Kommentar zur Auflösung des Bürgervereins Oberkassel: Nachfolger gesucht

Kommentar zur Auflösung des Bürgervereins Oberkassel : Nachfolger gesucht

Der Bürgerverein Oberkassel (BVO) hat seine Auflösung beschlossen: Auf einer eigens einberufenen Mitgliederversammlung des Vereins, die auf den Tag genau zehn Jahre nach dessen Gründung am 13. September 2007 stattfand, beschlossen die anwesenden 16 Mitglieder mit 14 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember.

Das Schicksal des Bürgervereins Oberkassel ist nach zehn Jahren besiegelt. Ob er eine Lücke hinterlässt, wird sich zeigen. Bereits vor einem Jahr hatte der Vorstand die Reißleine gezogen und öffentlichkeitswirksam die ketzerische Frage gestellt, ob Oberkassel einen Bürgerverein braucht. Die Frage wurde von den Mitgliedern damals mit Ja beantwortet, allerdings mit der Maßgabe einer Neuausrichtung. Doch neue Energie konnte der Vorstand nicht aus dem Mandat schöpfen. Das liegt nicht zuletzt in seiner Struktur. Der Vorstand und auch die Mitglieder sind zugleich in anderen Vereinen engagiert. Oberkassel hat rund 35 Vereine bei etwa 7000 Einwohnern. Das ist bemerkenswert!

Gescheitert ist der Bürgerverein am Ende an der Nachfolge-frage. Keiner will es machen. Und darin liegt die Krux, unter der so viele Vereine leiden: Mitgliederschwund, Überalterung und wenig Lust, sich ehrenamtlich zu engagieren. Freilich muss man sich fragen, ob eine Mitgliedschaft für junge Leute in althergebrachten Strukturen überhaupt attraktiv ist. Auch Vereine sind mit gesellschaftlichem Wandel konfrontiert. Wer das ignoriert, verbaut sich eine Zukunft. Soll ein Generationenwechsel stattfinden, muss das Ehrenamt attraktiv sein. Die Jüngeren geizen mit ihrer Freizeit, und die Vereine konkurrieren mit einem riesigen Angebot. Doch das ist noch lange nicht ihr Abgesang. Denn junge Leute wissen auch zu schätzen, was das Vereinsleben ihnen geben kann. Nicht ausgeschlossen also, dass auch ein Bürgerverein wieder zum Leben erweckt wird.

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