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Tschernobyl-Zeitzeuge in der Gesamtschule Beuel: Viele Kameraden sind schon gestorben

Tschernobyl-Zeitzeuge in der Gesamtschule Beuel : Viele Kameraden sind schon gestorben

Er war als Zeitzeuge in der Gesamtschule Beuel zu Gast: Wolodimir Altuchow, der einer der Feuerwehrmänner von Tschernobyl war und den Schülern von dem lebensgefährlichen Einsatz an dem Katastrophenreaktor berichtete.

„50 von unserer insgesamt 280 Männer großen Truppe sind bereits tot“, erzählte Wolodimir Altuchow am Donnerstagnachmittag den gut 150 Schülern der zehnten Klassen in der Aula der Gesamtschule Beuel. Am 26. April jährt sich zum 30. Mal der Reaktorunfall von Tschernobyl, und der aus dem ukrainischen Charkiw stammende Altuchow gehörte zwar nicht zu den Männern der ersten Stunde, war aber gemeinsam mit den Männern seiner Brigade ab dem 26. Mai für Löscharbeiten in einem Umkreis von 30 Kilometern rund um den havarierten Kernreaktor abkommandiert worden.

„Am meisten hat uns die unglaubliche Leere beeindruckt“, erinnert er sich: „Leere Dörfer, leere Städte – Prypjat zum Beispiel war ja eine junge Stadt, im Zuge der Errichtung des Kernkraftwerks erst gut zehn Jahre zuvor gebaut.“ Mit Löscharbeiten in den Städten, Dörfern und Feldern rund um das Unglücksgebiet waren Altuchow und seine Mitkämpfer betraut.

Aber auch auf Feldern und in vielen Wäldern galt es Brände zu bekämpfen: „Mit dem Hubschrauber hatte man großräumig Zellulosereste über dem Gebiet abgeworfen. Die sollten dazu dienen, den radioaktiven Staub zu binden“, erzählte der Feuerwehrmann. Es habe aber in den Monaten April und Mai eine Schönwetterperiode in dem Gebiet geherrscht, dass an der ukrainisch-weißrussischen Grenze liegt. „So konnte die Zellulose einen Film bilden, der die Sonnenstrahlen wie eine Lupe bündelte. Überall brannten die Wälder, und auch der Torf in den Sümpfen fing Feuer“, erinnert sich der Zeitzeuge.

Ein kurzer, aber lebensgefährlicher Einsatz

Nur elf Tage dauerte der Einsatz der Männer, der trotzdem in den nächsten 30 Jahren fast ein Viertel von ihnen das Leben kosten sollte: „Der Einsatz war schwer, aber nicht lang“, so der Veteran. Höchstens 20 Röntgen habe die tägliche Höchstdosis betragen, der jeder der Wehrmänner hätte ausgesetzt sein dürfen: „Wir hatten ja keine echte Schutzausrüstung, und obwohl wir nach jedem Einsatz die Kleidung wechselten, waren wir ja schon allein durch den Rauch, der ebenfalls radioaktiv war, gefährdet“, so Altuchow, der sich heute als Leiter des Veteranen-Verbandes „Feuerwehrmänner von Tschernobyl“ in seiner Heimatstadt engagiert.

Altuchow spricht weder Deutsch noch Englisch – daher wurde das Gespräch von der Journalistin und Dolmetscherin Olga Kapustina moderiert und übersetzt. Die Veranstaltung kam durch den Kontakt eines Lehrers der Schule zum Minsk-Club zustande und wurde von dem Verein „Zukunft nach Tschernobyl“ organisiert, der sich in Weißrussland unter anderem für die Umsiedelung von im verseuchten Gebiet lebenden Familien engagiert.

Wer Altuchow selber zuhören möchte, hat dazu am kommenden Montag im Gemeindesaal der Emmaus-Kirche erneut Gelegenheit: In der Borsigallee 23 wird Altuchows Vortrag ab 19 Uhr bei den Pfadfindern Hardtberg noch einmal zu hören sein.