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Projekt in Beuel: Theaterworkshop für Flüchtlinge in der Brotfabrik

Projekt in Beuel : Theaterworkshop für Flüchtlinge in der Brotfabrik

Kaum hatte das Publikum Platz genommen, musste es auch schon wieder aufstehen. „Kommen Sie“, sagte Araz Hesso, die zuvor jeden Gast mit Handschlag und einem freundlichen „Hallo“ am Eingang persönlich begrüßt hatte.

Viele waren irritiert, einige folgten ihrer Aufforderung direkt und steuerten eine der sechs Stationen an – das Ergebnis des Theaterworkshops „Odyssee – Heimat ist ein Gefühl“ in der Beueler Brotfabrik.

Da war zum Beispiel ein Brautpaar, das auf seine Gäste wartete oder eine Kaffeesatzleserin, die einen Blick in die Zukunft warf. Ein Stück weiter sang ein junger Mann aus Syrien ein Liebeslied – auf deutsch. Es ist seiner Freundin gewidmet, die auf der Flucht starb. An der nächsten Station standen Einmachgläser und eine Schreibmaschine.

Darstellerin Lea Goebel tippte den ersten Satz: „Was Heimat ist“, steht nun ganz oben auf dem Papier. Nun durften sich alle darauf verewigen. „Heimat ist, aufgehoben zu sein“, schrieb ein Mann. Ein junges Mädchen „Heimat ist für mich die Umgebung, in der ich Freunden begegne“. Am Ende war das Blatt voll. Fast jeder hatte seine eigene Definition davon hinterlassen, was Heimat für ihn bedeutet.

In den Einmachgläsern hatten die Workshopteilnehmer dann Dinge verstaut, die für sie ein Stück Heimat meinen. Da waren zum Beispiel „Mutter Erde“ oder ein Schlüssel. Letzterer ist für einen Flüchtling das Sinnbild seines Hauses, das er wohl nie wieder betreten wird.

Für Schauspieler Mario Högemann und Regisseurin Christina Schelhas war der Theater-Workshop, den sie in den Osterferien mit Flüchtlingen und Bonnern gestaltet hatten, eine Art Recherche für das Stück „Odysee“, für das die Proben in dieser Woche beginnen und am 9. Juni Premiere in der Brotfabrik ist.

Zwei Wochen lang hatten die beiden mit den Darstellern aus Afghanistan, dem Iran und Syrien erarbeitetet, was Heimat für ein Gefühl ist. Für Shirin Mohamed war dies eine ganz neue Erfahrung. „Ich dachte zuerst, wir spielen auf der Bühne ein Stück. Dass wir aber selbst ein Stück unserer Kultur darstellen sollten, hat mich begeistert“, sagte die junge Frau aus Syrien.

Außerdem habe sie viel gelernt, viel deutsch gesprochen und viele neue Kontakte geknüpft. Auch Rabia Öztürk zeigte sich begeistert über die Arbeit der vergangenen zwei Wochen. „Ich habe so viele Rituale aus den anderen Ländern kennengelernt“, sagte die Bonnerin mit türkischen Wurzeln. Dass das Ziel, die Zuschauer ein Stück weit an der Kultur der Flüchtlinge teilhaben zu lassen, erreicht wurde, macht sie besonders glücklich. Besucherin Birgit Schauerle-Lau dachte eigentlich, sie schaue sich ein Theaterstück an.

Dass sie selbst aktiv werden musste, erstaunte sie zunächst, sie zeigte sich am Ende jedoch sehr beeindruckt. „Von solchen Aufführungen sollte es mehr geben. Ich habe mir ein gutes Bild über die unterschiedlichen Kulturen machen können, auch wenn es nur ein winzig kleiner Ausschnitt war“, so Schauerle-Lau. Für sie war das Erlebte an dem Nachmittag in der Brotfabrik ein ein gutes Mittel zur Integration.