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Gottfried-Kinkel-Schule: Schulleiter regelt den Verkehr in Oberkassel

Gottfried-Kinkel-Schule : Schulleiter regelt den Verkehr in Oberkassel

Vor der Gottfried-Kinkel-Grundschule sorgen Elterntaxis jeden Morgen für gefährliche Situationen. Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Tür der Schule und verursachen damit ein Verkehrschaos.

7.45 Uhr an der Ecke Königswinterer Straße/Kastellstraße. Es ist voll, es ist laut. Autos, Fahrräder, Roller und dazwischen kleine Kinder mit Schulranzen zu Fuß. Jeden Morgen, bevor der Unterricht in der Gottfried-Kinkel-Grundschule in Oberkassel beginnt, wird es eng. Denn viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Tür der Schule und verursachen damit ein Verkehrschaos – die Kastellstraße ist schmal und endet als Sackgasse vor der Grundschule.

„Das ist wahnsinnig gefährlich, und es hat bereits kleinere Unfälle gegeben. Aber die Sicherheit der Kinder ist permanent gefährdet“, sagt Christian Eberhard. Der Schulleiter ist nun zum Beginn des neuen Schuljahres selbst aktiv geworden: Jeden Morgen steht er mit Schülerlotsen-Weste und Kelle auf der Straße und regelt den Verkehr an der Zufahrtstraße zu seiner Schule – ganz konkret versucht er die Eltern davon abzuhalten, in die Kastellstraße einzubiegen. „Die Schulkonferenz hat eine inoffizielle Bannmeile beschlossen und seit Schuljahresbeginn engagieren sich Lehrer und Eltern gemeinsam als Schülerlotsen, um den Kindern einen sicheren Schulweg zu ermöglichen“, erklärt Eberhard.

"Autoballett" ist eine Gefahr für die Kinder

Unterstützung bekommt er von „Dorfpolizist“ Uwe Hüngsberg. Der Polizeihauptkommissar setzt sich ebenfalls dafür ein, den Verkehr auf der Kreuzung zu regeln. „Aus meiner Sicht ist das eine spannende Aktion, die mich aber auch gleichzeitig etwas in Sorge versetzt. Der Schulleiter steht mitten auf der Straße und versucht Eltern, die per Auto ihre Kinder in die Schule bringen wollen, daran zu hindern“, sagt Hüngsberg. Da die Kastellstraße eine „normale Straße“ sei, könne man die Autofahrer per se nicht daran hindern, sie zu befahren. „Somit kann man sie nicht sperren. Aber auch ich spreche die Verkehrsteilnehmer direkt an, da es doch nicht nötig ist, bis direkt vor die Schultür zu fahren. Schließlich gibt es genug Parkmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung“, erklärt er.

„In der Tat beobachten wir jeden Morgen ein regelrechtes Autoballett. Erstens ist die Straße sehr schmal und hat keinen Fußweg und auch keinen Wendehammer, so dass das Manöver, um die Straße wieder zu verlassen, für die Kinder, die dort laufen, sehr gefährlich ist“, sagt die Schulpflegschaftsvorsitzende Cathrin Piesche. „So haben wir in der Schulpflegschaft den Entschluss gefasst, selbst aktiv zu werden. Eltern, Lehrer und der Schulleiter regeln deshalb in den nächsten Wochen hier selbst den Verkehr“, erklärt Piesche. „Herr Hüngsberg ist außerdem sehr präsent. Er klopft an die Autoscheiben und erklärt den Leuten, in welche Gefahr sie die Grundschüler mit ihrem Verhalten bringen. Da sind dann doch viele Eltern sehr einsichtig“, berichtet die Oberkasselerin.

Kinder sollen ein Gefühl für den Verkehr bekommen

Die Schulpflegschaftsvorsitzende und der Schulleiter weisen neben dem Sicherheitsaspekt auch darauf hin, dass die Schüler auf ihrem Schulweg auch die Verkehrsregeln und soziales Verhalten lernen. „Wenn die Mädchen und Jungen immer im Elterntaxi transportiert werden, können sie gar nicht lernen, selbstbewusste und souveräne Verkehrsteilnehmer zu werden. Wir werben dafür, dass die Kinder ihren Schulweg eigenständig meistern.

Dazu können sie sich zu Gruppen aus der Nachbarschaft zusammenschließen, gerne kann auch ein Elternteil als Begleitung mitgehen“, sagt Cathrin Piesche. Sie und andere Mitstreiter ernteten dabei aber nicht nur Zustimmung. „Die Reaktionen auf solche Vorschläge sind nicht immer schön, manche Eltern werden direkt pampig“, erklärt die Schulpflegschaftsvorsitzende. „Wir wollen mit unserer Aktion auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem wir mit den Schulkindern ‚Grüne Meilen‘ für das Weltklima sammeln“, sagt Schulleiter Eberhard.

Seit 2002 werden europaweit Wege, die Kindergarten- und Schulkinder zu Fuß, auf Roller und Rad, mit Bus oder Zug zurücklegen, in „Grüne Meilen“ umgewandelt. „Unseren Beitrag wollen wir auf der UN-Klimakonferenz in Bonn einreichen“, sagt Eberhard. Auf den Elternabenden, die in den nächsten Wochen stattfinden, wollen Schulpflegschaft und Schulleitung noch einmal intensiv dafür werben, damit die Grundschüler ihren Schulweg selbstständig, ohne „Elterntaxi“, gehen.