Vom Käsebrötchen bis zum Schutzmannteller: So isst der Bonner Bogen

Vom Käsebrötchen bis zum Schutzmannteller : So isst der Bonner Bogen

Mehr als 4000 Menschen arbeiten in den Bürogebäuden am Bonner Bogen – und wollen mittags verpflegt werden. Ein Rundgang durch die Kantinen und Restaurants.

Pünktlich um 12 Uhr beginnt das Phänomen. Aus den Büros rund um den Bonner Bogen strömen die Mitarbeiter – vom Anzugträger bis zum jungen Praktikanten. Vor Ort beschäftigt BonnVisio allein 4000 Mitarbeiter, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt arbeiten etwa 350 Angestellte. Wo essen die mehrere Tausend Menschen täglich zu Mittag? Ein Rundgang durch die Kantinen und Restaurants.

„Für mich ist es wichtig, dass man dem Gast eine gesunde Küche bietet“, sagt Rolf Köster, Küchenmeister im Bistro Dahlienfeld im Polizeipräsidium Ramersdorf. Hier trifft man nicht nur Polizeibeamte, die Kantine steht auch Gästen offen. Täglich stehen vier Köche und drei weitere Mitarbeiter in der Küche, um sechs verschiedene Gerichte auf die Teller zu bringen. Köster legt dabei Wert auf eine gesunde, leichte und vor allem auch regionale Küche. Künstliche Zusatzstoffe oder Geschmacksverstärker hat er aus seiner Küche verbannt.

Die Produkte bezieht er aus dem Siebengebirge, der Eifel und dem Oberbergischen. Pro Tag kommen etwa 150 Mitarbeiter aus dem Präsidium, rund 150 bis 200 Gäste von außerhalb. Das sind vor allem viele Senioren aus Oberkassel oder Ramersdorf. „Das ist auch dem Haus sehr wichtig“, erzählt Köster. „Viele haben noch die Hemmschwelle, hier rein zu kommen“, sagt der Sternekoch. Seit Oktober 2006 betreibt er die Polizeikantine. Dass am Bonner Bogen das gastronomische Angebot zunimmt, hat auch er festgestellt, die Zahlen sind zurückgegangen. Trotzdem verteilen sich die Besucher. Absolutes Lieblingsessen der Gäste sind die Pizzen, die jeden Dienstag im Pizzaofen gebacken werden. Fester Bestandteil der Karte ist der sogenannte Schutzmannteller – Currywurst mit Pommes.

Gleich um die Ecke gibt es heute Spargel mit Schinken und Dampfkartoffeln – so verrät es das Hinweisschild am Eingang. Auch in der Kantine des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) speisen Mitarbeiter und Gäste. Die roten Schirme im Außenbereich sind zusammengeklappt, die Besucher wollen jeden der spärlichen Sonnenstrahlen nutzen. Jedem Gast wünscht Anne Schulze-Husmann freundlich und entspannt „einen guten Appetit“ oder „einen schönen Tag“, obwohl die Schlange an der Kasse um 12.30 Uhr nicht abebbt. „Mittwoch ist der Tag mit dem größten Ansturm“, erzählt sie nebenbei. Dann ist Schnitzeltag. Für Vegetarier gibt es eine Salatbar und jeweils ein vegetarisches Gericht. An guten Tagen gehen bis zu 400 Gerichte über die Theke.

Schräg gegenüber des DLR steht der Bönnsche Imbiss. Hier warten 20 Leute auf ihre Currywurst oder ihre Portion Pommes. Auch in der Bäckerei Gilgen's stehen die Kunden in einer Schlange bis auf die Straße. Voll werde es hier vor allem zwischen 11 und 14.30 Uhr, erzählt Filialleiterin Anthula Duarte da Silva. Viele nehmen ein belegtes Brötchen und essen am Schreibtisch, aber vor allem die Schüler des nahe liegenden Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums würden sich in den Café-Bereich setzen.

Vor dem Restaurant Abacco's Steakhouse sitzen einige Gäste in den weiß-schwarzen Loungesesseln, durch die getönten Scheiben wirkt es im Innenraum wie am Abend. Viel Zeit hätten die meisten Gäste mittags nicht, höchstens eine Dreiviertelstunde, erzählt Betriebsleiter Daniel Glione. Für ein Steakhouse nicht gerade förderlich. Die Betreiber haben sich daher eine Alternative überlegt. „Wir versuchen ein schnelles Mittagessen anzubieten“, so Glione. Mittags gibt es daher kleinere Fleischgerichte, aber auch Suppen und Salate.

Auch in der Rohmühle nutzen viele Mitarbeiter aus den umliegenden Büros den Mittagstisch. „Die meisten greifen auf die Mittagsempfehlung zurück“, erzählt Vanessa Corzelius. Stoßzeiten sind hier zwischen 12.30 und 13 Uhr.

In der Franchise-Kette L'Osteria riecht es nach Pizza, der Blick fällt auf die offene Küche, in der die Köche umherwuseln. Viele Gäste haben auf der Terrasse Platz genommen, aber auch in den Innenräumen sitzen einige bei Pizza und Pasta. „Die meisten haben nicht viel Zeit“, sagt Schichtleiterin Yasmine Poltorak. Eine eigene Mittagskarte gibt es in der Systemgastronomie nicht. Beliebtestes Gericht für die Mittagspause ist daher ein kleiner Salatteller. Auf aufwendige Pastagerichte verzichten die meisten eher. Einige Gäste zahlen mit Essensmarken von ihrem Arbeitgeber. Zwischen 12 und 13.30 Uhr ist es komplett voll“, sagt Poltorak.

An einigen Wochentagen halten zusätzlich Foodtrucks vor der Beta-Klinik oder an der Joseph-Schumpeter-Allee. Die Betreiber informieren die umliegenden Firmen vorher, indem sie ihre Kärtchen in die Firmenbriefkästen werfen. Je nach Wetterlage stehen dann auch ein Café-Roller oder ein Eiswagen bereit.