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Gutachter wollen Talenteförderung: Stadt veröffentlicht Zwischenbericht zum Quartier Beuel-Ost

Gutachter wollen Talenteförderung : Stadt veröffentlicht Zwischenbericht zum Quartier Beuel-Ost

Der Zwischenbericht der Gutachter für die Quartiers­entwicklung Beuel-Ost formuliert es kurz und knapp: Der gegenwärtige Zustand des Stadtteils ist relativ schlecht, doch es gibt ausreichend Potenziale. Am 8. Juni will die Stadt den Bericht vorstellen.

Will man den Zwischenbericht der von der Stadt Bonn beauftragten Gutachter für die Quartiers­entwicklung Beuel-Ost kurz und knapp zusammenfassen, muss man es so formulieren: Der aktuelle Zustand des Stadtteils ist eher schlecht, aber es gibt ausreichend Potenziale.

Diesen Eindruck haben die Gutachter vor allem durch die sogenannten Akteursgespräche erhalten, die sie in Beuel-Ost mit Anwohnern, Betrieben und Institutionen geführt haben. Daraus haben die Gutachter folgendes mitgenommen: Die einzelnen Nutzungen und Akteure stehen weitgehend isoliert nebeneinander, es gibt keinen „kreativen“ Austausch; „Mindernutzungen“ werden als störend empfunden, das bezieht sich aber überwiegend auf ordnungsrechtliche Aspekte (Falschparken, Müllablagerungen), weniger auf planerische Aspekte; im Quartier fehlen (qualitätsvolle) gastronomische Angebote, sowohl für die Verpflegung der dort Arbeitenden als auch für Besucher kultureller Veranstaltungen; die Bahnlinie stellt eine Barriere dar, die sich auch in der Wahrnehmung des Quartiers Beuel-Ost widerspiegelt; die Entwicklung der verkehrlichen Erschließung des Quartiers hat für die Gesamtentwicklung eine große Bedeutung, Priorität sollten die Entwicklung der Evonik-Brache, eine Revitalisierung der Siegburger Straße, eine Kooperation der Markthallen mit dem Theater und Pantheon sowie die Aufwertung der Unterführungen haben.

Die künftige Entwicklung in Beuel-Ost soll nach Ansicht der Gutachter unter der Leitidee „Talente im Beueler Osten“ stehen. „Innerhalb des Quartiers haben sich größtenteils autarke Teilräume/Cluster entwickelt, die ein bestimmtes Talent aufweisen. Zu nennen ist beispielhaft das Kultur-Cluster in und um das Gelände der Halle Beuel auf dem sich kulturelle Einrichtungen wie die Theaterwerkstätten und das Pantheon konzentrieren. Im Sinne der Leitidee gilt es, diese Talente der einzelnen Teilräumen zu fördern, weiterzuentwickeln und zu profilieren“, so die Gutachter. Wie das genau geschehen soll, verraten die Gutachter noch nicht.

Die 2018 gegründete Initiative Beueler Quartiersentwicklung hat mit Spannung den Zwischenbericht des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs“ gelesen und über die Inhalte diskutiert. Werner Koch, Sprecher der Initiative, formulierte die erste Bilanz seines Arbeitskreises so: „Der Zwischenbericht ist eine isolierte Bestandsaufnahme, die auf den ersten Blick fast negativ dargestellt wird. Sie muss dringend ergänzt beziehungsweise geändert werden, da sie in der Form weder politische Mehrheiten noch öffentliche Akzeptanz erlangen wird.“

Zielsetzungen der Quartiersentwicklung – unter anderem Berücksichtigung der zahlreichen kulturellen Institutionen – werden laut Koch nicht berücksichtigt. Das Miteinander von Gewerbe, Kultur und Stadtgesellschaft im Sinne einer Quartiers­entwicklung werde nicht genug herausgearbeitet. Im Kern würden drei wichtige Aspekte fehlen: Die Potentiale innerhalb des Quartiers werden nicht annähernd ausgeschöpft beziehungsweise konkretisiert, es fehlt die von der Initiative geforderte Öffnung nach Beuel-Mitte sowie festgelegte beziehungsweise geplante städtebauliche und verkehrliche Maßnahmen werden in keinster Weise berücksichtigt.

Und so sieht der Zeitplan aus: Am Montag, 8. Juni, wollen Vertreter des Stadtplanungsamts sowie der Gutachterbüros „Plan Lokal“ und „Projekt2508“ erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen der Öffentlichkeit vorstellen. Allerdings kann der Termin sich noch wegen der Abstimmung über Art und Weise der Durchführung in Corona-Zeiten ändern. Am Dienstag, 16. Juni, wird sich die Bezirksvertretung Beuel mit den Vorschlägen beschäftigen. Der Stadtrat soll am 1. September das Maßnahmenpaket schnüren und Aufträge erteilen.