Julius-Vorster-Straße in Oberkassel: Platane für Bauprojekt in Bonn gefällt

Julius-Vorster-Straße in Oberkassel : Platane für Bauprojekt in Bonn gefällt

Die mächtige Platane auf einem Grundstück an der Julius-Vorster-Straße ist nun doch gefällt worden. Die Untere Landschaftsbehörde gab grünes Licht für die Fällung.

Nun ist die Platane an der Julius-Vorster-Straße in Oberkassel doch schon gefällt worden. Nachdem ein brütendes Taubenpaar noch vor wenigen Tagen die Abholzung vorerst gestoppt hatte, wurde Anfang der Woche die Motorsäge angelegt, bestätigte Richard Brand, der für den gemeinnützigen Verein „Wohngefährten Bonn“ das Bauprojekt auf dem ehemaligen Grundstück der evangelische Kirchengemeinde Oberkassel betreut. Zuvor hatte die Untere Landschaftsbehörde ihre Zustimmung erteilt.

Zwar hatte die Stadt dem Bauherrn im März eine entsprechende Fällgenehmigung erteilt. Nachdem es allerdings Hinweise darauf gab, dass ein Nest in der Krone des alten Baumes vorhanden war, wurde diese vorerst auf Eis gelegt. Denn: „Die Bestimmungen des Artenschutzes müssen eingehalten werden“, hatte Andrea Schulte vom Presseamt damals betont.

Dem Bauherrn wurde daher auferlegt, den Baum mehrere Tage durch einen Fachmann beobachten zu lassen, um zu prüfen, ob sich tatsächlich Vögel angesiedelt hatten. „Diese Kontrollen mussten dokumentiert werden. Ebenso mussten die Baumhöhlen darauf überprüft werden, ob sich dort bereits Brutstätten befinden“, erklärt Schulte weiter. Die Ergebnisse dieser Beobachtung wurden dann Ende April der Unteren Landschaftsbehörde vorgelegt. „Wie sich zeigte, konnten vor Ort keine Bruttätigkeiten festgestellt werden. Die erteilte Fällgenehmigung wurde deswegen wieder aktiviert“, bestätigt Andrea Schulte jetzt auf GA-Anfrage. Daher, so Richard Brand, sei die Platane Anfang der Woche gefällt worden. Angeblich sollen Krähen die Tauben verjagt haben.

Allerdings werden wohl noch weitere Bäume für die Mehrgenerationenanlage an der Julius-Vorster-Straße fallen. Drei weitere Bäume stehen dem Bauprojekt ebenfalls im Wege.

Wie die Stadt auf Nachfrage erklärte, stehen die per Satzung geschützten Bäume im vorderen Bereich des Areals. Nachträglich, so Andrea Schulte vom Presseamt, sei ein entsprechender Antrag eingegangen. „Inwiefern die Fällung der Bäume zur Verwirklichung des Bauvorhabens zwingend notwendig ist, wird derzeit von der Stadt Bonn geprüft und wurde noch nicht entschieden“, so Schulte.

Mit dem Neubauprojekt in dem Park neben dem englischen Anwesen aus dem Jahr 1881 sowie dem Kantorenhaus will der Verein ein „generationsübergreifendes, sozial gemischtes, ökologisch verantwortliches und nachbarschaftliches Miteinander“ realisieren. Dafür werden die beiden bestehenden Gebäude renoviert und im Garten zwei Neubauten für insgesamt 22 Erwachsene und zehn Kinder errichtet.

Geplant ist, dass die Neubauten im dritten Quartal 2020 bezugsfertig sind. In das alte Kantorenhaus werden bereits im Juni zwei Familien einziehen, die Sanierung des alten Landhauses soll 2023 beendet sein.

Der gemeinnützige Verein „Wohngefährten Bonn“ wird nach eigenem Bekunden derzeit wegen der Baumfällungen in der Öffentlichkeit verunglimpft. „Auf Facebook läuft eine schmutzige Kampagne gegen uns. Das geht an die Nerven“, sagte am Freitagmorgen ein Vereinsmitglied dem GA auf der Baustelle an der Julius-Vorster-Straße. Am Freitag wurde die mehr als 100 Jahre alte Platane in Stücke zersägt und abtransportiert. Dazu wurde die Julius-Vorster-Straße für mehrere Stunden für den Durchgangsverkehr gesperrt.

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