"Upsala" in Beuel: Russischer Straßenkinderzirkus erzählt die Geschichte herrenloser Hunde

"Upsala" in Beuel : Russischer Straßenkinderzirkus erzählt die Geschichte herrenloser Hunde

Ein Feuerwerk an spektakulärer Akrobatik mit Salto-Wirbeln und atemberaubenden Jonglagen hat der Zirkus "Upsala" am Samstag im Jungen Theater in Beuel gezündet. Die jungen Künstler begeisterten das Publikum - immer wieder gab es Szenenapplaus. Und am Ende der Vorstellung forderten die kleinen und großen Zuschauer noch eine Akrobatik-Zugabe.

"Ich bin total beeindruckt und kann mir gar nicht vorstellen, dass Leute mit solchen Begabungen auf der Straße leben", sagte die 13 Jahre alte Marie. Denn das ist das Besondere am Zirkus "Upsala". Er ist ein einzigartiges Projekt, bei dem Kindern und Jugendlichen aus sozialen Risikogruppen in St. Petersburg mit Zirkuspädagogik eine Alternative zur Straße aufgezeigt bekommen.

"Im Zirkus Upsala wachsen Theaterkunst und Sozialarbeit zusammen. Es gibt nur zwei Aufführungen in Deutschland und wir freuen uns, dass er hier gastiert. Das Junge Theater ist ein würdiger Ort dafür", sagte Schirmherr Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. "Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen erlernen Gemeinschaft und Sozialverhalten. Das Stück zeigt die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg der Künstler", sagte Nelly Grunwald vom Verein für Gefährdetenhilfe, der den Auftritt gemeinsam mit dem Jungen Theater präsentierte.

Die jungen Artisten erzählten in "Sobaki - Der Hund" die Geschichte herrenloser Hunde. In dem Stück voller Jonglage, Tanz, Musik und Akrobatik spielen die Straßenkinder ihre ganz persönlichen Geschichten aus ihrem Leben. Als Vorlage für die Inszenierung diente das Buch "Die Schlucht der freien Hunde" von Konstantin Sergienko. Es sind traurige Geschichten, die aus der Wirklichkeit stammen, aber mit Fantasien und Träumen der Kinder und Jugendlichen angereichert werden. Es geht um Macht, um Stärke und das Leben in der Gemeinschaft. Die Hunde müssen sich entscheiden: wollen sie überleben, in dem sie aggressiv werden und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, oder wollen sie den schwereren Weg wählen und überleben indem sie sich selbst treu bleiben.

Das sind auch die Fragen und Herausforderungen, denen sich die Straßenkinder täglich gegenübersehen. "Der Zirkus ist ein einmaliger Ort. So einen Platz findet man sonst nirgends", sagte der 16-jährige Artist Nikita. "Besonders ist die Arbeit der Trainer, wie sie jedem einzelnen helfen und uns fördern", ergänzte die 14 Jahre alte Stasja. "Ich möchte auch noch einmal besonders die Trainer loben, wie sie mit verschiedenen Methoden, einfühlsam und kreativ, auf uns eingehen", sagte die elfjährige Sonja. Die jungen Artisten trainieren neben der Schule fünf Mal die Woche etwa zwei bis drei Stunden.

Vor den Auftritten auch länger. "Neben der Akrobatik lernen wir, aufmerksamer zu sein gegenüber den Menschen in unserer Umgebung", sagte Nikita, der später gerne selbst Trainer im Zirkus sein möchte. Auch Stasja und Sonja könnten sich eine Tätigkeit im Zirkus vorstellen. "Ich würde sehr gerne mit Kindern arbeiten, das könnte aber auch in einer Kindertagesstätte sein", sagte Stasja.

Der Zirkus "Upsala" geht jedes Jahr auf Sommertournee. Nach den Stationen Beuel und Düsseldorf treten die Künstler in England auf, in und um London.

Der Zirkus Upsala

Vor 14 Jahren gründete die Regisseurin Larisa Afanaseva in St. Petersburg den Zirkus "Upsala". Mit Akrobatiktrainern arbeitet sie erfolgreich mit bis zu 50 Kindern. Alle drei Jahre wird eine neue Zirkusgruppe gegründet. Unterstützt wird das Projekt durch Freiwillige aus Deutschland und anderen Ländern. Ziel ist die Eingliederung in Schule und Berufe. Das Artistenteam ist auch regelmäßig auf internationalen Zirkusfestivals vertreten und erhält dort oft erste Preise. Die Jugendlichen der ersten "Upsala"-Generation sind alle gut integriert und arbeiten zum Teil selbst als Trainer bei Upsala.