Mundart für die dunkle Jahreszeit: Ursula Becker organisiert den "Bönnschen Advent"

Mundart für die dunkle Jahreszeit : Ursula Becker organisiert den "Bönnschen Advent"

Der rheinische Dialekt war Ursula Becker von Haus aus zunächst unbekannt. Den habe sie sich selber aneignen müssen, sagt die 68-Jährige. "Ich bin in Köln in den 50er Jahren groß geworden. Viele Kinder dort konnten kein Hochdeutsch."

Um sich dennoch mit ihnen unterhalten zu können, musste die Tochter einer Hochdeutsch sprechenden Berlinerin erst Kölsch lernen. "Das war wie eine Fremdsprache", sagt sie Deswegen kann die Vilicherin heute problemlos von Hochdeutsch zu Mundart umschalten. Dann etwa, wenn sie mit ihrem Mann spricht, einem echten Rheinländer. Oder, wenn sie zum "Bönnschen Advent" einlädt. Den organisiert sie seit 2008, bei wachsender Beliebtheit. Becker und einige andere lesen dann Geschichten und Gedichte in rheinischem Dialekt vor, oft Historisches. "Anekdoten in Mundart kommen zwar gut an, sind aber oft mit Klamauk verbunden", sagt sie. Das könne man nicht steigern.

So hört man dort kleine Verzellche (Erzählungen) zum Schmunzeln, wie die von der Großmutter und dem Globus. Da kommt zwangsläufig nicht nur Beueler Mundart vor, da viele Gedichte und Lieder auf Kölsch sind. "Wir sind nicht die Hüter der richtigen Mundart", sagt Becker.

Unterstützung bekam die 68-Jährige durch Hans Lennartz, Leiter des Beueler Heimatmuseums. Außerdem fanden sich sechs Damen, die als Chor mit Akkordeonbegleitung Lieder zur Veranstaltung beitrugen. Anfangs wurden Liedtexte verteilt, um die Teilnehmer zum Mitsingen zu animieren - mit mäßigem Erfolg: "Da hieß es, es sei zu dunkel oder man habe ja keine Brille mit", erinnert sich Becker. Also besorgte sie eine Leinwand und warf die Texte mit einem Beamer darauf. Da war den Leuten die Schrift zu klein - wirklich recht habe man es dem Publikum nie machen können.

Aber die Leute kommen trotzdem gerne. 2014 besuchten 60 Personen die Bücherei in Vilich, die Becker früher leitete. Dieses Jahr seien es weniger gewesen, aufgrund von Krankheiten und weil weniger Werbung gemacht wurde. Erstmals war Hans-Paul Müller an Lennartz' Stelle dabei. Seit 2012 wird eine zweite Veranstaltung im Heimatmuseum ausgerichtet.

Am Anfang wurde das Lied "Mir kumme us dem Morjenland" gesungen, dazu traten auch die drei Könige auf. Einmal, erinnert sich Becker, war Serge Mpouma, der Bürgervereinsvorsitzende von Geislar, mit dabei. Er bekam einen besonderen Auftritt: Da kamen nur zwei Weise in den Saal zu ihr und Lennartz, und letzterer fragte verdutzt: "Wat macht ihr denn hier, wo ist denn der Dritte?". Dann ging die Tür auf, und Mpouma stand dort und rief: "Die haben mich hier vergessen."

Einen echten Afrikaner dabei zu haben, sei eine gelungene Überraschung für die Gäste gewesen. Familie, Plätzchen backen: "Der Advent ist eine schöne Zeit, auch wenn es dunkel ist", findet Becker. Und die rheinische Mundart passe sehr gut in diese Zeit, "weil man mit wenigen Ausdrücken diese Wärme und Herzlichkeit ganz anders vermitteln kann als im Hochdeutschen". Ursula Becker ist es wichtig, "die Mundart zu pflegen, auch in einer anderen Zeit als Karneval". Denn das Rheinische habe mehr zu bieten als Alaaf und Kamelle.