Saubere Uniformen für Stadtsoldaten: So läuft die Arbeit in der Beueler Traditionswäscherei ab

Saubere Uniformen für Stadtsoldaten : So läuft die Arbeit in der Beueler Traditionswäscherei ab

Wäschereien und Beuel, das gehört zusammen wie Ying und Yang oder Schäl und Sick. Und neben der allseits bekannten Wäscherprinzessin hat der Stadtteil mit Joachim Beu auch eine Art Wäscherprinzen zu bieten.

„So genau weiß niemand, was bei der Gründung geschehen ist“, versucht der Chef den Anfang der Firmengeschichte zu erklären. „Die Gewerbeanmeldung datiert aus dem Jahr 1912. Als Besitzer war mein Großvater Wilhelm Beu eingetragen. Der war allerdings erst sechs Jahre alt.“ Ob die Firmengeschichte nun also auf ein junges Kaufmannsgenie zurückgeht oder welche anderen Überlegungen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eine Rolle spielten, wird wohl erst einmal im Dunkel der Geschichte bleiben. Was danach geschah, ist jedenfalls deutlich besser dokumentiert: Noch heute befindet sich die Wäscherei im selben Gebäude, in dem auch schon Wilhelm für saubere Wäsche sorgte: „Wie durch ein Wunder hat das Haus beide Weltkriege unbeschadet überstanden“, so Beu.

Während es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch an die hundert Wäschereibetriebe in Beuel gab, sind es heute nurmehr vier; einer ist Beus Betrieb. Der Familienvater ist wie bereits sein Großvater und sein Vater Karl-Wilhelm Meister der Textilreiniger-Innung und betreibt das Unternehmen mit der ganzen Familie.

Nur Bruder Jörg, mit dem er im Jahr 2006 den Staffelstab gemeinsam vom Vater übernahm, schied 2011 wieder aus der Unternehmensführung aus. Im selben Jahr stand auch ein technischer Umbruch an. Während einer einwöchigen Schließung modernisierte man nahezu den gesamten Maschinenpark und verfügt heute neben dem klassischen Wäschereibetrieb auch über eine chemische Reinigung. Das Wort Familienbetrieb darf man bei den Beus durchaus wörtlich nehmen. Während Joachims Frau Claudia sich vornehmlich um die Büroarbeit kümmert, stehen seine Tante Barbara Baudach und Mutter Brigitte Beu täglich hinter der Annahmetheke.

Und auch die beiden Söhne Alexander und Maximilian toben nach der Schule nur zu oft zwischen Plätt- und Waschmaschinen umher. Ob einer der beiden einmal die Geschichte der Wäschereidynastie weiterführen wird, steht allerdings noch in den Sternen. „Meine Söhne werden selber entscheiden, womit sie einmal ihr Geld verdienen wollen“, lässt Joachim Beu die Zukunft offen. „Wenn sie den Betrieb allerdings übernehmen wollen, werde ich sie sicherlich dabei unterstützen.“

Egal, ob fünf oder 500 Wäschestücke, bei den Beus ist jeder Kunde willkommen – von den Hotels der näheren Umgebung bis zu Stamm- oder Laufkundschaft, die nur wenige Stücke vorbeibringt. Insbesondere bei Pendlern, die morgens zum Beispiel auf dem Weg zur Telekom im Landgrabenweg etwas abgeben, um es abends frisch gereinigt oder gewaschen wieder abzuholen, sei sein Betreib sehr beliebt.

Eine kleine Krise hätte Beu allerdings fast sein karnevalistisches Engagement beschert. Dass der Beueler ausgerechnet Mitglied der Bonner Ehrengarde geworden sei, habe ihm zunächst so mancher rechtsrheinische Lokalpatriot ein wenig verübelt. Letztendlich siegte dann aber wohl doch die rheinische Toleranz, und heute holen neben Ehrengardisten auch Beueler Stadtsoldaten wie selbstverständlich ihr frisch gereinigtes Ornat in der Hermannstraße ab. „Vielleicht liegt das auch daran, dass sich der karnevalistische Graben quer durch unsere Familie zieht“, vermutet Beu. „Meine Frau und die Kinder sind bei den Beueler Stadtsoldaten aktiv“, berichtet er. „Das eine tun, ohne das andere zu lassen“, sei schließlich zu seinem Motto geworden und Beu wurde kurzerhand Mitglied bei den rechtsrheinischen Karnevalssoldaten – wenn auch nur inaktiv.

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