Verkauf am Hardtweiher: Unterwegs mit Maibaumkäufern in Beuel

Verkauf am Hardtweiher : Unterwegs mit Maibaumkäufern in Beuel

Großer Andrang herrschte beim Maibaum-Verkauf des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft am Hardtweiher. Schon eine Stunde vor Öffnung des Kassenhäuschens hatten sich viele junge Männer bereits die besten Exemplare ausgesucht.

Mit Bescheidenheit kommt in dieser Nacht keiner ans Ziel. Zu klein, zu wenig Laub, zu mickrig: Raffi, Fyn und Julian mache es sich wirklich nicht leicht. Einen Baum nach dem anderen stemmen die drei Jungs aus Pützchen auf, um garantiert das schönste Exemplar für ihre Liebsten zu finden.

Zwar hatte das Team um Revierförster Bernd Sommerhäuser am Dienstag erst ab 15 Uhr zum Maibaumverkauf eingeladen. Doch schon eine Stunde bevor das provisorische Kassenhäuschen am Grillplatz Hardtweiher öffnete, hatten sich viele junge Männer ihren Maibaum ausgesucht und sicherheitshalber zur Seite gelegt. „Wir brauchen einen sehr großen, da eine Freundin in einem Hochhaus wohnt, einen kleinen für ein Einfamilienhaus und einen mit einer Gesamtlänge von etwa fünf Metern“, stellen Raffi die „Einkaufsliste“ am Vorabend des 1. Mai vor.

Nach gut zehn Minuten war die Entscheidung gefallen. Eine mindestens neun Meter große Birke kommt mit. „Sie muss nicht nur schön gewachsen sein, sondern sie darf auch nicht zu schwer sein“, erklärt Fyn. „Sonst haben wir in der Nacht Probleme mit der Befestigung.“

Rund 320 frisch geschlagene Maibäume hatte das Team des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft morgens nach Niederholtorf gebracht. Sie waren tags zuvor im Siebengebirge geschlagen worden. „Hätten wir sie bereits Anfang der Woche hierhin transportiert, dann hätten wir wohl eine Nachtwache aufstellen müssen“, lacht Sommerhäuser.

Nicht nur junge Männer kamen gestern. „Nein“, schmunzelt einer der ersten Kunden, der längst aus dem Teenageralter heraus ist. „Ich bin seit 24 Jahren verheiratet und meine Frau bekommt noch immer jedes Jahr einen Baum.“ Den „typischen Maibaumkäufer“ gibt es sowie nicht. „Natürlich kommen meist junge Burschen. Aber wir verkaufen auch immer wieder Maibäume an ältere Herren.“ Im vergangenen Jahr kam außerdem ein Zwölfjähriger. „Der hat uns dann gefragt, ob er einen Maibaum mit in den Bus nehmen darf“, lacht ein Mitarbeiter des Forstreviers.

Gegen 22 Uhr beginnt das Aufstellen

Mit solchen Problemen muss sich der 14-jährige Paul nicht herumplagen. Er hat gleich seinen Vater mitgebracht. Allerdings entpuppt sich dieser nicht nur als versierter Chauffeur für den Abtransport, sondern gibt seinem Filius auch so manchen Tipp bei der Auswahl. „Wahrscheinlich werde ich ihm auch beim Aufstellen seines allerersten Maibaums helfen“, witzelt der Vater.

Einig sind sich die jungen Männer an diesem Tag, dass sie ihre Maibäume noch mit bunten Bändern schmücken werden. Natürlich darf auch ein Herz mit dem Namen der Liebsten nicht fehlen. „Darauf legen die Mädchen Wert. Eine Birke ohne Herz ist kein Maibaum“, betont Julian.

Wer seinen Baum ausgesucht und bezahlt hatte, der bekam natürlich auch eine Quittung des Revierförsters. „Das ist wichtig“, erklärt Sommerhäuser. „Denn die Polizei fragt danach, wenn ihr kontrolliert werdet.“ Wer einen solchen Nachweis nicht vorweisen kann, der muss mit empfindlichen Strafen rechnen. „Wenn ich sehe, wie jemand ohne Erlaubnis einen Baum aus dem Wald holt, dann kassiere ich das Exemplar nicht nur ein“, sagt der Förster. „Sondern wir zeigen denjenigen außerdem wegen Sachbeschädigung und Diebstahl an.“

Mittlerweile haben sich Raffi, Fyn und Julian schon auf den Heimweg Richtung Pützchen gemacht. „Wir laufen zu Fuß. Geht ja immer nur bergab“, lachen sie und freuen sich schon auf die Nacht. „Gegen 22 Uhr werden wir mit unserer Aufstelltour beginnen. Natürlich mit Musik und einem Bierchen.“ Das lockt die Jungs Ende Mai wieder zum Elternhaus ihrer Liebsten. „Natürlich erwarten wir, dass wie beim Abbauen des Baumes einen Kasten Bier von den Eltern bekommen“, sind sie sich einig. Ans Abbauen denkt Revierförster Sommerhäuser allerdings mit gemischten Gefühlen. „Die bunten Bänder sind in der Regel nicht kompostierbar. Aber nicht jeder macht sich die Mühe und entsorgt sie ordnungsgemäß.“

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