Neue Bauprojekte im Gewerbegebiet Beuel-Ost: Stadt muss Discounter in Beuel-Ost genehmigen

Neue Bauprojekte im Gewerbegebiet Beuel-Ost : Stadt muss Discounter in Beuel-Ost genehmigen

Lidl und dm eröffnen Filialen in Beuel-Ost, wo eigentlich die Ansiedlung von Einzelhandel nicht erlaubt ist. Der Verwaltung ist dabei wohl ein Fehler unterlaufen, wie sie einräumt.

Das letzte Gebäude der ehemaligen Firma A.W. Andernach (Awa) an der Maarstraße ist in den vergangenen Wochen abgerissen und das Gelände geräumt worden. Anlass ist der bevorstehende Baubeginn für einen Lidl-Markt und – wie der GA jetzt erfuhr – offensichtlich auch einer Filiale der Drogeriemarktkette dm.

Auf Nachfrage des GA bestätigte Lidl den bevorstehenden Baubeginn. „Wir werden kurzfristig damit beginnen, eine neue Filiale in der Maarstraße mit einer Verkaufsfläche von rund 800 Quadratmetern und rund 90 Parkplätzen zu bauen. Sie wird über ein modernes Erscheinungsbild mit einem Pultdach und einer großen Glasfront sowie besonders umweltfreundliche Technik verfügen“, erklärte Kolja Kolander, Leiter des Lidl-Immobilienbüros Köln-Bonn. Beispielsweise werde ein integrales Anlagensystem die Abwärme der Kühlmöbel in Heizenergie umwandeln, wodurch die Filiale komplett ohne fossile Brennstoffe auskomme.

Neueröffnung im Sommer 2019

„Auch wenn wir in Ballungsräumen grundsätzlich offen für gemischt genutzte Immobilien sind, wird die Filiale in der Maarstraße aufgrund von baulichen Einschränkungen zweigeschossig mit der Verkaufs- und Lagerfläche im Erdgeschoss und den Personalräumen sowie einem Technikraum im Obergeschoss. Eine Integration von anderen Geschäften wie beispielsweise einer Bäckerei ist nicht vorgesehen“, sagte Kolander dem GA. Die Neueröffnung ist im Sommer 2019 geplant.

Nach GA-Informationen soll Sigrun Scharf, Leiterin des städtischen Bauverwaltungsamtes, in einer internen Runde mit politischen Vertretern erklärt haben, dass neben Lidl die Drogeriemarktkette dm eine Filiale bauen wird. Eine entsprechende Bauvoranfrage sei von der Stadt versehentlich positiv beschieden worden. Die Stadt habe bei der Bauvoranfrage zu spät erkannt, dass es sich um dm handele. Auf Nachfrage des GA konnte das städtische Presseamt den weiteren Neubau an dieser Stelle weder bestätigen noch dementieren, da Scharf bis Anfang Januar in Urlaub sei. Sollte die Nachricht stimmen, hätte sich mit dm schon der dritte Discounter in das Gewerbegebiet Beuel-Ost eingeschlichen.

Formfehler der Stadt juristisch ausgenutzt

Aldi ist bereits ansässig, Lidl folgt in Kürze. Lidl hat vor rund zwei Jahren einen Formfehler der Stadt Bonn juristisch ausgenutzt, um die Genehmigung des Neubaus auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal zu erhalten. Zur Erinnerung: 2009 hatten die politischen Gremien in Bonn beschlossen, einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet aufzustellen, um „Fremdnutzungen“ auszuschließen. Ein entsprechender Bauantrag von Lidl wurde deshalb damals zurückgestellt. Unterschrieben war der Bescheid vom damaligen Bonner Baudezernenten Werner Wingenfeld, Und das war, wie das Oberverwaltungsgericht Münster 2013 in einem anderen Fall feststellte, rechtswidrig. Der Oberbürgermeister hätte den Bescheid abzeichnen müssen. Folglich hat die Stadt Bonn den Bauantrag von Lidl genehmigen müssen. Nach den Grundsätzen und Prinzipien des Bonner Einzelhandelskonzeptes ist eine Ansiedlung von zentrumsschädlichem Handel in Gewerbegebieten nicht erwünscht.

„Alle Flächen der ehemaligen Firma Andernach sind jetzt verkauft. Insgesamt haben sich auf dem etwa 65 000 Quadratmeter großen Grundstück zwölf neue Firmen angesiedelt“, erklärte Manfred Rösner, Grundstücksverwalter der kanadischen Iko-Gruppe, die 2003 das in die Insolvenz gegangene Unternehmen Andernach aufgekauft hat.

Das ehemalige Pförtnerhaus des Dachbaustoffunternehmens Andernach war das letzte Gebäudeteil, das jetzt an der Maarstraße abgerissen worden ist. „Damit ist das letzte Abschnitt Teil der ehemals berühmten Firma A.W. Andernach verschwunden und das Unternehmen endgültig Industriegeschichte geworden“, sagte Rösner, der bereits seit 1982 bei Andernach gearbeitet hat und von der Iko-Gruppe übernommen wurde.

Mehr von GA BONN