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Tanzhaus Beuel: Walzer und Discofox am Nachmittag

Tanzhaus Beuel : Walzer und Discofox am Nachmittag

Die Hohenhonnef GmbH macht ihren Klienten ein ungewöhnliches Angebot und 19 nehmen es an: Die Menschen mit Behinderung lernen bei einem Tanztee Grundschritte von Gesellschaftstänzen kennen.

Elke Ditscheid und Corinna Spielau wiegen sich sanft im Takt des Mecano-Klassikers „Hijo de la Luna“. Die beiden Frauen sind Klientinnen der Hohenhonnef GmbH, einer Wohn- und Dienstleistungseinrichtung der Cornelius Helferich Stiftung für Menschen mit Behinderung. „Das war eine Art verspätetes Geschenk“, freute sich Spielau, die am Sonntag ihren 25. Geburtstag gefeiert hat. „Mir macht es auch viel Spaß, und geteilte Geschenke sind ja die schönsten“, pflichtete ihr Ditscheid bei, nachdem die letzten Noten verklungen waren. Die 56-Jährige konnte im Gegensatz zu ihrer Tanzpartnerin und den anderen Teilnehmern allerdings bereits mit einigen Tanzerfahrungen aufwarten: Sie hatte im vergangenen Herbst bereits mit Monika Lorent drei Monate lang an einem regulären Anfängertanzkurs teilgenommen.

„So etwas kommt aber nicht für alle unsere Klienten infrage“, erläuterte die Förderbereichsleiterin der Einrichtung in der anschließenden kurzen Pause: Das Spektrum ihrer Klienten reiche von psychischen Beeinträchtigungen bis zu geistig-körperlichen Behinderungen und viele seien schlichtweg in einem regulären Kurs überfordert.

So sei die Idee entstanden, einen Tanztee speziell nur für die Klienten zu veranstalten – als zunächst einmaliges Angebot. Weil sie Sandór Krönert bereits kannte, sei sie mit ihrer Idee bei der letzten Auflage der Charity-Messe „Marktplatz Gute Geschäfte“ direkt auf den Tanzhaus-Chef zugegangen. Und rannte bei diesem offenbar offene Türen ein: „Wir haben ja ohnehin jeden Mittwoch eine Tanzstunde für Menschen mit Behinderung“, erläuterte dieser das erweiterte Spezialangebot seiner Schule. Daher habe er keine Sekunde gezögert und freue sich, seine Begeisterung fürs Tanzen mit Lorents Klienten zu teilen.

Das Geschlecht spielte keine Rolle

Und es gab sogar eine Gegenleistung: Die Mitarbeiter des Tanzhauses hatten bereits im vergangenen Jahr von den Tanzgästen selbstgestaltete Weihnachtskarten geschenkt bekommen.

Grundsätzlich unterschied sich der bunte Nachmittag aber nicht von jedem anderen Tanztee: „Jetzt gehen wir mal in medias res“, sagte der Tanzschul-Chef und demonstrierte seinen Gästen höchstpersönlich, was es heißt, im Tanz zu führen. „Ich gehe jetzt einmal rund, und jedes Paar sagt mir dann bitte, wer die Führung übernimmt und wer sich führen lassen will.“ Einen kleinen Unterschied gab es nämlich doch: Das Geschlecht spielte bei den einzelnen Paaren keine Rolle; wer befreundet ist, tanzte auch zusammen.

So wie Meik Lelly und Udo Geistmann, die sich für die nächste Runde direkt neben Spielau und Ditscheid positionierten: Kaum waren die ersten Töne von Schostakowitschs bekanntem Walzer Nr. 2 angestimmt, begann der deutlich größere Lelly, seinen Partner recht gekonnt im Kreis herumzuwirbeln. Insgesamt vier Helfer hatte Lorent mitgebracht, um Krönert und sein Team zu unterstützen: Heilerziehungspflege-Azubine Kira Becker, Mario Hundsdörfer aus dem sozialen Dienst sowie Sabine Nieland und Ralph Friedrich unterstützten das Tanzschulteam unter Krönerts Leitung bei der Tanzstunde.

Nach dem Walzer wurde es noch etwas flotter: Discofox und zum Abschluss ein Gemeinschaftstanz standen auf dem Stundenplan der zweistündigen Veranstaltung, bevor sich die Tänzer dann nach dem Tanzvergnügen mit Berlinern und Kaffee stärkten.