Haus Michael in Beuel: Trägerverein wehrt sich gegen Stellenkürzung

Haus Michael in Beuel : Trägerverein wehrt sich gegen Stellenkürzung

Gespräch am Wochenende: Der Vorstand von Haus Michael sammelt Argumente gegen die Position des Jugendamtes.

Die Zukunft der Kinder- und Jugendeinrichtung Haus Michael steht derzeit auf wackeligen Beinen. Die Stadtverwaltung beabsichtigt, ab 2017 das dort beschäftigte Fachpersonal um 60 Prozent zu kürzen. Das bedeutet: Die von der Bundesstadt finanzierten Stellen sollen von 2,5 auf eine reduziert werden. So ist es jedenfalls in der Fortschreibung des Freizeitstättenbedarfsplans zu lesen. Gegen diesen Vorschlag der Fachverwaltung wehren sich Eltern, Kinder und der Trägerverein von Haus Michael seit Wochen. Über mögliche Auswirkungen und Konsequenzen der angekündigten Stellenreduzierung sprachen der Vorsitzende des Trägervereins, Mario Pohlscheid, sein Stellvertreter Thomas Borowiec, und der Leiter der Offenen Tür, Michael Maichle mit Holger Willcke.

Wie haben Sie von der geplanten Stellenkürzung erfahren?
Mario Pohlscheid: Das ist eigentlich eine enttäuschende Geschichte. Am 23. November 2015 bat die Stadt Bonn um ein Gespräch, das am 3. Dezember im Jugendamt stattgefunden hat. In der Zwischenzeit hatte ich vom Jugendamt erfahren, worum es der Stadt geht. Da wir in ständigem Kontakt mit der Stadtverwaltung stehen, haben wir uns gewundert, warum man uns diese Entwicklung nicht vorher signalisiert hat. Im Sommer 2014 haben wir von der Stadt eine positive Rückmeldung erhalten, einen neuen Leiter für die Offene Tür einzustellen. Da fragen wir uns jetzt natürlich, was hat sich seitdem geändert.

Wie begründet die Stadt die angekündigte Reduzierung?
Thomas Borowiec: Die Stadt will einen Rückgang der Besucherzahlen und des künftigen Bedarfs festgestellt haben. Beides stimmt nicht, das können wir eindeutig belegen. Zudem argumentiert die Stadt, dass sich Haus Michael in einer Randlage befinde. Den Grund verstehen wir überhaupt nicht, weil wir schon immer an diesem Standort waren. Und die Stadt hat uns in all den Jahren stets eine zentrale Versorgungsfunktion zumindest für den Nordosten Beuels bestätigt. Das soll jetzt alles nicht mehr zutreffen.
Michael Maichle: Im Gegenteil, der Bedarf hat durch die Reduzierung des städtischen Jugendangebots in Geislar sogar zugenommen. Und durch die Entwicklung der Flüchtlingszahlen ist ein weiterer Besucheranstieg zu erwarten. Schon jetzt betreuen wir Flüchtlingskinder. Außerdem entstehen in absehbarer Zeit im Beueler Norden neue Wohngebiete, die im Freizeitstättenbedarfsplan nicht berücksichtigt sind.

Wie viele Kinder besuchen die Offene Tür?
Maichle: Rund 250 Kinder nutzen wöchentlich unsere Angebote. Damit zählen wir zu den größten Jugendeinrichtungen im Stadtbezirk Beuel.

Was würde die geplante Stellenreduzierung für ihre tägliche Arbeit bedeuten?
Pohlscheid: Sie hätte massive Einschnitte zur Folge. Wir müssten nämlich unsere Öffnungszeiten drastisch reduzieren. Derzeit haben wir als einzige Bonner Jugendeinrichtung fünf Mal in der Woche bis 22 Uhr geöffnet – und zwar von montags bis freitags ab 14.30 Uhr. Würden unsere Stellen um 60 Prozent gekürzt, könnten wir statt 37 Stunden in der Woche nur noch 18,25 Stunden öffnen. Was zur Folge hätte, dass wir wahrscheinlich nicht mehr an fünf Werktagen öffnen könnten. Außerdem müssten wir Personal entlassen. Vier Personen teilen sich derzeit 2,5 Stellen. Unterm Strich ist festzustellen, dass durch die angedrohten Kürzungen die Attraktivität der Einrichtung schwinden würde. Zudem nähme die Stadt uns jegliche Entwicklungsmöglichkeit.

Sind die Kinder und ihre Eltern bereits informiert?
Borowiec: Ja, umfassend. Die Empörung ist groß. Nicht nur bei Kindern, Jugendlichen und Eltern in unserer Umgebung, sondern auch beispielsweise in Geislar und Vilich-Müldorf. Jugendliche sammeln Unterschriften und die Jungendgruppe hat einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben.

Stellen Sie schon Reaktionen der Eltern fest?
Maichle: Ja. Die Eltern sind entsetzt über die Tatsache, dass das Angebot und die Öffnungszeiten, bedingt durch die Stellenreduzierung im Sozialraum, konkret bei uns in der Einrichtung zu Lasten ihrer Kinder so massiv heruntergefahren wird. Sie äußern Sorge darüber, dass die bewährten Strukturen in Perspektive aufweichen könnten und wir im Beueler Norden, mangels offener Jugendarbeit, in Problemlagen kommen könnten, welche es in 50-jähriger Trägerschaft nicht gab.

Wie haben Sie auf die Ankündigung der Stadt reagiert?
Pohlscheid: Wir haben alle Parteien um Unterstützung gebeten. Außerdem haben wir einen Bürgerantrag eingereicht. Wir konnten bisher knapp 1300 Unterschriften sammeln und werden vor Beginn der Sitzungen von Bezirksvertretung, Jugendhilfeausschuss und Stadtrat mit Kindern, Jugendlichen und Eltern für unsere Forderungen demonstrieren. Eine Plakataktion ist in Vorbereitung. Dabei fordern wir nicht mehr Unterstützung, sondern kämpfen nur um die Beibehaltung des Status quo.