"Ich sehe was, was du nicht siehst...": So sieht es im Hilfskrankenhaus Bonn-Beuel aus

"Ich sehe was, was du nicht siehst..." : So sieht es im Hilfskrankenhaus Bonn-Beuel aus

In unserer Serie "Ich sehe was, was du nicht siehst..." nehmen wir Leser mit an Orte, an die sie sonst nicht kommen. Diesmal geht es in den Bunker: das ehemalige Notfallkrankenhaus in Pützchen unter der Gesamtschule Beuel.

Eine rot lackierte Stahltür markiert die Grenze zur Außenwelt. Eingefasst in Beton trägt sie, in weißen Lettern, die Aufschrift "Eingang Hilfskrankenhaus". Dahinter verbirgt sich eine Welt, die noch der Logik des Kalten Krieges folgt. Nach einem Angriff auf die damalige Bundeshauptstadt mit nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen wären Verwundete hier versorgt worden: im Notfallkrankenhaus im Bunker unter der Gesamtschule Bonn-Beuel (IGS) in Pützchen.

Auf einer Fläche von insgesamt 2900 Quadratmetern hätte das Hilfskrankenhaus Bonn-Beuel 463 Patienten aufnehmen können. Eine Notfallversorgung in diesem Ausmaß wurde jedoch nie notwendig, sodass das Krankenhaus nicht aktiviert werden musste. In dem 1984 in Betrieb genommenen Gebäude wurden zwei Mal Personen untergebracht: Rund 600 Polizisten während des Weltwirtschaftsgipfels im Jahr 1985 und 300 Übersiedler aus der DDR im Jahr 1989. Anfang 2016 prüfte die Stadt Bonn, ob Flüchtlinge dort unterkommen können - und befand den Standort als untauglich: Die Heizungsanlage ist defekt, es gibt kein Tageslicht und keine Nasszellen zum Duschen.

Eine Schleuse führt in einen Raum, der zur Dekontamination von Strahlenopfern ausgelegt ist. Zuvor hätten diese sich entkleiden und ihre Kleidung entsorgen müssen. Weiter geht es durch das kalte Dämmerlicht flackernder Leuchtstoffröhren vorbei an OP-Räumen und Patientenzimmern. Etwas weiter stehen 20 Kinderbetten in einem Raum mit niedriger Decke und freigelegten Luftschächten, ein gespenstischer Anblick. Dank Vorräten, Notstromaggregaten, einer Heiz- und Klimaanlage und eigener Wasserversorgung hätten Patienten und Personal drei Wochen autark überleben können.

Thomas Adenauer von der Bonner Berufsfeuerwehr sorgt für den Erhalt der 1984 in Betrieb genommenen Anlage. Nach Ende des Kalten Krieges wurde sie stillgelegt und ist noch immer in erstaunlich gutem Zustand. Die Feuerwehr würde heutzutage bei Notfällen auf den Bunker zurückgreifen, etwa zur Evakuierung bei einer Kampfmittelräumung. Ab und an nutzt die GSG 9 den Bunker für Übungen.

Einblicke in das stillgelegte Notfallkrankenhaus

Die Serie " Ich sehe was, was du nicht siehst..." gewährt Lesern Eindrücke von Orten, an die sie sonst nicht kommen. In dieser Folge geht es in das ehemalige Notfallkrankenhaus in Pützchen unter der Gesamtschule Beuel.

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