14. Kulturtage: Oberkassel zeigt sich als Kunstmetropole

14. Kulturtage : Oberkassel zeigt sich als Kunstmetropole

Die 14. Kulturtage in Oberkassel ermöglichen einen einzigartigen Blick in Ateliers und Ausstellungen. Beeindruckend ist dabei auch die Vielzahl von Künstler.

Mit welcher Freude, mit welchem Elan Oberkasseler Künstler zu Werke gehen, zeigte sich bereits am ersten Tag der 14. Oberkasseler Kulturtage. Obwohl die offizielle Eröffnungsfeier erst um 18 Uhr in der Alten Evangelischen Kirche stattfand, öffneten bereits am Vormittag die ersten Künstler ihre Ateliers. Unter dem Motte "Offene Ateliers" luden sie in ihre privaten Räume oder Gärten ein, präsentierten ihre Kunstwerke, freuten sich über das Interesse der Besucher und kamen bei einer Tasse Tee oder Kaffee gern mit ihnen ins Gespräch. Rosi Linder, die beim Organisations- und Moderatorenteam der Kulturtage für die Kunstmeile verantwortlich zeichnet, hat den GA zu einem "Atelierwalk" vor der Eröffnung eingeladen, um einige Künstler, Ateliers und Ausstellungen vorzustellen.

Erste Anlaufstelle war mit Renate Antwerpen die südlichste Adresse in Oberkassel. Ihre Wohnung ist ihr Atelier, alles wird dem Kunstschaffen untergeordnet. Die aus Bayern stammende Künstlerin fertigt seit mehr als 30 Jahren Porzellanschmuck, Vasen und Töpfe, Kacheln, Fließen und Ketten an. Zum dritten Mal nimmt sie an den Kulturtagen teil. Sie hat in Leeds an der Kunstakademie studiert und zusätzlich noch eine Ausbildung als Schmuckdesignerin absolviert. Antwerpen arbeitet gern mit Ton, töpfert aber nicht mit einer klassischen Töpferscheibe. "Aber weil alles von Hand gefertigt wird, ist nicht immer alles gleichmäßig", gesteht sie ein.

Erste Station auf der Kulturmeile der Kö, wie hier die Königswinterer Straße genannt wird, ist die Alte Evangelische Kirche. Dort stellt die Patchworkgruppe "Stoffbruch Oberkassel", die seit 2001 besteht, Quilts aus. "Literatur trifft Quilt" lautet hier das Thema für die 14 Mitglieder der Gruppe. "Jede von uns hat sich ein Lyrik-Werk ausgesucht", sagt Annette Windel, "und danach einen Quilt gefertigt." Die Arbeit geschieht unter der fachkundigen Anleitung von Erika Pieker und Gabi Sauer. Malen mit Stoff nennt Sauer das Quilten. Wie so ein Quilt entsteht, zeigen die Damen - ein Herr ist nicht dabei - den Besuchern. Kaufen kann man einen Quilt hier nicht, nur in einer Verlosung einen gewinnen.

Etwas versteckt im Hof liegt auf der Königswinterer Straße 685 die Werkstatt Kleidermacher, in der Tobias Harm Mächler seine ‚Re-Manufacture-Upcycling‘-Kunst präsentiert. "Ich nehme alte Dinge und mache neue daraus", erklärt der Kommunikationsdesign-Student. So hat er beispielsweise Bretter dreier Skateboards aufgearbeitet, sie schön bunt bedruckt und an die Wand gehängt. "Ich komme aus einer Familie", berichtet er, "die auf Nachhaltigkeit achtet." Nur konsequent ist, dass er auch getragene Klamotten mit Siebdrucktechnik verschönert.

Ein Atelier, das so gar nicht auf der Kö liegt, ist das von Monika Fischer auf der Hosterbacher Straße 112. In ihrem Garten hat sie in und vor einem Schuppen ihre Kunstwerke ausgestellt. Aquarelle, Ölbilder und Glückwunschkarten kann man hier bewundern. "Seit 2003 nehme ich an den Kulturtagen teil", berichtet sie. Besonders stolz ist die 80-Jährige auf ihre handgenähten Geschenkbeutel, die sie angefertigt hat, um dem Wust von Geschenkpapier und Ringelbändern, insbesondere an Weihnachten, zu entgehen. "Man kann sie waschen und wiederverwenden", erklärt sie.

Zurück an der Kö ist die letzte Station des ‚Atelierwalks‘ das Alte Rathaus. Die Gruppe "Künstler in Aktion" - Stefani Andernach, Anka Franzen, Martina Harms, Susanne Kress, Elke Post, Claudia Riedel und Nicola Röhricht - lässt sich dabei über die Schulter schauen, wie ihre Werke entstehen. Ob in Öl oder Aquarell, ob gemalt oder Computerkunst, ob auf Staffelei oder auf dem Boden - hier ist eine breite Vielfalt des künstlerischen Schaffens zu sehen. "Zusammen zu malen macht mehr Spaß als alleine malen", erläutert Susanne Kress. Mitmachaktionen runden ihr Angebot ab.

Beeindruckend ist die Vielzahl von Künstlern, die hier in Oberkassel tätig sind, und somit auch die Vielfalt des Angebots. Zahlreiche Geschäfte stellen außerdem ihre Räumlichkeiten und Schaufenster den Kunstschaffenden zur Verfügung. "Nahezu alle Künstler arbeiten tagsüber in ihrem Beruf", erklärt Rosi Linder, "deshalb können sie auch nicht jeden Tag ihre Ateliers öffnen und vor Ort sein." Doch so ein Walk von Atelier zu Atelier, von Ausstellung zu Ausstellung, von Geschäft zu Geschäft, der lohnt sich und inspieriert zu eigenem künstlerischen Tun.

Mehr von GA BONN