Flüchtlingsdebatte in Vilich-Müldorf: „Stadt verspielt Vertrauen“

Flüchtlingsdebatte in Vilich-Müldorf : „Stadt verspielt Vertrauen“

Der Bürgerverein Vilich-Müldorf fordert eine gerechte Verteilung der geplanten Flüchtlingsunterkünfte im gesamten Stadtbezirk. Stadt informiert Bürger am Mittwoch.

Der von der Stadt Bonn geplante Bau von bis zu vier Flüchtlingsunterkünften in Vilich-Müldorf sorgt für Unruhe im 3300-Seelen-Dorf. Rund 250 Einwohner haben sich jetzt auf Einladung des Bürgervereins unter dem Motto „Offene Mühlenbachhalle“ getroffen. Einziges Thema: die geplanten Unterkünfte für Flüchtlinge. Hier die wichtigsten Ergebnisse der Aussprache:

Arbeitskreis: In der Dorfgemeinschaft besteht die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, man will sich keinesfalls vor der Aufgabe drücken. Und es gibt zahlreiche und konkrete Ideen, wie man Flüchtlinge in das Dorf und die Gemeinschaft integrieren kann. Der Bürgerverein plant, einen Arbeitskreis „Flüchtlinge“ ins Leben zu rufen, an dem alle Einwohner, die helfen wollen, teilnehmen können. Einige Freiwillige haben schon Interesse bekundet, sich für Flüchtlinge zu engagieren und Integrationsarbeit zu leisten.

Standorte: Die im Augenblick für Vilich-Müldorf angedachten vier Standorte sowie zwei weitere Standorte in direkter Nachbarschaft mit jeweils bis zu 300 Flüchtlingen sind nach Ansicht vieler Vilich-Müldorfer für den kleinen Ort nicht zu bewältigen.

Keine Positionierung: Der Bürgerverein will sich aus Gründen der Gleichbehandlung aller Dorfbewohner nicht für die eine oder andere Idee oder den einen oder anderen Standort positionieren, bittet aber, die angedachten städtebaulichen Planungen für das ganze Dorf zu berücksichtigen.

Informationspolitik: Durch ausgebliebene und verspätete Informationspolitik von Seiten der Verwaltung ist Vertrauen verspielt und sind unnötige Ängste und Verunsicherungen geschürt worden. Der Bürgerverein hat 1300 Flyer an alle Haushalte verteilt und die Bürger über die neuesten Entwicklungen informiert. Zusätzlich wird die Homepage ständig aktualisiert.

Mehr Unterstützung: Der Vorstand des Bürgervereins fordert mehr Unterstützung, um die Positionen gegenüber der Politik und der Verwaltung weiter zu stärken und die gemeinsamen Ziele für Vilich-Müldorf besser umsetzen zu können.

„Es war ein sehr emotionaler Abend, der nach über zwei Stunden angeregter, sachlicher und konstruktiver Diskussion noch lange nicht zu Ende war. In verschiedenen Gesprächsrunden wurde noch bis weit in die Nacht hinein diskutiert“, erklärte Thomas Biedermann, Vorsitzender des Bürgervereins Vilich-Müldorf. Bei aller Hilfsbereitschaft, die vorhanden ist, können viele Bürger nicht verstehen, warum die Stadt Bonn gerade im Nordosten von Beuel so viele Flüchtlingsunterkünfte errichten will.

„Wir fordern eine gerechtere Verteilung im Stadtbezirk Beuel, die auch eine soziale Integration der Flüchtlinge viel besser ermöglichen würde“, sagte Biedermann im Gespräch mit dem GA. „Wir fragen uns, warum die Stadt keine Flächen in Bechlinghoven, Holzlar, Hoholz, Beuel-Süd, Limperich, und Ramersdorf anbietet.“ Der Bürgervereins-Vorstand will in der Informationsveranstaltung der Stadt am morgigen Mittwoch (Beginn: 19 Uhr, Rathaus Beuel) die rechtsrheinischen Rheinaue als temporären Standort für Flüchtlingsunterkünfte in die Diskussion einbringen.

„Auf der Wiese vor der Telekom ist ausreichend Platz“, so Biedermann. Auch die Flächen rund um die Landwirtschaftskammer in Roleber würden sich dafür eignen. Außerdem spricht sich der Bürgerverein für kleinere Unterkünfte für bis zu 100 Menschen im Dorf aus. „Kleinere Einheiten kann man im Stadtgebiet besser verteilen, und die Anzahl der Menschen ist leichter zu integrieren. 1200 Flüchtlinge können wir in Vilich-Müldorf nicht bewältigen“, so Biedermann weiter.

Der Vorschlag von Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus, das für Schulzwecke reservierte Grundstück im Wohnpark I in Vilich-Müldorf mit einer Flüchtlingsunterkunft zu bebauen, stößt auf unterschiedliche Reaktionen. Der Bürgerverein kann sich die Umsetzung der Idee nur dann vorstellen, wenn dieses Gebäude so gebaut werden würde, dass man es nach Auszug der Flüchtlinge tatsächlich als kleine Schule oder als Dependance einer bereits bestehenden Grundschule nutzen kann.

Für die Bürgerversammlung am Mittwoch haben sich die Bürger sehr viele Fragen an die Stadt notiert. Am meisten von Interesse ist: Wann kommen die Flüchtlinge, woher stammen sie, was bedeutet temporäre Unterbringung, handelt es sich um Familien oder alleinstehende Männer? „Die Stadt muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und eine Ghettoisierung an den Stadträndern verhindern“, fordert Biedermann die Verantwortlichen der Stadt auf.

Weitere Informationen im Internet unter www.bv-vilich-mueldorf.de

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