Workshop im Jungen Theater Bonn: Üben vor der Kamera

Workshop im Jungen Theater Bonn : Üben vor der Kamera

Das Junge Theater Bonn bringt dem Nachwuchs die Schauspielerei näher. Kursleiterin Beatrice Masala stand schon mit Hape Kerkeling und Sky du Mont vor der Kamera.

Schneewittchen, Rapunzel und Co. gehören zu den Märchenklassikern, die Eltern seit Generationen ihrem Nachwuchs erzählen. Wenn dann aber in einem von Kindern geschriebenen Theaterstück die schöne Rapunzel auf die sieben Zwerge trifft und diese dann auch noch Namen wie „Stuart“ oder „Kevin“ haben, könnte so mancher eingefleischter Märchen-Fan auf den Gedanken kommen, dass bei der elterlichen Vermittlung der Grimmschen Erzählungen irgendetwas stark durcheinander geraten ist.

Aber das augenscheinliche Chaos hat Konzept: Beim fünftägigen Ferien-Workshop des Jungen Theaters Bonn (JTB) in Dottendorf sollte der Schauspielnachwuchs nämlich eigene Stücke schreiben, seiner Fantasie freien Lauf lassen und so Spaß an der Welt des Theaters bekommen.

„Ich finde es toll, dass die Kinder so einfallsreich und motiviert sind“, sagte Kursleiterin Beatrice Masala. Die 53-Jährige ist von Beruf Schauspielerin und stand schon mit Hape Kerkeling und Sky du Mont vor der Kamera. Jetzt machte sie mit ihren Einsteigerkursen Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren ihren Beruf schmackhaft. „Neben den selbst ausgedachten Märchen haben wir uns aber auch um andere Stücke gekümmert und viele Spiele gespielt. Hauptsächlich um Grundlagen in den Bereichen Gestik, Mimik und Sprache zu erlernen, aber auch, um das Gruppengefühl zu stärken.“

„Das Tanzen hat uns am besten gefallen“

Von der lockeren und kreativen Atmosphäre beim Workshop profitierten auch die Geschwister Diema (11) und Sulaiman (8), die vor neun Monaten mit ihren Eltern aus dem irakischen Mossul nach Deutschland geflohen sind. Die beiden nahmen in Begleitung ihrer ehrenamtlichen Patin Adele Meindorf (69) aus Sankt Augustin an dem Kurs teil. „Das Tanzen hat uns am besten gefallen“, sagten Diema und Sulaiman. „Wir haben hier auch Freunde gefunden.“

Die Kooperation zwischen dem im Ortszentrum Dottendorf ansässigen Bürgerverein und dem Jungen Theater mit Sitz in Beuel entstand anlässlich der Sanierung des Theatergebäudes in der Hermannstraße. Hier wurde bis zur Wiedereröffnung im September elf Wochen lang renoviert, das Ortszentrum diente als Ausweichmöglichkeit. „Jetzt soll die Zusammenarbeit weitergeführt und ausgebaut werden“, so eine Sprecherin des JTB. „Dazu gehören auch zwei unserer Schauspiel-Schnupperworkshops in den Herbstferien, die in diesem Jahr erstmalig im Ortszentrum Dottendorf ausgerichtet wurden.“

Filmszenen vor der Videokamera

In der Tapetenfabrik in Beuel konnten junge Talente indes lernen, wie man sich kamerawirksam in Szene setzt: Beim „Camera-Acting-Workshop“ lernten Jungschauspieler mit Bühnenerfahrung das Handwerkszeug für die Arbeit in Film und Fernsehen. „Vor der Kamera zu stehen, ist ein ganz anderes Spielgefühl als auf einer Bühne“, erklärte David Imper (37), der den Kurs leitete. „Es ist viel intimer. Man muss sich anders bewegen und sprechen als im Theater, sonst wirkt es übertrieben.“

Um das zu verdeutlichen, spielte er mit seinen Schülern Filmszenen nach und nahm diese mit einer Videokamera auf. Die Aufnahmen wurden anschließend in der Gruppe analysiert. „Der Kurs ist sehr professionell, und das Feedback vom Dozenten wirklich hilfreich“, resümiert Teilnehmerin Kerstin Müller (18).

Auch in den Winterferien bietet das Junge Theater Bonn viele Schnupper-Workshops für Kinder und Jugendliche an. Mehr Informationen auf www.jt-bonn.de

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