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Wäscherprinzessin Romina I. in Beuel: Proklamation im Brückenforum

Neues Oberhaupt im Beueler Karneval : Wäscherprinzessin Romina I. im Brückenforum proklamiert

Wäscherprinzessin Romina I. ist am Freitagabend im Brückenforum proklamiert worden. Den Rathausverteidigern für Weiberfastnacht kündigte sie die nächste Niederlage an. Papa „Huppemann“ kämpfte mit den Tränen.

Das Brückenforum glich am Freitagabend einem Tollhaus: 1000 Gäste jubelten Wäscherprinzessin Romina I. schon beim Einzug in den Saal zu. Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Bezirksbürgermeister Guido Déus standen Spalier und zündeten Konfetti-Raketen. Narrenherz, was willst du mehr?

Wenige Minuten später reckte die 22-Jährige ihr Narrenzepter in Richtung Publikum. Die Jecken johlten, die Tollität war proklamiert. Die Beueler Weiberfastnacht hat ein neues Oberhaupt, das die bekanntesten und beliebtesten Brauchtümer des Stadtbezirks in Personalunion verkörpert: Weiberfastnacht und Pützchens Markt. Romina ist nämlich Spross des Beueler Schaustellerclans Markmann.

Ihr Vater, Hubert Markmann – genannt „Huppemann“, kam an diesem Abend emotional an seine Grenzen. Mal schluckte er kräftig, mal kniff er die Augen zusammen. Kurzum: Er kämpfte mit den Tränen. Selbst als Prinzessinnen-Papa ließ er es sich nicht nehmen, wie in jeder Session die jeweilige Prinzessin mit einem motorisierten Hubwagen in den Saal zu fahren. In einem geschmückten Stahlkorb schwebte Romina I. hoch oben über dem Publikum. Und erst vor der Bühne setzte ihr Vater sie sanft ab. Er selbst hielt übrigens eine Überraschung bereit: Er empfing alle Gäste vor dem Eingang zum Brückenforum mit einer historischen Jahrmarktsorgel samt Kirmesmusik.

In der anschließenden Proklamationsrede des OB drehte sich alles um Beethoven, Weiberfastnacht und deren Hymne „Mir han en Wäscherprinzessin, e Mädche he vum Rhing“. „Beethoven muss große Freude an Wiever im Fastelovend gehabt haben. Anders lässt sich nicht erklären, dass er ausgerechnet 1824, im Gründungsjahr der Weiberfastnacht, die hier in Beuel und nirgendwo anders erfunden wurde, seine neunte Sinfonie vollendete“, betonte Sridharan, der fest daran glaubt, dass die Möhnen in diesem Jahr das Rathaus nicht erobern werden.

Dieses Video ist eine Kooperation zwischen dem GA und dem WDR.

Die stolze Regentin konterte umgehend: „Ich habe schon früh gelernt, mich in meiner von Männern dominierten, oftmals rauen Schaustellerwelt durchzusetzen. Liebe Rathausverteidiger, ihr habt keine Chance. Allein schon deshalb, weil ich den für mich wichtigsten Mann, meinen Vater, als Unterstützung im Rücken habe. Er kennt jedes Schlupfloch ins Rathaus.“ Dann verkündete sie das Sessionsmotto: „Beuele Wieve klassisch jeck, mit Beethoven he an jeder Eck.“

 Eine besondere Ehrung nahm die Regentin auf der Bühne vor: Gregor Kess, Texter der bereits erwähnten Hymne, erhielt als einer der ersten Gäste den neuen Sessionsorden. Die Musik stammt übrigens aus der Feder von Ferdi Böhm. Das Geschmeide zeigt Beethoven am Flügel und die Wäscherprinzessin neben einer Waschbütt. Als Überraschung ist ein roter Knopf auf dem Orden platziert. Drückt man drauf, erklingt die Hymne der Weiberfastnacht.

Besonders zu erwähnen ist der Soloauftritt von Lara Mohn. Die Wäscherprinzessin von 2010 ging in ihrem Gesangsvortrag „Prima Klima“ kritisch mit der Bundespolitik und deren Umgang mit dem Thema „Klimawandel“ ins Gericht. Lara Mohn vom Damenkomitee St. Josef begleitete sich selbst mit einer Ukulele.

Das Alte Beueler Damenkomitee von 1824 stellte in seinem Sketch unter Beweis, dass die englische Sprache mit der rheinischen Mundart kompatibel ist – Sprachtalent vorausgesetzt. Wie bei allen Proklamationen und Krönungen der vier Tollitäten(-paare) des sogenannten Rathausprotokolls stand auch in Beuel der Beethoven-Tanz auf dem Programm. Aktive aus Tanzgruppen aller vier Stadtbezirke haben gemeinsam mit Bonns Ex-Prinz von 2019, Thomas Zimmermann, das Tanzstück zu Beethovens Musik einstudiert.

Mit vielen Gefühlen und Erinnerungen verbunden war auch der Abschied von der Vorjahres-Tollität: Ariane I. (Clever) hat das Amt der Wäscherprinzessin mit Herz, Charme und Emotionen ausgeübt. Ihr Strahlen wird vielen Beuelern in guter Erinnerung bleiben. Aufmerksamen Dauergästen fiel auf, dass sowohl die neue Regentin als auch die beiden neuen Wäscherinnen, Lena Obliers aus Oberkassel und Sabrina Michel aus Holzlar, frisch gestylte Kleider trugen.

Der Unterschied fällt besonders bei den Wäscherinnen auf: Die Schneiderin wählte andere, modernere Stoffe und abgeänderte Schnitte aus. Urteil: Sieht gut aus. Das Prinzessinnenkleid von Romina I. besticht durch die Auswahl der Spitze. Wer neugierig ist, hat bei rund 180 Auftritten der Wäscherprinzessin und ihrem Gefolge bis Aschermittwoch die Chance, die neuen Kleider zu sehen.