Ferien in der Mini-Stadt erleben: Währungsreform: Eigenes Geld für Beuler Kinder

Ferien in der Mini-Stadt erleben : Währungsreform: Eigenes Geld für Beuler Kinder

Wer in "Mini-Beuel" Ferien macht, lebt in einer eigenen Stadt. Extra für Kinder geschaffen, mit Rathaus, Stadtrat und allem was dazu gehört. Auf der Jugendfarm gilt dann eine eigene Währung. Bezahlt wird mit Beuelis. 600 Kinder machen mit.

Bälle sind schon besorgt, die ersten Schilder laminiert, T-Shirts bestellt, der Kirchturm muss allerdings noch repariert werden. Auf der Jugendfarm laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Noch knapp zwei Wochen, dann verwandelt sich das Gelände der offenen Freizeiteinrichtung in Pützchen wieder in eine Stadt in Kleinformat.

Das Projekt "Mini-Beuel" geht in die vierte Runde. Jeweils 300 Kinder und 80 Betreuer werden in der zweiten und dritten Woche der Sommerferien die Kinderstadt zum Leben erwecken, eine Miniaturversion, die alle Bereiche einer echten Stadt und des gesellschaftlichen Lebens kindgerecht nachzubilden versucht. Das Projekt wird in Kooperation von mehreren offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen in Beuel gestemmt.

Gerade erst wurde auf der Jugendfarm das 30-jährige Bestehen mit einem großen Frühlingsfest gefeiert, die Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten für die Kinderstadt "Mini-Beuel", eines der größten Kinderfreizeit-Projekte der Region, schloss sich nahtlos an. "Es ist noch jede Menge zu tun: Das ganze restliche Material muss eingekauft werden. In der nächsten Woche beginnen wir dann mit dem Aufbau", sagt Elisabeth Koppitz von der Jugendfarm. Der freie Träger mehrerer Freizeiteinrichtungen organisiert auch in diesem Jahr die Kinderstadt wieder mit Katrin Birkhölzer vom "Kleinen Muck" und Elmar Meister von der Evangelischen Kirchengemeinde Beuel. Als neuer Projektleiter ist Rainer Kreuz an Bord, der vielen Beuelern von seiner langjährigen Kirchenarbeit bekannt ist. Schirmherr ist in diesem Jahr der Beueler Bezirksbürgermeister Guido Déus.

In der Kinderstadt können die Bewohner in 61 Bereichen ganz unterschiedlichen Berufen nachgehen - vom Bäcker über den Schauspieler bis zum Pfarrer. Außerdem gibt es ein eigenes Grundgesetz, eine Stadtverwaltung, Stadtrat, Polizei, Arbeitsagentur und Müllabfuhr. Vormittags sind die Kinder kreativ und stellen die Waren selbst her, nachmittags bleibt dann Zeit für den Einkauf. Bezahlt wird übrigens mit einer eigenen Währung: den Beuelis.

Mit Mini-Beuel wollten die Veranstalter Eltern entlasten und Kindern ein einmaliges Ferienerlebnis ermöglichen, sagt Elisabeth Koppitz. "Es geht aber auch darum, spielerisch zu lernen, wie ein städtisches Gemeinwesen funktioniert und das soziale Miteinander in einer Demokratie." Es handelt sich außerdem um ein inklusives Projekt, alle Kinder und Jugendlichen können, ungeachtet ihrer persönlichen, physischen oder psychischen Besonderheiten, daran teilnehmen. Die insgesamt 600 Plätze sind allerdings bereits ausgebucht.

In dem Planspiel übernehmen die Kinder selbst das Zepter. Angeleitet werden sie von 80 jugendlichen Betreuer - sozusagen ein Jugendprojekt im Kinderprojekt. Für Eltern gibt es in der Stadt einen sogenannten Elterngarten, den sie besuchen können. "Die eigentliche Stadt darf von Erwachsenen nur über eine Touristenführung besichtigt werden", erklärt Koppitz. Auch an den Familienfreitagen ist Eltern und Familienangehörigen der jungen Stadtbewohner der Zutritt erlaubt.

Das Projekt "Kinderstadt" gibt es in verschiedenen deutschen Städten. Auch ins Ausland wurde es bereits exportiert. In Beuel ging das Projekt 2009 an den Start. Nach 2011 und 2013 findet es in diesem Jahr zum vierten Mal statt.

Gäste aus Tunesien

Ein Beispiel am Konzept von Mini-Beuel haben sich Jugendeinrichtungen in Tunesien genommen. Auch dort wird in diesem Sommer eine Kinderstadt aufgebaut - Mini-Mahdia. Mahdia ist eine tunesische Küstenstadt am Mittelmeer.

Eine Gruppe von Mitarbeitern des Jugendzentrums Hip hatte in Tunesien im vergangenen Jahr Jugendeinrichtungen besucht und dabei auch von dem Beueler Projekt erzählt. Sie unterstützen die tunesischen Organisatoren jetzt auch bei der Umsetzung.

Um sich das Beueler Vorbild zunächst genauer anzuschauen, wird eine Gruppe von sechs tunesischen Jugendlichen, zwei Leitern und einem Übersetzer an der zweiten Woche des Ferienprogramms auf dem Gelände der Jugendfarm teilnehmen. Untergebracht sind sie in den Familien der deutschen jugendlichen Teilnehmer.

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