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Tipps für den Obstbaumschnitt: Obstbäume mit Pflege in Form bringen

Tipps für den Obstbaumschnitt : Obstbäume mit Pflege in Form bringen

Auch bei Obstbäumen gilt: Nicht einfach drauflos schneiden. Wie’s richtig geht, hat Fachmann Bastian Broer in einem Workshop in Holzlar erklärt und Tipps gegeben.

So manchem Gartenbesitzer wachsen die Obstbäume schnell über den Kopf. Zu groß werden sie und zu verästelt, während gleichzeitig der Ertrag der Früchte zurückgeht. Also Zeit für einen Kahlschlag? Nein, sagt Bastian Broer.

Er ist Hobby-Pomologe – der Fachbegiff für Obstbaukunde. „Es gibt zwei essentielle Fehler bei der Pflege eines Obstbaums: falsch schneiden, und gar nicht schneiden“, betont Broer. Seit Juni 2019 lebt in Holzlar und möchte mit seinem Workshop an der Holzlarer Mühle sein Wissen mit den Anwohnern teilen. „Natürlich hat man bei alten, mächtigen Bäumen oft nur noch die Option, den Vögeln etwas Gutes zu tun, weil man sie mit einem Beschnitt nie wieder in den Griff bekommen kann. Aber in der Regel kann man mit relativ wenig Aufwand dafür sorgen, dass sowohl der Baum als auch seine Früchte gesünder sind und wir Menschen letztere besser ernten können. Eine Win-Win-Situation.“

Pflege ist leichter als man glaubt

16 Holzlarer haben sich an diesem Samstagvormittag versammelt, um den Ausführungen von Broer zum so genannten Oeschbergschnitt zu lauschen. „Angefangen hat für mich alles, als ich mich um den Garten meiner Eltern kümmern musste und dort so ziemlich jeden Schnittfehler gemacht habe, den man sich vorstellen kann“, gesteht er. Jahre ist das inzwischen her. Seitdem hat sich Broer Vieles beigebracht, hat Kurse belegt, unter anderem in Wachtberg.

Und er hat dabei festgestellt, dass die Pflege von Obstbäumen leichter ist, als man glaubt. Zumindest wenn man weiß, worauf man achten muss. „Zunächst einmal sollte man realisieren, dass es ein Unterschied ist, ob ich einen Laub- oder einen Obstbaum vor mir habe“, erklärt er. „Obstbäume sind Kulturpflanzen, die vom Menschen über Jahrhunderte hinweg gezüchtet worden sind und mit den ursprünglichen Pflanzen in etwa so viel zu tun haben wie eine moderne Milchkuh mit einem Auerochsen. Daraus folgt aber auch, dass wir sie nicht einfach wild wachsen lassen sollten, zumindest wenn wir sie bei uns im heimischen Garten stehen haben und von den Früchten profitieren wollen.“

Nie mehr als 20 Prozent schneiden

Grundsätzlich empfiehlt Broer, nie mehr als 20 Prozent des Baumes zu schneiden, um übermäßigen Wiederaustrieb zu vermeiden. Außerdem sollte man zunächst klären, von wo das Sonnenlicht kommt und von wo der Wind, wie die Lage ist und wie die Statik. Aussprache nennt er das. „Das angestrebte Ideal für die Krone entspricht in etwa einer Tulpenform“, sagt er. „Dadurch erhalten alle Knospen und Früchte ausreichend Licht und lassen sich gleichzeitig gut erreichen.“ Beim Beschnitt dickerer Äste müsse dabei darauf geachtet werden, dass man den Astring identifiziere, eine kleine Verdickung, die gewissermaßen das Lebenszentrum darstellt. „Schneiden Sie den niemals ab“, warnt Broer, „sondern folgen Sie immer seinem Verlauf und kappen Sie den Ast davor.“ Keinesfalls dürfe der Schnitt gerade verlaufen.

Die Teilnehmer des Workshops können dies denn auch in der Praxis ausprobieren, bearbeiten den Apfelbaum an der Mühle vorsichtig mit Säge, Schere und Hippe und bringen ihn langsam aber sicher in Form. „Es wird sicherlich einige Jahre dauern, bis alles richtig beschnitten ist“, betont Broer. „Manchmal braucht man eben ein wenig Geduld. Aber ich glaube, der Baum wird es einem am Ende danken.“

Das richtige Werkzeug ist das A und O

Für einen sauberen Baumschnitt ist das richtige Werkzeug das A und O. „Es muss nicht immer die teuerste Marke sein“, betont Broer. „Am wichtigsten ist nicht eine besonders hochwertige Schneide, sondern vielmehr eine gute Feder. Ohne die haben Sie bei vielen Ästen keine Chance.“ Völlig ungeeignet seien so genannte Amboss-Scheren mit nur einer Schneide. „Die machen den Baum nur kaputt. Verwenden Sie stattdessen Bypass-Scheren, die saubere Schnitte ermöglichen.“ Außerdem empfehle sich eine Astsäge mit zwei Zahnweiten und einem Pistolengriff sowie eine Schneidgiraffe. Grundsätzlich müssen alle Werkzeuge vor Gebrauch mit Spiritus desinfiziert werden. „Auch Bäume haben Viren“, betont Broer.