Reisebericht im Klavierhaus Klavins: Was Kajo Kusen aus Beuel im indischen Chennai erlebte

Reisebericht im Klavierhaus Klavins : Was Kajo Kusen aus Beuel im indischen Chennai erlebte

Es waren 38 Grad Celsius, ein Deckenventilator verteilte die warme Luft im Raum, als sich Kajo Kusen sein künftiges Leben vorlesen ließ. In einer Palmblatt-Bibliothek im indischen Chennai besorgten das zwei Palmblatt-Leser, sogenannte Nadi-Reader. Was der 81-jährige Beueler dort erlebt hat, ist eine Geschichte, die bis zum Rand mit Mystik gefüllt ist.

Kusen wird seine Geschichte am Dienstagabend im Klavierhaus Klavins erzählen. Man muss chronologisch lange vor diesem Besuch im Jahr 2011 ansetzen, um zu erahnen, warum dieser Blick in seine Zukunft Kajo Kusen so wichtig war.

Als Sohn sehr katholischer Eltern im Schatten der Josefkirche geboren und noch immer in Beuel lebend, empfand der kleine Karl Josef deren Glauben als die einzig wahre Religion. Die Zeit als Messdiener habe er viele Jahre regelrecht genossen.

Ein Satz in einer Predigt habe ihm dann das erste Schlüsselerlebnis gebracht: Gottes Güte ist unermesslich. „Wenn seine Güte so unermesslich ist, kann es keine Hölle geben“, sinnierte der 25-jährige Kajo.

„Und warum darf ich das einzige Leben, was ich auf dieser Erde habe, sorglos in Deutschland verbringen, anstatt in anderen Ländern von Hunger oder Gewalt geplagt zu werden?“ Versuche, mit Freunden und Verwandten darüber zu diskutieren, blieben stets vergebens, erzählt er. Existenzielle Fragen seien bis zum heutigen Tage unbeliebt.

Kusen blieb ein Fragender und entfernte sich innerlich von seinem Glauben, obwohl er nie aus der Kirche austrat. Drei Jahrzehnte verantwortete er beruflich die Telefonbuchauflagen bei Carthaus. Dann ging er 1990 nach Dresden, um im Auftrag eines süddeutschen Verlegers einen Telefonbuch-Verlag zu gründen.

Nicht nur Fragender, sondern auch Skeptiker

Prall gefüllt war sein Leben auch im Ruhestand. Zwischendrin: ehrenamtliche Engagements und Auftritte als Moderator und Entertainer. Dann erinnerte sich Kajo Kusen an ein Buch über Palmblatt-Bibliotheken.

Er bestellte drei Bücher zu diesem Thema, kaufte eines davon, las es in einem Rutsch und fand auf der letzten Seite eine Art Wegweiser zu den Tamilen in Indien. Er flog mit einem Freund. Bereits am nächsten Tag fanden einstündige Einzelsitzungen statt.

Nun ist Kajo Kusen nicht nur ein Fragender, sondern sieht sich auch als Skeptiker. Zunächst ließ er sich aus „seinem Palmblatt“, von dem es heißt, dass indische Urahnen darauf vor 5000 Jahren sein Schicksal aufgeschrieben haben sollen, sein Leben vorlesen. Die Trefferquote habe, so Kusen, bei fast 100 Prozent gelegen.

Als Bonner fragte er nach, ob Beethoven nochmals wiedergeboren worden sei. Da las der Nadi-Reader aus „seinem Palmblatt“ ab, der Lebenszyklus des Musikers sei mit seinem Tod beendet worden. Kusen wurde misstrauisch und fragte, wieso er das Schicksal Beethovens von „seinem Palmblatt“ abgelesen hätte.

369.000 Zigaretten

Da stand der Nadi-Reader erzürnt auf, kam um den Tisch herum und zeigte auf eine Stelle des mitgebrachten Blattes: „Da steht es doch geschrieben, dass Du die Frage stellen wirst.“

Am Ende stellte Kusen dann die Gretchen-Frage: „Wie alt werde ich noch?“ Angst vor der Antwort habe er nicht empfunden. Nur die 369.000 Zigaretten, die er im Leben geraucht hatte, ließen ihn nichts Gutes ahnen.

Den geneigten Besuchern seiner Lesung wird er das Ergebnis aber verraten. Vielleicht kommt es ja nicht so knüppeldick für ihn: Erst im Januar hat er, der seine Zukunft zu kennen meint, den Verein Lenné-Gesellschaft Bonn gegründet.

Kajo Kusen hält seinen Vortrag an diesem Dienstag ab 19 Uhr, im Klavierhaus Klavins, Auguststraße 26-28. Der Eintritt von zehn Euro dient einem sozialen Zweck. Der Reisebericht ist für zehn Euro am Abend erhältlich.

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