Natur in Bonn: Neues Bett für den Vilicher Bach in Beuel

Natur in Bonn : Neues Bett für den Vilicher Bach in Beuel

Die Deutsche Bahn stellt Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der S13 vor. Dabei sollen zum Beispiel Biotope für Kleinstlebewesen entstehen - auch am Vilicher Bach in Bonn-Beuel.

Noch ein paar Bäume pflanzen, dann sind die Arbeiten am Vilicher Bach beendet, die die Deutsche Bahn Netz AG als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Bahnlinie S13 vorgenommen hat. Von der „ökologischen Aufwertung“ die damit bezweckt wird, ist aktuell noch nicht viel zu sehen. Für Aufklärung sorgte eine Begehung, die Vertreter von DB Netz auf Anregung des Bürgervereins Schwarzrheindorf und Vilich-Rheindorf jetzt anboten.

Der Bürgerverein wiederum wurde von Corinna Nitsche-Hainer angesprochen, Anwohnerin aus Schwarzrheindorf. Sie begrüßte zur Begehung neben einigen anderen Bewohnern Jens Sülwold und Verena Müller von der DB Netz, die die ökologische Bauüberwacherin Katharina Weinrich und Projektingenieurin Janina Röhl mitgebracht hatten, sowie Bernhard Scholfens von der Unteren Wasserbehörde der Stadt Bonn. Vom Parkplatz an der Hundewiese in Schwarzrheindorf aus ging es am Bach entlang in Richtung Burg Lede.

Sehr schnell kam die Frage auf, was denn mit dem Wasser sei, das im Bachlauf nur an einigen Stellen als Pfützen zu sehen war. Schülfen wies darauf hin, dass es jetzt zwei trockene Jahre nacheinander gab. „Aber dieser Bach ist im unteren Bereich immer etwas trocken gefallen“, sagte er. Solche Gewässer seien auch Standorte für Spezialisten in Flora und Fauna. Die bräuchten aber auch eine naturnahe Bachsohle, die bislang durch die eingelegte Folie und die bei Regenfällen hohe Fließgeschwindigkeit nicht gegeben war. Deshalb wurde die Folie im Bachbett entfernt und durch ein Kiesbett ersetzt.

Außerdem sieht man immer wieder größere Steine und kleine Staudämme aus Holz: Das ist Absicht. „Es geht an vielen Stellen darum, die Fließgeschwindigkeit zu verringern“, so Müller. Dann, erklärte die Ökologin Weinrich, seien die Bedingungen gut für die sogenannten Makrozoobenthos, also Kleinstlebewesen, die auf Gewässersohlen leben wie die Stein-, die Eintags- und die Köcherfliege und deren unter Wasser lebenden Larven. „In ihrer Unsichtbarkeit sind sie trotzdem sehr wichtig für uns.“ Denn sie stellen auch ein Nahrungsangebot für größere Tiere dar.

Daneben wurden ihr zufolge diverse Pflanzen für eine Mischflur angesiedelt. Gräser an der Böschung würden auch mal stehen gelassen, um Tieren als Ort zum Überwintern zu dienen, Schmetterlingen etwa. All das führt dazu, dass künftig eigentlich an einem Abschnitt auf beiden Seiten der Unterführung unter der Niederkasseler Straße Menschen die Wege direkt am Bach eigentlich nicht mehr betreten sollten, damit sich die Natur dort frei entfalten kann. Mit dieser Ansage, die einen Umweg über die vielbefahrene Niederkasseler Straße und den neu angelegten Kiesweg bedeutet, konnten sich die Anwohner nur schwer anfreunden. Das seien Wege, die seit Ewigkeiten genutzt würden, sagten einige. Zumindest sollten dort Infotafeln aufgestellt werden. Und, meinte Nitsche-Rainer, die Straßenquerung mit den Verkehrsschildern auf der Insel, die den Blick auf den herannahenden Verkehr verstellen, müsse sicherer gemacht werden.

Auch nach den Kosten wurde gefragt, die laut Sülwold bei etwas mehr als einer Million Euro liegen, und nach den Zyanidfunden im Bachbett, die den Experten zufolge keine Gefahr mehr darstellten. Die Ausgleichsmaßnahme ist eine von vieren. Die Anwohner waren, nachdem man ihnen das Konzept erklärt hatte, zufrieden. „Ich bin generell dafür, dass die Landschaft renaturiert und eine natürliche Entwicklung gewährleistet wird“, sagte Volker Rohde von den Naturfreunden Bonn, die direkt am Bach einen Garten anlegen. „Wir warten jetzt auf das Wasser.“

Ein Anwohner sorgte sich nur, dass spielende Kinder die steile Böschung unterschätzen und nicht mehr hinauskommen. „Die Maßnahme wertet den Abschnitt hier auf, auch für die Anwohner. Und dass die S13 kommt, ist super für uns.“