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Linie 66 in Bonn: Stadt braucht Friedhof-Fläche für Ausbau

Beschleunigung der Stadtbahnlinie : Stadt braucht Friedhof-Fläche für Ausbau der Linie 66

Die Stadt benötigt einen 7,70 Meter breiten Grundstücksstreifen vom Combahnfriedhof in Beuel, um der Stadtbahnlinie 66 einen eigenen Gleiskörper auf der B56 zu ermöglichen. Darüber will die Stadt die Kirchengemeinde informiert haben. Die bestreitet das allerdings. Die Politik ist verärgert.

Wenn die Beueler Politik mit der Stadtverwaltung über die geplante Beschleunigung der Stadtbahnlinie 66 in Höhe des Combahnfriedhofs spricht, ist das Diskussionsklima schnell vergiftet. Besonders Bezirksbürgermeister Guido Déus ist mit seiner Geduld am Ende. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung fand er deutliche Worte, die darauf abzielten, dem Stadtplanungsamt Untätigkeit vorzuwerfen.

„Die Politik fordert seit Jahren, den Engpass an der Sankt Augustiner Straße so umzugestalten, dass die Stadtbahn einen eigenen Gleiskörper erhält. Und was macht die Verwaltung seit Jahrzehnten? Nichts“, echauffierte sich Déus. Im Dialog mit den Bürgern sei auch einiges schief gelaufen, vor allem bei den Gesprächen mit dem Kirchenvorstand der Pfarrei St. Josef und Paulus.

Helmut Haux, Abteilungsleiter im Planungsamt, rechtfertigte die Vorgehensweise der Stadt: „2016 haben wir Skizzen präsentiert. Ein Jahr später haben wir den Auftrag erhalten, ein Bebauungsplanverfahren vorzubereiten. Verkehrszählungen wurden durchgeführt, auch viele Gesprächstermine mit dem Gutachter. Auch mit dem Kirchenvorstand haben wir gesprochen.“

Foto: GA

Auf Déus’ Nachfrage, ob der Kirchenvorstand darüber informiert sei, dass die Fläche des Combahnfriedhofs nach der aktuellen Planungsvariante um 7,70 Meter zugunsten der Straßenverbreiterung reduziert werden muss, antwortete Haux: „Die Kirche ist darüber informiert.“ Die Aussage zweifelte Déus an.

Auf GA-Nachfrage versicherte Michael Kranz, Geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands von St. Josef und Paulus: „Die Stadt Bonn hat mit uns über diesen Wert und die neue Planung nicht gesprochen. Das letzte Gespräch mit Vertretern der Stadt hat vor weit über einem Jahr stattgefunden.“ Gefragt, ob er sich denn vorstellen könnte, so viel Fläche vom Friedhof abzutreten, antwortete Kranz: „Dazu kann ich momentan weder Ja noch Nein sagen, weil ich die Planung nicht kenne. Die muss ich aber kennen, um beurteilen zu kennen, welche Auswirkungen eine mögliche Reduzierung auf die Grabfelder haben könnte. Ich erwarte, dass die Stadt Bonn sich zeitnah bei uns meldet.“

Karl Uckermann spricht von „Schnellschuss“

Von dem Verkehrsgutachter, der seine Vorzugsvariante ausführlich in der Sitzung vorgestellt hat, wollte Déus wissen, ob der Straßenquerschnitt nicht reduziert werden könne, damit die Kirche nicht so viel Friedhofsfläche abgeben müsste. Dazu Verkehrsplaner Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT Umwelt und Verkehr aus Hannover: „7,70 Meter ist das Mindestmaß. Nach den jüngsten gesetzlichen Vorgaben dürfen wir den Geh- und Radweg nicht mehr kombinieren. Wenn die Planung vor Gericht Bestand haben soll, müssen wir uns daran halten.“ Mazur schlug in diesem Zusammenhang vor, mit dem Kirchenvorstand über eine Verlagerung des öffentlichen Fußwegs auf das Friedhofsareal zu diskutieren: „Das hätte gleich zwei Vorteile. Zum einen müsste die Kirche nicht so viel Fläche abtreten. Zum anderen müssten die Passanten nicht direkt entlang der viel befahrenen Straße gehen.“ Diese Idee bezeichnete Karl Uckermann von den Grünen als „Schnellschuss“.

SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Schaper: „Als Rechtsanwalt befürchte ich, dass der erforderliche Grunderwerb sich schwierig gestalten wird. Vor allem, was den Ankauf der Privathäuser anbelangt. Leider ist die Stadt bei diesem Thema noch gar nicht aktiv geworden.“

Auf Antrag des Bezirksbürgermeister wurde die Diskussion nur als sogenannte „erste Lesung“ eingestuft. Das Thema wurde einstimmig in die Dezember-Sitzung der Bezirksvertretung vertagt. Bis dahin soll die Verwaltung Gespräche mit der Kirche führen. Außerdem soll der Gutachter den Vorschlag des ADFC prüfen, ob die für die Friedrich-Breuer-Straße beantragte gegenläufige Einbahnstraße Auswirkungen auf die zur Diskussion stehende neue Verkehrsführung auf der B 56 hätte.