Oberkassel: Mehr als 100 Fotos aus Zeit nach Erstem Weltkrieg aufgetaucht

Mehr als 100 Fotos aufgetaucht : Soldat hat Oberkassel nach Erstem Weltkrieg fotografiert

John Guthrie war nach Ende des Ersten Weltkriegs zwei Jahre in Oberkassel stationiert. Doch er war nicht nur Soldat, sondern auch Fotograf. Ein unverhofft umfangreicher Nachlass erreichte nun den Heimatverein, der daraus einen Bildband macht.

Auf die nächste Ausgabe der Schriftenreihe des Heimatvereins können sich die Oberkasseler schon jetzt freuen. Das Heft zeigt eindrucksvolle Fotos aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und berichtet über die Erlebnisse eines britischen Soldaten, der nach Kriegsende zwei Jahre in Oberkassel stationiert war.

Dass Helmut Kötting, zweiter Vorsitzender des Heimatvereins, dieses Buch überhaupt schreiben konnte, ist dem Zufall zu verdanken. "Im November 2018 wandte sich David Halsted aus Burnley Lancashire nördlich von Manchester per E-Mail an den Heimatverein Oberkassel. In den Unterlagen seines Großvaters John Guthrie hatte er zahlreiche Fotografien aus den Jahren 1919 bis 1920 gefunden, als Guthrie als Besatzungssoldat in Deutschland eingesetzt war. Darauf immer wieder Hinweise auf den Ort Oberkassel und Bonn", erklärte Vorsitzender Sebastian Freistedt in einem Gespräch mit dem GA.

Soldat John Guthrie: Das älteste Farbfoto von Oberkassel?

Schnell war Kötting und Freistedt klar, dass der Großvater zahlreiche Fotografien von vielen interessanten Punkten und Vorkommnissen der damaligen Tage gemacht hatte, die dem Heimatverein einen nicht geahnten Einblick in das Oberkassel der damaligen Zeit erlauben. In den Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme entwickelte sich eine rege Korrespondenz zwischen Oberkassel und Burnley, in der unter anderem der Unterbringungsort und verschiedene Aufenthalts- und Freizeitorte Guthries aufgeklärt werden konnten.

Letztendlich waren es mehr als 100 Fotografien, die der Heimatverein aus England erhielt, darunter wohl auch das älteste Farbfoto von Oberkassel, das bekannt ist. Nach diesen Erkenntnissen entschloss sich Kötting aus dieser Thematik, weiter gefasst auf die gesamte Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg, eine Schrift zu verfassen.

Oberkassel: Männer mussten britische Soldaten grüßen

Eindrucksvoll lässt sich in diesem Buch erleben, wie die Oberkasseler damals ihren Alltag verbringen mussten. So gibt es ein Foto von einem Plakat der Briten, dem zu entnehmen ist, dass alle männlichen Zivilpersonen britische Offiziere durch Hutabnehmen zu grüßen hatten.

Foto: privat

Interessant ist auch der Einblick in das Leben des jungen Guthries in Oberkassel. Unvorstellbar heute, die strikte Zonentrennung, die nach 1918 an der Südgrenze von Oberkassel nach Dollendorf bestand. "So wie die damalige Zonengrenze verschwand, so hofft der Heimatverein auch für das Europa der Zukunft, und dies sage ich gerade nach dem tollen menschlichen Kontakt nach England, dass Grenzen und Kontrollen weitestgehend aus unserem Alltag verschwinden werden", erklärte Freistedt.

Das Buch mit dem Titel "... dass die Uhren nach der englischen Zeit zu stellen sind" wird am Freitag, 8. November, ab 19 Uhr in den Räumen des Heimatvereins im Alten Rathaus in Oberkassel, Königswinterer Straße, vorgestellt. Der Subskriptionspreis liegt bei zehn Euro. Später kostet das Buch 12,50 Euro.

Mehr von GA BONN