Bauprojekt in Beuel: Pläne für "R(h)einwohnen" überzeugen Anwohner nicht

Bauprojekt in Beuel : Pläne für "R(h)einwohnen" überzeugen Anwohner nicht

Die Stadt Bonn und der Investor haben über die Pläne für die Wohnbebauung "R(h)einwohnen" in Beuel informiert - und viel Kritik der Anwohner kassiert. Die Veranstaltung verlief chaotisch.

In vielen Gesichtern stand am Mittwochabend Frust: Die Pläne des Investors für die Wohnbebauung „R(h)einwohnen“ am Landgrabenweg sind nach Ansicht vieler Nachbarn weitgehend durchgefallen. Für die Anlieger steht fest: Die Bebauung ist zu dicht, es wird zu wenig Rücksicht auf Mensch und Umwelt genommen, es gibt nicht ausreichend Parkraum und es besteht die Frage, ob die neuen Gebäude den Lärm der angrenzenden Zugstrecke reflektieren.

Die Vertreter der Stadt Bonn mussten sich während der Bürgerinformation im Beueler Rathaus viel Kritik gefallen lassen: Gerügt wurden sie wegen der zögerlichen Informationspolitik und vor allem wegen der Auswahl des Termins für die Bürgerinformation, der nach Meinung der Anwohner zu sehr in der Ferienzeit lag. Die Entscheidung der Stadt, als Planungsinstrument für das Bauprojekt ein vorhabenbezogenes und damit ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren zu wählen, kam bei den Bürgern nicht gut an. Sie fühlten sich überrumpelt. Von der Kritik genervt, äußerte sich Kerstin Hemminger vom Stadtplanungsamt in der Richtung, dass notfalls Gerichte darüber entscheiden müssen, ob die Stadt Bonn rechtlich richtig gehandelt habe.

Bei den vielen Streitigkeiten gingen die Informationen des Bauherren fast unter. Und dabei hatte er einige Neuigkeiten zu bieten: Auf der 25.000 Quadratmeter großen Fläche nördlich der Telekom-Gebäude will der Investor, die M & LP Rhein-Wohnen GmbH, 24 Gebäude mit 230 Wohneinheiten bauen. Das bedeutet neuen Wohnraum für ungefähr 650 Menschen. Alle Häuser werden zwei- bis dreigeschossig plus Dachgeschoss gebaut. Ausnahme der Gebäudekomplex, der direkt an die Telekom angrenzt. Er soll sich an die Bauhöhe der Telekom anpassen. Bis zu 40 Prozent der Wohneinheiten sollen für öffentlich geförderten Wohnungsbau zur Verfügung stehen.

Eine Bauzeit von 24 Monaten

Eberhard Bever, der als Projektentwickler die Interessen der Eigentümer vertritt, rechnet mit einer Bauzeit von 24 Monaten. Geht es nach seinen Vorstellungen, sollen die Bauarbeiten im ersten Quartal 2021 beginnen.

Karl Wengenroth, Vorsitzender des Bürgervereins Limperich, erinnerte daran, dass in früheren Jahren bereits mehrere Bauanfragen für das ehemalige Kissener-Gelände von der Stadt aus Gründen des Klimaschutzes abgelehnt wurden: „Dass die Stadt jetzt anders denkt und eine noch dichtere Bebauung zulassen will, irritiert uns alle.“ Die Ratsherren Dieter Schaper (SPD) und Ludwig Burgsmüller (CDU) liegen bei dem Thema weit auseinander.

Während Schaper aufgrund der Wohnungsnot das Bauvorhaben begrüßt, vermutet Burgsmüller „spezielle Interessen“ hinter dem Genehmigungsverfahren: „Das habe ich auch unserem Oberbürgermeister deutlich gesagt.“ Marcel Schmitt vom Bürgerbund: „Der Ablauf der Bürgerinfo war chaotisch und kam zeitweise einer Farce gleich. Eine faire Beteiligungsveranstaltung sieht anders aus.“ Martin Eßer (FDP) sieht Korrekturbedarf bei der Planung: „Alle wollen Wohnbebauung an der Stelle, aber die Politik muss darauf achten, dass weitgehend alle Interessen und Bedenken berücksichtigt werden.“

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