Ex-Fußballprofi bei Bonner Expertentag: Ulrich Borowka über seinen Weg aus der Alkoholsucht

Ex-Fußballprofi bei Bonner Expertentag : Ulrich Borowka über seinen Weg aus der Alkoholsucht

Ex-Fußballprofi Ulrich Borowka berichtet bei einem Expertentalk von seinem Weg aus der Alkoholsucht. Da geht es zum Beispiel darum, wie er nach durchzechten Nächten zum Training antrat.

Abends ein Bierchen in geselliger Runde, dagegen hat niemand etwas einzuwenden. Aber wenn man dieses Bierchen braucht, um einzuschlafen, wenn man vorher schon auf dem Weg von der Arbeit nach Hause Alkohol zu sich genommen hat oder einen Vorwand sucht, um das Haus zu verlassen und mehr zu trinken, dann ist das eine Sucht. Oder wie es der Experte Hubertus Buschmann sagt: „Es wird zum Problem, wenn es eine Funktionalität bekommt.“ Einer kennt das: Der Ex-Bundesliga- und Nationalfußballspieler Ulrich Borowka hatte 14 Jahre lang ein Alkoholproblem und ist seit 19 Jahren trocken.

Er war einer der Gäste beim ersten Expertentalk der B.A.D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH mit Sitz in Beuel. Das Thema lautete „Berauscht: Sucht besiegt die Vernunft“. Buschmann ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Leiter der Median-Klinik Tönisstein. Ihm zur Seite saß zudem Markus Kappes, Berater im B.A.D-Gesundheitszentrum in Frankfurt, der die Sicht von Unternehmen im Umgang mit Suchterkrankten darstellte.

„Mir hilft es immer noch, offen darüber zu reden“, sagte Borowka. Er hat seinen Alkoholismus auch in seiner Autobiografie ungeschminkt thematisiert. Ihm ist klar: „Ich bin gefährdet bis ans Lebensende.“ Er berichtete von Gruppenzwang zum Trinken schon in der Lehre, von Erfolgsdruck als bekannter Fußballer und davon, dass irgendwann nur noch wichtig war, wo er den nächsten Alkohol herbekam. „Ich habe mir nicht helfen lassen, weil ich es nicht so gesehen habe, dass ich ein Problem habe“, meinte er.

Entzug und arbeitslos

Hatte er auch nicht: Auch nach durchzechten Nächten habe er am nächsten Tag beim Training seine Leistung erbracht. „Und ich habe nicht gemerkt, dass immer mehr Menschen mich verlassen haben“, so Borowka. „Ich brauchte den Alkohol auch, um vor mir selbst Ruhe zu haben.“ Als er es übertrieb, musste er einen Entzug machen, und danach fand er zunächst keinen Job – wegen der Rückfallgefahr.

„Jeder, der Menschen in Not und Brot hat, hat eine Fürsorgepflicht“, ist er überzeugt. Kappe sah das ähnlich. Als Führungskraft solle man versuchen, auffälligen Mitarbeitern den Eindruck zu vermitteln, dass sie nicht gleich rausgeschmissen werden, wenn sie sich outen. Präventiv könne man zum Beispiel Risikofaktoren im Arbeitsumfeld eliminieren: „Warum muss es in Kantinen Bier geben?“

„Wir leben leider in einer Gesellschaft, in der man sich für Abstinenz rechtfertigen muss“, sagte Buschmann. Er erläuterte Therapiemethoden und erklärte, was das Umfeld des Erkrankten machen könne. „Wichtig ist die Veränderungsmotivation.“ Das „nasse System“ müsse ins Wanken gebracht werden, etwa durch Führerscheineinzug, ermahnende Gespräche am Arbeitsplatz oder dadurch, dass Lebenspartner und Freunde auf Distanz gehen.

Er empfahl, dass Suchtkranke konsequent Selbsthilfegruppen besuchen, in der sie unter Gleichen sind. „Man schaut in einen Spiegel“, meinte der Arzt.

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