GA-Bürgertreff: Prozess zum Kreativquartier in Beuel soll beginnen

GA-Bürgertreff : Prozess zum Kreativquartier in Beuel soll beginnen

Der GA-Bürgertreff fördert für das zukünftige Kreativquartier in Beuel viele Ideen zutage. 80 Gäste kamen zu der Veranstaltung.

Der Tonfall bleibt sonntäglich jovial. In der Sache prallen beim Beueler Bürgertreff am Sonntag im Pantheon zur Entwicklung des geplanten umliegenden Kreativquartiers aber zunächst Welten aufeinander, die kaum weiter voneinander entfernt zu sein scheinen. Über den Weg, wie aus der alten Industriebrache und dem Stadtgebiet jenseits der Bahngleise ein attraktives Stadtquartier entstehen kann, darüber scheiden sich die Geister.

Auf der einen Seite sitzen die Kreativen. Das sind Martina Steimer, die künstlerische Leiterin des Pantheons, Theatermacher Dietmar Kobboldt aus Köln, David Becher von der Utopiastadt in Wuppertal, die junge Stadtentwicklerin Johanna Schäfer und auch Werner Koch, der Vorsitzende der Gewerbe-Gemeinschaft Beuel, der alle Kreativbetriebe im Stadtbezirk angehören. Sie wollen – unterstützt von vielen Gästen im Publikum – dass sich schnell etwas tut im Quartier. „Zwischennutzung“ ist ihr Zauberwort. Frei nach dem Motto: Lasst die Kreativen mal machen und reguliert bloß nicht zu viel.

Ideen gibt es offenbar schon viele: Eine Dame aus Bechlinghoven sucht Räume für ihre Laientheatergruppe. Andere wollen ein Jugendzentrum, Tanzsport, eine Oldtimer-Werkstatt. Für die Freifläche wünschen sie sich Flohmärkte oder Urban Gardening in Hochbeeten wie in der Ermekeilkaserne. Der Verein Lernspatz würde gerne ein Frühlernzentrum für Vier- bis Sechsjährige aufbauen, aber keineswegs noch zwei Jahre damit warten. Und wie wäre ein großer Sandkasten unter dem Dach des alten Malersaals? Dort könnten morgens Kita-Kinder spielen, nachmittags Jugendliche Beachvolleyball spielen und abends alle Party machen.

Nur eines will diese Fraktion ganz und gar nicht: Stillstand. Der führe zu Ernüchterung und Resignation, warnt Werner Koch. Seine Mitglieder könnten schon von ihrer Altersstruktur her nicht noch mehrere Jahre warten. Sichtbar geschehen ist bislang indessen eigentlich nichts – abgesehen von einem politischen Grundsatzbeschluss. Zwei Jahre nach dem Umzug des Pantheons müsse man „auf Teufel komm raus aktiv werden“, glaubt Koch.

Auf der anderen Seite sitzt vor allem Michael Isselmann. Er leitet das Stadtplanungsamt und will einen geordneten ausführlichen Prozess mit externem Gutachten durch ein Beratungsbüro und ausführliche qualifizierte Bürgerbeteiligung. Am Ende dann ein großes Konzept, wie verfahren werden soll. Viele Interessen gelte es abzuwägen, Konflikte auszutragen. Das zu betrachtende Gebiet sei ja auch viel größer und reiche bis zum Bahnhof Beuel, den die Bahn sanieren will.

Gewerbegemeinschaft will Ideen der Bürger bündeln

Ein neues Desaster wie beim Viktoria-Bad könne man sich nicht leisten, sagt Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus. Schnelle Lösungen sind deshalb nicht zu erwarten. Warum die Verwaltung dem Gewerbeverein eine kurzfristige Freiraumnutzung verwehrte, weiß Isselmann auch nicht. Aber Feuerwehrzufahrten müssen natürlich frei bleiben. Déus sitzt irgendwo dazwischen. Auch er nutzt Vokabeln wie Jugendfreizeitstättenbedarfsplan. Der mache ein neues Jugendzentrum gar nicht möglich. Man habe zwei andere in Beuel soeben nur mit Mühe vor der Schließung bewahrt.

Aber auch Déus zeigt erkennbare Ungeduld. Vor allem das Theater Bonn, das den Großteil der ehemaligen Beueler Jutespinnerei als Requisitenlager und Probebühnen nutzt, erscheint als Bremsklotz. Déus dringt darauf, der städtische Eigenbetrieb müsse zumindest das Lampenlager und den ehemaligen Malersaal, die derzeit als Abstellfläche genutzt werden, zügig räumen. Das Lampenlager sei als Stauraum viel zu schade. Der völlig marode Malersaal könne einem mehrgeschossigen Neubau weichen. Martina Steimer bedauert in diesem Zusammenhang, das Theater habe in den vergangenen zwei Jahren Kooperationen mit dem Pantheon oder eine Nutzung der Freiflächen nicht gewollt. Im Frühjahr wolle das Pantheon zumindest den Hof vor der Halle Beuel selbst ergrünen lassen.

Nach 90 Minuten engagierten Gesprächs mit mehr als 80 Gästen ist nicht nur für den aufmunternd moderierenden GA-Redakteur Holger Willcke immer noch nicht klar, wer eigentlich die baldige Entwicklung des Quartiers vorantreiben müsste. Sigurd Trommer, Beueler Architekt und selbst ehemals Baudezernent der Stadt Bonn, sieht eindeutig seinen früheren Arbeitgeber in der Pflicht: „Die Stadt als Eigentümer muss eine aktive Rolle übernehmen.“

Als die Runde nach zweieinhalb Stunden auseinander geht, gibt es immerhin drei konkrete Ergebnisse. Michael Isselmann bekennt sich schließlich zur Funktion des Prozessbeauftragten innerhalb der Stadtverwaltung. Als Kind des Ruhrpotts fühle er sich im Beueler Quartier ohnehin sehr wohl. Die Gewerbegemeinschaft verspricht im Gegenzug, alle Ideen aus dem Kreis der Bürgerschaft in einer Initiative zu bündeln, zu sammeln und einzubringen. Brotfabrik, Nepomuk-Stiftung, die Kirchen und andere Kulturschaffende und gesellschaftlich Aktive wollen sich darin einbringen. Und die freie ehrenamtliche Theatermacherin aus Bechlinghoven bekommt mit ihrer Laienspielschar erst mal Proberäume in der Brotfabrik.

Auch der General-Anzeiger wird den Prozess aktiv begleiten. In rund einem Jahr werde die Redaktion bei einer erneuten Veranstaltung nach ersten Ergebnissen fragen, verspricht Holger Willcke.

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