"Abenteuer Lernen": Unesco zeichnet Beueler Verein aus

"Abenteuer Lernen" : Unesco zeichnet Beueler Verein aus

Der Verein „Abenteuer Lernen“ aus Beuel wurde von der Unesco ausgezeichnet. Rund 7000 kleine Wissenschaftler, Handwerker und Künstler im Alter von drei bis 18 Jahren profitieren pro Jahr von dem Angebot.

„Messer, Schere, Gabel, Licht sind für kleine Kinder nicht“ – mit diesem alten Sprichwort sind Generationen aufgewachsen und erzogen worden. Beim Verein „Abenteuer Lernen“ werden solche Volksweisheiten jedoch auf den Kopf gestellt. „Natürlich arbeiten wir mit Feuer“, sagt Erika Luck-Haller von der Geschäftsführung. Auch Werkzeuge nehmen die Kinder unter Aufsicht der Pädagogen und Naturwissenschaftler selbst in die Hand – feilen, bohren, sägen und schmirgeln.

Wie spuckt man Feuer oder lässt eine Rakete zischen, wie geht man mit Säge und Hobel um und fertigt aus einem Ast einen Würfel? Bei „Abenteuer lernen“ können kleine Wissenschaftler alles ausprobieren. Nicht zusehen, sondern selber machen lautet die Devise. „Kinder wollen ihre Umwelt selbstständig entdecken und Dinge ausprobieren. Sie brauchen Aufgaben, die sie herausfordern, und einen Raum, sich sinnvoll und selbstbestimmt damit zu beschäftigen“, sagt Luck-Haller über das Konzept.

Der Verein hat dafür spezielle Bildungsangebote in den Bereichen Naturwissenschaft, Kunst und Handwerk entwickelt. Das macht das Team aus neun Teilzeitkräften sowie weiteren Honorarkräften so gut, dass der in Beuel ansässige Verein im Siebenmorgenweg sowohl von der Unesco als auch vom NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in diesen Tagen ausgezeichnet wurde. „Abenteuer Lernen schafft es, Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturwirksam zu realisieren, und fördert die Gestaltungskompetenz von Kindern und Jugendlichen in vorbildlicher Weise“, begründete die Jury der Deutschen Unesco-Kommission ihre Entscheidung. Die Teilnehmer würden so über die schulische Wissensvermittlung hinaus befähigt, sich für eine verantwortungsvolle Gestaltung der Gesellschaft einzusetzen.

„Das Interesse, sich mit der eigenen Umwelt auseinanderzusetzen, ist bei jedem Kind von Natur aus hoch. Dabei ist es völlig egal, welche Herkunft oder welche Begabung es hat“, so Luck-Haller. Daher würden sich Experimentierkurse, Erfindertage, Workshops und Handwerksangebote an alle Kinder wenden – „an Hochbegabte, Kinder mit Handicap oder sozialen Schwierigkeiten“.

„Lernen beginnt, wenn wir gewohnte Bahnen verlassen und neue Wege beschreiten“, erklärt die promovierte Wissenschaftlerin weiter. Unter „zurückhaltender, aber kompetenter Anleitung“ sollen Kinder und Jugendliche Neues ausprobieren. Dabei steht nicht Faktenwissen, sondern die Freude am Beobachten, Experimentieren und selbstständigen Denken im Mittelpunkt. „Wir lassen den Kindern so viel Freiheit wie möglich“, ergänzt die Leiterin der Einrichtung.

Rund 7000 kleine Wissenschaftler, Handwerker und Künstler im Alter von drei bis 18 Jahren profitieren pro Jahr von dem Angebot. Das Team bietet nicht nur Kurse in seiner Werkstatt in Beuel an, sondern die Mitarbeiter gehen in Kitas, offene Ganztags- und normale Schulen und arbeiten dort mit den Kindern. „Wichtig ist uns, dass wir einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen“, erklärt Erika Luck-Haller. So könne man das Thema Feuer beispielsweise in allen Bereichen einbinden. „Man kann mit Kohlestiften malen oder auch Feuerbilder brennen. So transportieren wir das Thema selbst in die Kunst.“ Dabei muss in den Werkstätten und Laboren längst nicht alles rund laufen. „Die Kinder dürfen auch Fehler machen. Wenn etwas nicht klappt, dann dürfen sie weiter ausprobieren und experimentieren, bis sie ihre eigene Lösung gefunden haben“, beschreibt Luck-Haller die Prinzipien des Vereins. Denn nur so würden Empathie und vernetztes Denken gefördert, um die Zukunft der Gesellschaft zu gestalten.

Klimafest

Der Verein „Abenteuer Lernen“ lädt für Samstag, 19. Januar, von 14 bis 18 Uhr zum großen Klimafest in seine Räume am Siebenmorgenweg 22 ein. Anlass sind die Unesco-Auszeichnung sowie die BNE-Zertifizierung durch das Land NRW. Den ganzen Nachmittag über gibt es Klimaexperimente für „Leute von 3 bis 100“. Natürlich werden auch „klimafreundliche Speisen und Getränke“ angeboten.

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