1. Bonn
  2. Beuel

Gespräch am Wochenende: Sandra Then zeigt ihre Arbeiten "Paradise Lost"

Gespräch am Wochenende : Sandra Then zeigt ihre Arbeiten "Paradise Lost"

Sie sind aus Stoff, aus Holz, Aluminium oder Acryl. Sie sind mal kantig und mal rund. Die Fotografien von Sandra Then passen ganz und gar nicht in ein Album, sie sind absolute Hingucker für die Wand. Mit der Fotografin aus Schwarzrheindorf sprach Anke Vehmeier über Freude, Freiheit und Formate.

"Paradise Lost" heißt Ihre Ausstellung, in der Sie Ihren persönlichen Begriff von Schönheit und Abgrund zeigen. Was verbirgt sich dahinter?
Sandra Then: Ich wollte unbedingt einmal szenisch arbeiten und dabei Themen aufgreifen, wie die Einsamkeit, das Verlassensein, die verlorene Kindheit. Dafür habe ich mit Kindern und Schauspielern Szenen nachgestellt und in einen neuen ästhetischen Rahmen gestellt. Diese Szenen zeigen seelische Abgründe, leere Räume.

Wie etwa das Foto, bei dem dem Betrachter sofort "Hänsel und Gretel" im Wald in den Sinn kommen. Was ist das Besondere an Ihren Bildern?
Then: Dieses Foto habe ich zum Beispiel auf ein Stück Holz projiziert. Mir geht es darum, eine Geschichte zu erzählen und durch die gewählte Projektionsfläche eine Einheit zu schaffen. Ich benutze neben Holz auch verschiedene Stoffe und Acryl. Auch die Formen variieren je nach Inhalt der Geschichte. Sie sind manchmal kantig und manchmal rund.

Wo kann man die Bilder denn sehen?
Then: Die Ausstellung zeige ich in der Fabrik 45 nur an diesem einen Tag. Sie wird es so nicht mehr zu sehen geben - vor allem auch nicht in Verbindung mit der Rocklegenden-Lesung meines Mannes Hanno Friedrich an diesem Abend. Einzelne Werke werde ich in meinem Bonner Atelier zeigen und vermutlich wird es dort im Juni eine Finissage geben.

Womit beschäftigen Sie sich sonst?
Then: Nach meinem Schauspielstudium bin ich viel gereist und habe die Fotografie entdeckt. Heute bin ich oft in der Theaterfotografie tätig. 2007 engagierte mich die Theaterregisseurin und damalige Intendantin des Schauspiels Köln, Karin Beier, als Theaterfotografin. Dort bin ich auch heute noch, unter Stefan Bachmann, tätig. Außerdem porträtiere ich Schauspieler für deren Agenturen. Aber auch Privatpersonen, Kinder und Hochzeitspaare gehören zu meinen Kunden. Ich habe ein sehr breites Spektrum. Ich nehme mir diese Freiheit, denn jede Geschichte lohnt es erzählt zu werden.

Und wie kamen Sie auf die Idee von "Paradise Lost"?
Then: Ich habe immer einen hohen Anspruch an mich und meine Arbeit. Es ist wunderbar, Aufträge zu erfüllen und so zu arbeiten, dass am Ende alle glücklich sind. Das macht mich auch glücklich. Gleichzeit habe ich das große Bedürfnis, etwas zu schaffen, was ganz allein mir entspringt und meinem persönlichen Begriff von Ästhetik entspricht und auch meine eigenen Gedanken erzählt.

Was ist Ihr Lieblingsmotiv?
Then: Menschen. Ich liebe es, Geschichten in Bildern zu transportieren. So sind Fotoreportagen meine große Leidenschaft. Ich habe jüngst eine Reportage gemeinsam mit einer befreundeten Regisseurin über sieben Shoah-Überlebende in Israel gemacht. Ich war dafür vier Mal dort und habe mit ihnen zusammen in deren Heim gelebt. Wir haben gemeinsam gegessen, viel gesprochen, gefeiert, geweint. Das war schwierig und großartig zugleich. Die Bilder wurden dann in einer Ausstellung in Haifa gezeigt und werden weiter auf die Reise gehen. Die Herausforderung bei der Reportage ist es, Inhalt und Atmosphäre anschaulich zu transportieren.

Wer ist besonders leicht, wer besonders schwer zu porträtieren?
Then: Kinder sind einfach - aber nur, wenn ihre Eltern es schaffen sich zurück zu nehmen und eine Begegnung möglich ist. Schwer sind Menschen, die keine Kontrolle abgeben können. Wenn jemand nicht loslassen kann ist es sehr schwer ein Foto zu schießen, das seine wirkliche oder wahre Persönlichkeit transportiert. Und das ist es, was für mich ein gutes Foto ausmacht.

Zur Person

Sandra Then wurde am 1969 in Esslingen am Neckar geboren. Sie studierte von 1989 bis 1992 Schauspiel in Stuttgart und arbeitete am Staatstheater Oldenburg und am Theater Basel als Regieassistentin. Seit 2009 hat sie ein Atelier in der Thomas-Mann-Straße in Bonn und seit November das zweite Atelier in der Georgstraße. Sie ist seit 1996 mit dem Schauspieler Hanno Friedrich verheiratet und sie haben zwei Kinder.