bürgeranträge würden gemäß der Zuständigkeitsordnung des Rates in der Märzsitzung der Bezirksvertretung beraten. Gefragt, welchen Standort für den Weihnachtszirkus die Verwaltung bevorzuge, antwortete Markus Schmitz vom Presseamt: „Hierüber wird beraten, wenn ein entsprechender Antrag eingeht.“