1. Bonn
  2. Beuel

30 Jahre Jugendfarm: Pionierarbeit für eine gute Idee

30 Jahre Jugendfarm : Pionierarbeit für eine gute Idee

Schon vom Marktplatz in Pützchen wiesen rote und gelbe Luftballons an den Straßenlaternen den Weg: Die Jugendfarm in Holzlar wird 30 Jahre alt und ganz Bonn schien gekommen zu sein, um mitzufeiern. "Wir waren damals eine große Clique", erinnert sich Uli Platz, der als Zivildienstleistender gemeinsam mit der Bonner Studentin Edi Conrad die Idee aus Stuttgart importiert hatte.

Die beiden jobbten dort auf der Jugendfarm Elsental - der ersten ihrer Art - und waren so begeistert, dass sie nach ihrer Rückkehr nach Bonn ein ähnliches Projekt auf die Beine stellen wollten.

Mitstreiter fanden sich schnell: "Viele von uns wohnten ohnehin zusammen in einer WG", so Platz weiter. Carl Ruland - auch ein Mann der ersten Stunde - ist eigens aus China angereist, um an der Feier teilzunehmen: "Da steckt von uns allen viel Herzblut drin", erinnert sich der Unternehmensberater und gelernte Tischler, der damals seinen Zivildienst in einem Heim für geistig behinderte Kinder ableistete.

Als er von dem Projekt hörte, habe er sofort gedacht: "Das ist es!" Neben viel Rückenwind habe es vereinzelt auch Widerstände gegeben, erinnern sich die ehemaligen Initiatoren: "Auf dem Finkenberg wurde uns im Vorfeld ein schönes Grundstück angeboten und da bekamen wir zum ersten Mal echten Gegenwind zu spüren." Das sei mit ein Grund gewesen, sich schnell für das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei am Holzlaer Weg zu entscheiden: "Hier können wir's durchziehen", habe man gedacht. "In den Anfangsjahren gab es hier ja so gut wie gar nichts - wir haben auch als Kinder Pionierarbeit geleistet", erzählt Daniela Krauß, die die Ehemaligen noch als Daniela Hupfer in Erinnerung haben.

"Ich war damals 13 und eines der ersten Mädchen auf der Farm", erinnert sich die Tierpflegerin, die als Honorarkraft auch heute noch auf dem Gelände aushilft. "Einmal haben wir bei einer Veranstaltung im Rheinischen Landesmuseum spontan den damaligen Oberbürgermeister Hans Daniels, der mit seinen Kindern gekommen war, als Betreuer zwangsverpflichtet", erinnert sich Platz. "Ob das allerdings förderlich oder eher kontraproduktiv war, weiß ich nicht", lacht er. Wahrscheinlich ersteres, denn die Politik stand nach anfänglicher Skepsis schnell zu dem Projekt.

"Et hätt noch immer jot jejange", lachen die Gründer und das gilt auch für das Wetter: Pünktlich zum Beginn der Feier setzte sich die Sonne gegen den morgendlichen Dauerregen durch und so konnten Oberbürgermeister Nimptsch und die anderen Gastredner alle Besucher zu einem perfekten Feiernachmittag begrüßen. Das bunte Bühnenprogramm - von den Kindern und Jugendlichen selbst gestaltet und moderiert - begleitete die zahlreichen Mitmachangebote für die ganze Familie. Vom Mitmach-Zirkus über eine Pony-Show bis zum Paddeln auf dem "See" reichte das Angebot. "Wir gehen jetzt erst einmal zu den Pferden", freut sich die elfjährige Lisa, die mit ihren Freunden Philip und Jessica unterwegs ist.

Auch bei der Organisation des Festes konnten die Kids mitmachen: "Ich find es toll, dass wir dabei helfen können, dass alles rund- läuft", freut sich zum Beispiel Lukas: Der 12-Jährige hilft am Verkaufsstand für die Jugendfarm-T-Shirts und lässt sich gerade seine "Bezahlung" schmecken: Eine große Bratwurst frisch vom Grill.