Jesus-Maria-Josef-Junggesellen-Schützen: Oberkasseler Bruderschaft feiert ihr 225-Jähriges

Jesus-Maria-Josef-Junggesellen-Schützen : Oberkasseler Bruderschaft feiert ihr 225-Jähriges

Der gesamte Ort hat mit den Jesus-Maria-Josef-Junggesellen-Schützen das 225-jährige Bestehen der Bruderschaft gefeiert. Jubiläumskönig wurde Burkhard Balte.

Sie sind ein bisschen jünger als Bonns berühmtester Sohn – aber was sind schon 24 Jahre im Verhältnis zu zweieinhalb Jahrhunderten: Im Jahre 1794 beginnt die Geschichte der Jesus-Maria-Josef-Junggesellen-Schützenbruderschaft in Oberkassel, der junge Beethoven lebte da bereits seit zwei Jahren in Wien. Auch die Geburtstagsfeier fällt ein wenig bescheidener aus als die für den berühmten Musikus. Dafür feierte aber der ganze Ortsteil begeistert ein langes Wochenende mit.

Man habe sich ja auch einiges vorgenommen, so der erste Brudermeister Dennis Pacht. Vier Jahre habe man mit „gegen Ende stark steigendem Arbeitsaufkommen“ an der Vorbereitung des runden Geburtstags gearbeitet, so der junge Mann, dessen Amt sich am ehesten mit dem eines Vereinsvorsitzenden vergleichen lässt. Es scheint sich gelohnt zu haben; bei Witterungsverhältnissen, die man früher als „Kaiserwetter“ bezeichnet hätte, war am Wochenende so gut wie ganz Oberkassel auf den Beinen, um zumindest den großen Umzug der traditionell gekleideten Männer durch den Ort mitzuverfolgen.

Feierliche Krönung in der Jupp-Gassen-Halle

Der markierte zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten. Für Lena Obliers und Lukas Conrads dürfte die feierliche Krönung am Samstagabend in der Jupp-Gassen-Halle den Umzug als Highlight allerdings noch getoppt haben: Auch, wenn es nicht die Premiere der beiden als Maikönigspaar war: Bereits vor vier Jahren hatte der 27-Jährige „seine“ Lena ersteigert und so zur Maikönigin gemacht.

Bereits im April hatten sich die Mitglieder der Schützenbruderschaft zur alljährliche Versteigerung der sogenannten „Mailehen“ getroffen. Der Maikönig wird ermittelt, indem die Schützen auf ein Oberkassler Mädchen, das das 16. Lebensjahr vollendet haben muss, Geld bieten. Wer das höchste Gebot abgibt, bekommt – wie Conrads in diesem Jahr eben bereits zum zweiten Mal – den Zuschlag. Dass er seine Maikönigin dann anschließend lange überreden musste, ist unwahrscheinlich: Die beiden sind auch im echten Leben ein Paar. Maikönig zu werden ist eine Ehre unter den Schützen; das wahre Ziel besteht aber darin, Schützenkönig zu werden.

Wer am Samstagmittag den steilen Weg vom Ortszentrum hoch zum Parkplatz oberhalb des Sportplatzes „Am Stingenberg“ erklimmen wollte, konnte bereits auf halbem Weg die zünftige Blasmusik hören. In die bunte Geräuschkulisse aus Musik und angeregten Gesprächen der versammelten mehreren Hundert Schützen und Besucher platzte immer wieder ein Schuss. In einem konsequent abgesperrten Bereich versuchten die Mitglieder, den Vogel abzuschießen und nach dem 69. Knall war es soweit: Burkhard Balte durfte sich einmal mehr über die Schützenkönigswürde freuen: „Et lööv ...!“, freute er sich. Der 51-jährige Bauingenieur hat einen Lauf:

Nachdem er 1989 zum ersten Mal König der Oberkasseler Schützen wurde, durfte er sich im Jahr 2005 ein weiteres Mal freuen und am Samstagmittag nach dem 69. Schuss über die Ehre des Jubiläumskönigs. Denn etwas Besseres, als in einem alle fünf Jahre gefeierten runden Geburtstagsjahr die Königswürde zu erreichen, können sich die Mitglieder des Traditionsvereins nicht vorstellen. Gestartet hatte das Jubiläumswochenende am Freitagabend mit einem großen „Festkommers“ genannten Ball in der Jupp-Gassen-Halle. Der nächste Morgen begann mit einer katholischen Messe, die Weihbischof Ansgar Puff zelebrierte – dann ging's zum Schießen hoch auf den Stingenberg.

Mit Baltes Krönung im Bürgerpark begann dann der Höhepunkt des Festes: In einem festlichen Umzug mit Musik- und Oldtimerbegleitung ging es mehrfach durch den Ort, wo die Schützenkönigspaare Spalier stehend die Jubiläumsparade auf der Königswinterer Straße abnahmen. Ehemalige Majestäten, die nicht mehr gut zu Fuß sind, wurden mit einem gelben Käfer-Cabrio, einem metallic-blauen 1963er Chevy Impala und einem feuerroten Ford Mustang chauffiert. Der Tag endete wieder in der Jupp-Gassen-Halle mit dem Jubiläumsball und der Ehrung des Maikönigspaars. Der Sonntag klang dann im Bürgerpark mit einem Konzert aus; gegen 21 Uhr gab es noch den großen Zapfenstreich zu Ehren des neuen Jubiläumskönigs.

„Das war eine runde Sache“, freut sich Cheforganisator Pacht, nachdem am Sonntag abzusehen war, dass das Festwochenende ohne nennenswerte Pannen über die Bühne gehen würde. Das nächste Jubiläum muss allerdings ohne den Vollblutschützen auskommen, der seit seinem 16. Geburtstag bei den Grünröcken aktiv ist: Das Amt des Ersten Brudermeisters wird er im kommenden Jahr aus beruflichen Gründen abgeben, aber selbstverständlich Mitglied bleiben. Sein Vize, Phillip Fritzsche, will sich zur Wahl stellen.

Jetzt laufen die Vorbereitungen für die Silvesterparty

Die Feierlichkeiten zum 225-jährigen Bestehen der Junggesellen-Schützenbruderschaft Oberkassel sind gerade erst zu Ende gegangen, schon sind die Vorbereitungen für den Abschluss des Jubiläumsjahres in vollem Gange: Und den markiert die große Silvesterparty in der Jupp-Gassen-Halle, zu der natürlich wieder der ganze Ort eingeladen ist.

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