"Kunst ohne Strom" in der Brotfabrik: Lesung zwischen Weinreben

"Kunst ohne Strom" in der Brotfabrik : Lesung zwischen Weinreben

Viele Künstler und Theater nutzen die Sommerpause für eine kreative Auszeit. Nicht jedoch das Ensemble der Brotfabrik. Mit einer zweiten Auflage ihres Kulturprojekts "Kunst ohne Strom" lockte die Brotfabrik an die 150 Zuschauer zur Lesung ins Freie.

Die malerische Kulisse bot dabei erneut der Weinberg auf dem Finkenberg. "Wir wollen uns im Sommer, wo viele Theater Ferien machen, draußen in der Natur präsentieren. Dabei geht es uns auch darum, dem Publikum unbekannte Orte und versteckte Gärten zu zeigen", sagte Jürgen Becker, Geschäftsführer der Brotfabrik.

Nach dem großen Erfolg der Premiere 2014 stand für Becker fest, dass die Weinreben des Finkenbergs erneut zur Kulisse einer Open-Air-Lesung werden sollten - ganz ohne Strom und Technik. Präsentiert wurde das Stück "Schultze und Müller". Es beschreibt die Reiseeindrücke zweier Berliner vom Rheinland im 19. Jahrhundert. Ihre Reise führt sie von Düsseldorf über Köln bis nach Bonn und ins Siebengebirge. Dabei erleben sie jede Menge skurrile Geschichten, schauen zu tief ins Glas und landen hinter Gittern.

Die Schauspielerin Petra Kalkutschke las das Stück mit viel Humor und überzeugte vor allem mit gekonntem Berliner Dialekt. Passend zur Kulisse begeisterte sie das Publikum zudem mit einem zweiten Stück über einen New Yorker, der sich in die Toskana begibt, um dort ein eigenes Weingut zu gründen. Mit viel Witz erzählt die Geschichte von den Katastrophen und Freuden des Weinanbaus. Für die musikalische Unterhaltung des Abends sorgte Matthias Höhn. Er faszinierte das Publikum mit exotischen und seltenen Musikinstrumenten, auf denen er Musik vom Mittelalter bis heute spielte.

Unterstützung erhielt das Ensemble vom Bürgerverein Limperich. Er stellte das Grundstück zur Verfügung und versorgte die Gäste mit Rot- und Weißweinen aus der Region. Mit der Beteiligung an dem Projekt wolle der Bürgerverein die freie Kultur sowie die Beueler Kulturszene fördern, erklärte Vereinsvorsitzender Karl Wengenroth. Trotz der fehlenden Technik mangelte es der Inszenierung an nichts. "Wer braucht schon Scheinwerfer, wenn man einen so wunderschönen Sonnenuntergang haben kann, der Freilichtbühne und Weinberge in eine romantische Kulisse verwandelt", erklärte eine ältere Dame aus dem Publikum. Bei den Zuschauern, die es sich mit einem Gläschen Wein auf Decken und Klappstühlen gemütlich gemacht hatten, kam die Kunst ohne Strom sichtlich gut an.