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Aktion für Flüchtlingskinder: Malen gegen das Heimweh

Aktion für Flüchtlingskinder : Malen gegen das Heimweh

Flüchtlingskinder erzählen in Bildern von ihren Erlebnissen. Eine Beueler IT-Firma unterstützt den Verein Abenteuer Lernen bei der Aktion.

Mit dem Thema Weihnachten kann Muhamed noch wenig anfangen. So malt der Zehnjährige einfach ein Bild aus seinem Leben vor der Flucht. Ein Haus, Regen, etwas Gras, aber der rechteckige Kasten über dem Gebäude erschließt sich dem Betrachter nicht direkt. Auf Nachfrage sagt Übersetzer Ali aus Köln kurz und knapp "Bombe". Nur ein Erlebnis von vielen, die nachdenklich stimmen an diesem Nachmittag, der jungen Flüchtlingen eine kleine Auszeit geben soll.

Möglich gemacht hat das die Beueler IT-Firma Synalis. "Wie in den vergangenen Jahren verzichten wir zugunsten eines wohltätigen Zweckes auf Weihnachtsgeschenke für unsere Kunden", sagt Sarabjeet Lau. Ihr Mann Andreas Lau ist Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens mit 40 Mitarbeitern. Dass das Ehepaar den Nachmittag mit Leckereien, Stiften und vielem mehr finanziert, ist das eine. Dass sie zudem die Arbeit des Ausrichters, des Vereins Abenteuer Lernen, in der Tapetenfabrik unterstützen, das andere.

Wie berichtet, können dort jeden Dienstag Jugendliche und Erwachsene, die geflohen sind, gemeinsam werken, basteln oder experimentieren. "Viele sind unglaublich traumatisiert", sagt die pädagogische Leiterin Birgit Kuhnen. Der Kreativität freien Lauf zu lassen, könne helfen. Manchmal gehe es aber auch um konkrete Hilfe, ergänzt Geschäftsführerin Erika Luck-Haller: "Wenn zum Beispiel die GEZ zum x-ten Male Gebühren fordert oder der Arzt den syrischen Impfpass nicht lesen kann." Dann sind die Mitstreiter von Abenteuer Lernen auf die ehrenamtlich arbeitenden Übersetzer, wie Flüchtling Ali, angewiesen.

In Syrien war der junge Mann bis vor einem Jahr Rechtsanwalt. In Beuel hilft er nun, sprachliche Hürden abzubauen und die jeweils fremde Kultur ein Stückchen näher zu bringen. Das Bild von Anas ist selbsterklärend. Es zeigt einen Mann vor einem Haus, an einer Stange weht die Flagge der syrischen Opposition - zumindest wie Anas sich diese vorstellt. Der Mann lächelt, hält eine Blume in der Hand, die Sonne scheint.

Der Achtjährige ist stolz, dass Ali für die Journalistin übersetzt. "Der Mann auf dem Bild ist glücklich, weil Assad endlich weg ist", lässt er ausrichten. Er wohnt bei seiner Oma Khadija (56), die seit drei Jahren hier ist. Mit drei Cousins kam er alleine nach Deutschland. "Die Eltern sind noch in der Türkei, für sie und die jüngeren Kinder hat das Geld nicht gereicht", sagt Khadija. Ist es nicht anstrengend, für vier kleine Jungs verantwortlich zu sein? "Ich liebe Kinder", sagt sie auf Deutsch und verweist auf viel Hilfe, wie zum Beispiel die Hausaufgabenbetreuung der Caritas.

Auch ihr Neffe Mohamed wohnt bei Khadija. Zum Glücklichsein hat der Zahnjährige nur wenig Anlass, weil er seine Eltern schrecklich vermisst. Ziemlich stolz sollte ihn aber die Nachricht machen, dass sich die Mitarbeiter von Synalis für sein Bild entschieden haben, um es auf 400 Weihnachtskarten für Kunden und Lieferanten zu drucken. "Es zeigt ihn zwischen seinen Eltern, Hand in Hand, alle lächeln", sagt Sarabjeet Lau.

Und ein wenig vom Zauber der Weihnachtszeit scheint bei dem stillen Jungen doch angekommen zu sein. Denn das über der Haustür sieht stark nach kleinen Wichteln aus und neben dem Vater steht eine Art Weihnachtsmann mit Geschenk.