Kein Schülerticket mehr: Siebtklässler wundert sich über Stadt und SWB

Kein Schülerticket mehr : Siebtklässler wundert sich über Stadt und SWB

Was Sparmaßnahmen jenseits von blanken Zahlen bedeuten, lässt sich gut an den Auswirkungen für die Betroffenen zeigen. In diesem Fall ist das Moritz Scholtheis, Schüler am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA).

Nach dem Willen der Stadt soll der 13-Jährige ab 1. August die Schule wechseln und auf das von seinem Wohnort in Vilich deutlich näher gelegene Beethoven-Gymnasium wechseln. Zumindest, wenn er weiter ein ermäßigtes Schülerticket für Bus und Bahn nutzen möchte. Das bezuschusst die Stadt künftig nur noch bei Schülern, für die die nächstgelegene Schule mehr als 3,5 Kilometer entfernt liegt. Wählen sie eine andere Schule, ist der Zuschuss weg.

Zeitgleich mit einem Bericht im General-Anzeiger über diese Sparpläne der Stadt bekam Moritz' Mutter Post von den SWB mit der Ankündigung, dass das ermäßigte Ticket gestrichen werde. "Dabei sind wir erst vor einem Jahr nach Vilich gezogen, und das Schulamt hat das ermäßigte Ticket bewilligt. Das hat mich sehr gewundert", sagt Moritz. Er ist fest verwurzelt am EMA: engagiert in der Schülervertretung, aktiv in der Big-Band. Zudem schätzt er den naturwissenschaftlichen Schwerpunkt der Schule. "Mir geht es dort richtig gut", sagt Moritz.

Für seine Mutter Sabine, selbst Lehrerin, ist das Vorgehen von Stadt und SWB "absurd": "Natürlich muss die Stadt sparen. Aber so etwas mitten in der Schullaufbahn zu fordern, ist übel." Das Beethoven-Gymnasium liegt 800 Meter näher an Moritz' jetziger Schule und fällt damit unter die Grenze von 3,5 Kilometern - das Schülerticket wäre ganz futsch. Doch das Beethoven-Gymnasium hat gar keine Kapazitäten, um Moritz aufzunehmen, hat er erfahren.

Laut Auskunft des Schulamts dürfte der Siebtklässler aber nicht auf seiner angestammten Schule bleiben, sondern müsste aufs Clara-Schumann-Gymnasium wechseln, wenn er das ermäßigte Ticket weiter nutzen wolle. "Laut Google Maps liegen beide Schulen 4,1 Kilometer von meinem Zuhause entfernt. Aber das Schulamt sagt, es habe eine spezielle Software, um das auszurechnen", sagt Moritz verwundert.

So oder so: Ein Schulwechsel kommt für ihn nicht in Frage. Seine Mutter zahlt die Mehrkosten von 6,50 Euro monatlich.

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