Streit um Obstbäume: Naturschützer wollen alte Sorten in Schwarzrheindorf pflanzen

Streit um Obstbäume : Naturschützer wollen alte Sorten in Schwarzrheindorf pflanzen

Eine Reihe aus alten, regionaltypischen Obstbäumen, die entlang des Trampelpfades vom Steinwegekreuz nahe der Werdstraße in Schwarzrheindorf bis zum Rheinufer führt: Das ist der Wunsch von Landschaftsgärtner Thoralf Reeps.

Etwa 15 hochstämmige Bäume, darunter verschieden alte Apfel- und Birnbaumsorten und Quitten, würde der Beueler, der in mehreren lokalen Naturschutzorganisationen und -vereinen aktiv ist, dort gerne setzen. "Es geht mir darum, auch für unsere Kinder noch diese alte Kulturlandschaft zu erhalten und sie kommenden Generationen näherzubringen", sagte Reeps beim einem Termin vor Ort gegenüber dem General-Anzeiger. Doch die Stadt Bonn blockiere sein Vorhaben.

Mit seinem Anliegen hat Reeps sich an die Untere Landschaftsbehörde, die Stadtförsterei und das städtische Liegenschaftsamt gewandt. Doch die Erlaubnis, auf den Schwarzrheindorfer Wiesen die alten Obstbaumsorten zu pflanzen, wollte man ihm nicht geben. Dabei habe er auch mit dem Pächter der betroffenen städtischen Flächen bereits gesprochen und dessen Einverständnis eingeholt. "Ich verstehe einfach nicht, warum das nicht geht", sagte Reeps.

Generell begrüße die Verwaltung den Vorschlag, traditionelle, regionaltypische Obstbäume zu pflanzen, hieß es auf Anfrage bei der Stadt, schließlich sei dieses Ziel auch im Landschaftsplan Siegmündung festgeschrieben. "Der gewünschte Standort kommt aber aus mehreren Gründen dafür nicht in Frage", sagte Marc Hoffmann vom städtischen Presseamt.

Zum einen handele es sich um Hochwasserschutzgebiet, Anpflanzungen in diesem Bereich seien rechtlich beschränkt und müssten von der Bezirksregierung Köln genehmigt werden. Auch sei es problematisch, die Bäume direkt entlang des Trampelpfades zu pflanzen. "Die Stadt ist für die Verkehrssicherung des Fußweges zuständig. Wenn durch die Bäume einer der vielen Spaziergänger verletzt wird, fällt das auf uns als Eigentümer der Fläche zurück." Die Stadt sei aber gesprächsbereit. "Wir können uns gerne über andere Standorte unterhalten." Allerdings: Auch dann würde die Pflege der Bäume und die Ernte der Stadt obliegen.

"Wir verlangen ja gar nichts von der Stadt. Wir wollen uns selbst einbringen. Bäume und Pflanzung würden wir über Spenden und Patenschaften finanzieren", sagte Reeps. Von Dialogbereitschaft könne, zumindest seitens des Liegenschaftsamts, keine Rede sein. Ähnlich geht es Anwohnerin Tara Petra Jungen, die Reeps Ansinnen unterstützt. "Dass die Stadt, weil wenig Geld da ist, mit der vernünftigen Pflege der Natur überfordert ist, ist ein Sache. Aber dass das Engagement der Bürger so blockiert wird, ist unfassbar."

Landschaftsplan Siegmündung

Mit dem Landschaftsplan Siegmündung wurde 1985 eine 150 Hektar große Fläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen, die sich über den gesamten Mündungsbereich auf Bonner Stadtgebiet erstreckt. Das Naturschutzgebiet setzt sich im angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis fort. Der Plan umfasst aber auch die angrenzenden Landschaftsschutzgebiete, wie in Schwarzrheindorf. Ziel ist es, die natürlichen und naturnahen Lebensräumen zu erhalten und zu entwickeln.