Tiermedizin und Artenschutz: Von Beuel in den Dschungel von Borneo

Tiermedizin und Artenschutz : Von Beuel in den Dschungel von Borneo

Hannah Emde aus Vilich-Müldorf studiert Tiermedizin in Hannover. Sie ist fasziniert von der Kombination aus Artenschutz und Tiermedizin. Deshalb reist sie Ende Januar ein weiteres Mal in ferne Länder: diesmal nach Borneo.

Die Stiefel werden vor dem Überstülpen automatisch ausgeschüttelt. Bevor es ins Bett geht, muss die Matratze kräftig geschlagen werden. „Das geht einem schnell in Fleisch und Blut über“, lacht Hannah Emde. Auch auf eine warme Dusche kann die 24-jährige Studentin aus Vilich-Müldorf mittlerweile ganz gut verzichten. „Nur Schokolade vermisse ich wirklich“, ergänzt sie. „An alles andere gewöhnt man sich. Auch daran, dass der Reisepass wegen der hohen Luftfeuchtigkeit verschimmelt.“

Trotzdem packt die ehemalige Abiturientin des Sankt-Adelheid-Gymnasiums derzeit wieder ihren Rucksack, um für eine lange Zeit die Annehmlichkeiten der Zivilisation gegen das spartanische Leben im Dschungel zu tauschen. „Ich liebe es, zwischen den Welten zu turnen“, erzählt sie.

Seit 2012 studiert die junge Frau Tiermedizin in Hannover. Als Gegenpol zu den vielen theoretischen Prüfungen im Hörsaal zog es sie in den Semesterferien schon immer in die Wildnis. „Die Kombination von Artenschutz und Tiermedizin fasziniert mich einfach“, gesteht die 24-Jährige. Nach Stationen auf den Philippinen, Madagaskar und Malaysia geht es Ende Januar zunächst noch einmal auf die Philippinen und weiter nach Borneo. Dort war sie bereits 2014. „Damals habe ich bei einem Forschungsprojekt mitgearbeitet, das die Auswirkung von Regenwaldrodungen für den Palmölanbau auf die Tier- und Pflanzenwelt untersucht hat“, erklärt sie.

Bis April im Regenwald

Als angehende Tierärztin soll sie diesmal bei chirurgischen Eingriffen erstmals die Narkose der Wildtiere überwachen. Bis Ende April wird sie im Regenwald arbeiten, dann kehrt sie für kurze Zeit in die Heimat zurück. In Greifswald und Hamburg wird sie weitere Praktika absolvieren. „Denn ich will nicht nur mit Wildtieren arbeiten, sondern ich will mich während meines Studiums genauso mit der Behandlung von Hunden, Katzen oder Hamstern beschäftigen.“

Dabei hat sie bei ihren Auslandsaufenthalten auch schon so manch brenzlige Situation erlebt. „Die Forschungsstation in Borneo erreicht man nur per Boot. Wenn man an Land will muss man ein paar Schritte durch Schlamm waten“, erzählt Hannah Emde. Zwar trägt sie im Regenwald stets Gummistiefel, doch damit blieb die Beuelerin bei ihrem ersten Aufenthalt prompt stecken. Sie bekam sofort Panik und rief laut um Hilfe.

„Jeder weiß, dass es dort riesige Krokodile gibt, die im Uferbereich lauern und auf Beute warten. Meine Begleiter haben die Situation schnell erkannt und mich mit vereinten Kräften an Land gezogen. Damals hatte ich wirklich große Angst.“ Ansonsten hat sie ihre Abenteuer bisher ohne große Blessuren überstanden, „bis auf eine Lebensmittelvergiftung. Und auch an die vielen Insektenstiche gewöhnt man sich irgendwann.“

"Care-Pakete" von der Mutter

Nach ihrem Praktikum in Borneo und der kurzen Zwischenstation in Deutschland geht es im September dann weiter nach Costa Rica. Dort wird Hannah Emde auf einer Wildtierauffangstation im Regenwald arbeiten, verletzte Tiere behandeln und aufpäppeln, um sie später wieder auszuwildern. Ihr Fernweh ist damit längst noch nicht gestillt. „Südamerika ist ein großer Traum, den ich mir noch erfüllen will. In Ecuador oder Peru würde ich gerne den Dschungel mit seiner Artenvielfalt kennenlernen und an Projekten des Tier- und Umweltschutzes mitarbeiten“, so die Beuelerin.

Damit Heimweh erst gar nicht aufkommt, schickt ihre Mutter ihr regelmäßig „Care“-Pakete. „Natürlich mit jeder Menge Schokolade sowie Schwarzbrot und Käse. Mehr vermisse ich im Dschungel nicht.“

Hannah informiert regelmäßig auf ihrem Blog unter www.nepadawild.life über die Arbeit und ihre Erlebnisse vor Ort.

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