Weiter im 30-Minuten-Takt: Linie 62 hat sonntags das Nachsehen

Weiter im 30-Minuten-Takt : Linie 62 hat sonntags das Nachsehen

Zum 28. August ändert sich der Fahrplan für Bus und Bahn in Bonn. Die Linien 61, 63 und 66 fahren dann sonntags im 15-Minuten-Takt, die Linie 62 jedoch weiter im 30-Minuten-Takt.

Wenn sich ab dem 28. August der Fahrplan ändert, werden einige Beueler, die vor allem die Linie 62 nutzen, das Nachsehen haben. Im Rahmen des Bundesförderungsprojektes „Lead City“, das für eine saubere Luft in der Stadt sorgen soll, werden sämtliche Hauptbahnlinien der Linie 61,62,63 und 66 an den Wochenenden im Takt verdichtet – es fahren also wesentlich mehr Züge. Samstags fahren die Bahnen dann im Zehn-Minuten-Takt, sonntags im 15-Minuten-Takt. Allerdings gibt es mit der Linie 62, die zwischen Dottendorf über den Hauptbahnhof nach Beuel-Bahnhof und weiter nach Oberkassel Süd/Römlinghoven pendelt, eine Ausnahme: Sonntags wird der Fahrplan nicht verdichtet, es bleibt auf dieser Strecke bei dem halbstündigen Takt.

Marco Rudolph, Bezirksverordneter der CDU-Fraktion in Beuel, kann diesen Umstand überhaupt nicht verstehen. „Die Stadt hat die Linie 62 schlicht und ergreifend vergessen. Nun haben die Beueler Bürgerinnen und Bürger weiterhin einen unattraktiven Halbstundentakt zwischen dem Beueler Zentrum und Oberkassel, während sämtliche Hauptbahnlinien verstärkt werden. Das wird niemand verstehen können“, sagte Rudolph dem GA. Er befürchtet außerdem, dass Familien aus Beuel für einen Sonntagsausflug deshalb weiterhin lieber das Auto nehmen als die Straßenbahn.

Rolf Beu, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, lässt die Kritik so nicht gelten. „Von den Taktverbesserungen profitieren auch die Beueler“, so Beu. Beispielsweise würde die Stadtbahnlinie 66 stark verdichtet, die ebenfalls durch den Stadtbezirk fährt. Es würde auch etliche jetzt verstärkte Buslinien geben, die im Rahmen von „Lead City“ bisher nicht verdichtet werden konnten, erklärt Beu weiter. „Es muss einzig auf Grund der Fahrgastnachfrage entschieden werden, welche Linien vorrangig verdichtet werden“, sagte der Grünen-Politiker. Dabei könne man nicht speziell auf die Stadtbezirksgrenzen schauen, sondern müsse die Bedürfnisse der Fahrgäste berücksichtigen.

Bei den Beratungen zu den Lead-City-Ausweitungen habe Marco Rudolph im Dezember 2018 einen Prüfauftrag an die Stadt gestellt, um das bessere Fahrtenangebot der Linie 62 an Sonn- und Feiertagen zwischen dem Bonner Hauptbahnhof und Oberkassel nachzuziehen. „Dieser Prüfauftrag wurde sowohl in der Bezirksvertretung Beuel als auch im Rat im Rahmen der Angebotsverbesserungen für August 2019 beschlossen“, berichtete Rudolph. Getan habe sich dennoch nichts. „Bei den Sonntagstaktverdichtungen im Rahmen Lead City wurde für die innerstädtischen Hauptlinien vorgesehen, den vorhandenen Taktwechsel am Sonntagvormittag von 60‘- auf 30‘-Takt beziehungsweise 30‘- auf 15‘-Takt von heute etwa 11.30 Uhr auf zukünftig schon etwa 9.30 Uhr vorzuverlegen“, erklärte Andrea Schulte vom Presseamt der Stadt auf Nachfrage. Die Linie 62 fahre sonntags ganztägig alle 30 Minuten und blieb bei Lead City daher unberücksichtigt, so das Presseamt.

„Die Realisierung der Taktverdichtung der Linie 62 sonntags zum kommenden Fahrplanwechsel war aufgrund der damit verbundenen finanziellen Mehraufwendungen auch im Rahmen des Förderprojektes Lead City leider nicht mehr möglich“, so Schulte. Die Mehrkosten für einen sonntäglichen 15-Minuten-Takt der Linie 62 liege bei ungefähr 250 000 Euro pro Jahr. „Hierbei sind die zusätzlichen Einnahmen durch die Angebotsverbesserung noch nicht berücksichtigt“, erklärte sie weiter.

Prüfauftrag für dennächsten Fahrplanwechsel

Die Stadtverwaltung habe nun für den nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2020 den Prüfauftrag zu untersuchen, ob die Linie 62 auch sonntags verdichtet werden kann, und den politischen Gremien in der ersten Jahreshälfte 2020 zur Entscheidung vorzulegen. „Letztendlich bedarf jede Änderung im Nahverkehrsangebot eines Beschlusses der politischen Gremien und der Bereitstellung zusätzlicher Finanzmittel“, so Schulte. Geld durch „Lead City“ wird es dann allerdings wohl nicht mehr geben, denn die Förderung läuft Ende 2020 aus.

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