Abschluss des Festivals: Talentsuche beim Beueler Demokratie-Festival

Abschluss des Festivals : Talentsuche beim Beueler Demokratie-Festival

Mehr als 100 Jugendliche feiern den Abschluss des Jugend-Demokratie-Festivals. Viele Teilnehmer machen sich Gedanken über die Zukunft des Landes.

Zwei Tage lang beteiligten sich über 100 Schülerinnen und Schüler, Bands, Filmgruppen und Politiker am ersten Jugend-Demokratie-Festival der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Unter professioneller Begleitung entstanden nach kurzer Wissensvermittlung durch politische Gäste und Zeitzeugen sowie unter professioneller Anleitung von Musikern, Filmemachern und Poetry-Slamern Filme, Songs und Texte als Antwort auf aktuelle Fragen, die die 15- bis 19-jährigen Schüler aus Bonn, Köln und der Region an unsere Demokratie stellten.

„Mit dem Demokratie-Festival wollten wir zeigen, dass es wichtig ist, einmal den gewohnten Rahmen zu verlassen, um damit auch diejenigen zu erreichen, die sich ansonsten vielleicht weniger für Politik interessieren“, sagte Kerstin Ott von der FES. Mit dem Wissen, dass Demokratie alle Talente braucht, erarbeiteten die Jugendlichen aus unterschiedlichen Schulformen und -orten kreative Beiträge zu sozialer Ungleichheit, zu Rechtspopulismus und zum Thema der digitalen Kommunikation.

In bester Jugendbildungsmanier hatten die Organisatoren einen Parcour mit Planspiel und Quiz entwickelt sowie zwei Zeitzeugen des Mauerfalls eingeladen. „Ganz bewusst haben wir den 9. November für das Festival gewählt“, so Ott, „da der Tag des Mauerfalls sehr deutlich zeigt, dass Demokratie weder von alleine kommt, noch bleibt.“ Nach einer Einführungsphase konnten sich die Jugendlichen für einen Workshop entscheiden, mit dessen Hilfe sie annahmen, ihre Ansichten zur Demokratie am besten ausdrücken zu können.

Nach zwei intensiven Arbeitstagen fand sich der Großteil aller Teilnehmer am Freitagabend auf der Bühne oder im Zuschauersaal des Pantheon-Theaters wieder. Bis zur letzten Minute wurden vor den Auftritten noch Filme geschnitten, an Poetry-Texten geschliffen oder Plakate gemalt. Einige Bühnenprofis, wie der Moderator und Slam-Poet Florian Cieslik oder die Singer-Songwriterin Fee konnten geschickt das Eis für einen ersten Auftritt der Jugendlichen im Scheinwerferlicht der großen Bühne brechen.

"Demokratie auf wackeligen Füßen"

So begann Cieslik den Abend mit einem Demokratietest für die rund 100 Jugendlichen: Er forderte sein Publikum auf, mit zu Federn gespreizten Fingern hinter ihrem Kopf, den „Kulturindianer“ zu machen. Dazu sollte auch das typische Indianergeheul geschrien werden. Er trieb die vergnügt ihn nachahmenden Festivalteilnehmer zu immer lauterem Gejohle an. Als der Saal zu kochen begann, unterbrach er die Schau, forderte auf, die Hand aufs Herz zu legen und ihm Wort für Wort nachzusprechen: „Hiermit gelobe ich feierlich... nicht mehr jeden Mist mitzumachen..., der mir vorgegeben wird“, womit die erste Demokratielektion des Abends angekommen war.

Die zweite folgte von dem Kampagnen-Workshop, der auf der Bühne mit 20 Plakaten den Appell „Just do it: Geht wählen!“ entfaltete. Unter Anleitung der inzwischen professionell als Poetry-Slamerin auftretenden Bonnerin Ella Anschein trugen Pauline, Sophie und Esra eindrucksvolle Texte zu Sexismus, Emanzipation und Demokratie vor.

Selbst das wortlose Beatboxen des Workshops von Carlos Beatbox wurde durch seine Ansage, „Beatboxen ist Freiheit“, zu einem politischen Statement. Selbst drei Kurzfilme kamen zur Aufführung, die in den zwei Workshoptagen entstanden und genauso mit stehendem Applaus gefeiert wurden, wie die Auftritte der beiden Festival-Bands „FES-Westside“ und „Fette Rettiche“ mit ihren eigenen Texten und Kompositionen.

Spontan griff Lehrer Rolf Haßelkus von der Hardtberg-Realschule am Ende der Veranstaltung zum Mikrofon und sprach damit das ungeplante Schlusswort zu den Schülerinnen und Schülern: „Wenn ihr gestern noch gemeint hattet, unsere Demokratie würde auf wackeligen Füßen stehen, dann habt ihr heute Abend das Gegenteil bewiesen!“

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