Zwei Brände legen Stromversorgung lahm: Millionenschaden in der Beueler Kläranlage

Zwei Brände legen Stromversorgung lahm : Millionenschaden in der Beueler Kläranlage

Zwei Brände haben im September und Oktober in der Beueler Kläranlage die Stromversorgung lahmgelegt. Den Schaden beziffert die Stadt auf mehr als eine Million Euro.

Zweimal kurz hintereinander hat es in der Beueler Kläranlage in Energieversorgungsschächten gebrannt. Drei Wochen gab es keinen Strom in der Anlage. Der Betrieb lief über dezentrale Notstromaggregate. Den Schaden beziffert die Verwaltung derzeit auf eine Million Euro. Doch das gesamte Ausmaß sei noch nicht bekannt. Ein Teil der Reparaturkosten werde durch die Versicherung, der andere Teil über die Abwassergebühren abgerechnet.

Über den ersten Kabelbrand am 24. September hat die Verwaltung direkt am nächsten Tag via Medienportal informiert, über den zweiten am 5. Oktober jedoch nicht. „Auch dieser Kabelbrand hatte keine Auswirkungen auf den Betrieb“, sagt Tiefbauamtsleiter Peter Esch. Erst am 28. November hat der Umweltausschuss eine Verwaltungsmitteilung über die Vorfälle auf der Tagesordnung. Der Ausschussvorsitzende, Christian Gold (CDU), erwartet in der Sitzung aktuelle Informationen. „Das scheint nochmal glimpflich ausgegangen zu sein. Fragt sich nur, wie groß die Gefahr einer Wiederholung ist“, kommentiert er einstweilen.

Rauchgase haben empfindliche Elektronik beschädigt

Am 24. September wurden etwa 70 Kabel beschädigt. Laut Verwaltung stoppte dadurch der biologische Reinigungsprozess des Abwassers. „Glücklicherweise konnte am gleichen Abend ein Notbetrieb der Anlage eingerichtet werden.“ Bis dahin wurde das permanent anfallende Abwasser lediglich mechanisch gereinigt – das heißt die Festteile ausgesiebt – und in Regenrückhaltebecken aufgefangen. Laut Verwaltung wurde keine Kloake in den Rhein geleitet.

Am 5. Oktober ging in der zentralen Überwachungsstelle am Salierweg erneut eine Störungsmeldung aus Beuel ein. Rauch quoll aus einer Schaltanlage. Der Brand konnte zwar schnell gelöscht werden, doch die Rauchgase, die sich entwickelt hatten, hatten sich auf den empfindlichen Elektronikteilen niedergeschlagen. Die Anlage war lahmgelegt. Auch ein Notbetrieb mit Stromaggregaten der Kläranlage war nicht mehr möglich. „Die Versorgung der betriebsnotwendigen Funktionen wurde durch dezentrale Notstromaggregate und Belüfter, mobile Pumpen mit Generator und einer mobilen Beleuchtung der Anlage sichergestellt“, teilt die Verwaltung mit. Das Einleiten nur mechanisch gereinigten Abwassers sei verhindert worden. „Die Ablaufwerte der Anlage waren zu jeder Zeit innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte.“ Das sei parallel auch von der Bezirksregierung als wasserwirtschaftlicher Aufsichtsbehörde kontrolliert worden.

Die Brandursache? „Wir gehen davon aus, dass beim ersten Vorfall eine Verbindungsmuffe im Kabelschacht undicht war. An dem Tag regnete es stark. Durch die Feuchtigkeit auf einer winzigen blanken Stelle am Stromkabel entstanden Funken, in der Folge Hitze, es schwelt , dann kommt es zu Kurzschlüssen“, erläutert Tiefbauamtsleiter Esch. Der Gutachter der Versicherung habe das bestätigt. Beim zweiten Brand „ist die Ursache nicht geklärt. Die verschmorten Rückstände sind nicht mehr identifizierbar.“ Ob auch hier eine schadhafte Kabelverbindungsmuffe die Ursache war, sei nicht auszuschließen. „Ausschließen können wir aber Rattenfraß, die Schächte sind hermetisch abgeriegelt. Es gibt definitiv auch keinen Zusammenhang mit der derzeitigen Sanierung des Hochwasserpumpwerks.“

Die Spezialmuffen sollen ersetzt werden

Bis Jahresende soll die Kläranlage statt im üblichen Tagesdienst im Schichtbetrieb rund um die Uhr besetzt sein, denn auch die Fernüberwachung von der Zentralwarte in der Kläranlage Salierweg hat Schaden genommen. Mehrere Monate werden die Mitarbeiter damit beschäftigt sein, große Teile der Verkabelung zu ersetzen und die zerstörten Schaltkästen wieder einzurichten.

„Prinzipiell ist die Anlage auf dem neusten Stand. Die Spezialmuffen sind aus den 70er und 80er Jahren. Sie sollen ersetzt werden“, erläutert Esch. „Ich will, dass jeder Schacht begutachtet und mit Wärmebildkameras überwacht wird.“ Die Kostenermittlung sei in Arbeit. Der Tiefbauamtsleiter will sich gar nicht ausmalen, welche Folgen es gehabt hätte, wenn ungeklärtes Abwasser in den Rhein geflossen wäre. „Ein Riesenproblem mit möglicherweise strafrechtlichen Konsequenzen. Das kann richtig Geld kosten bis hin zu Schadensersatzforderungen der Rheinanlieger stromabwärts.“

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