TuS Pützchen: Kleinkrieg ums Klubheim

TuS Pützchen : Kleinkrieg ums Klubheim

Die Story eignet sich als Romanvorlage: Unbelehrbarer Verein liegt wegen permanenter Lärmbelästigung mit hysterischer Nachbarschaft im Dauer-Clinch. Klingt auf den ersten Blick unterhaltsam, ist es aber in Wirklichkeit keineswegs.

Beide Seiten haben die Nase voll: Der Sportverein TuS Pützchen würde am liebsten seinen Vereinsstandort wechseln, die Nachbarschaft versucht alles, um die Lichter im Vereinsheim ausgehen zu lassen.

Der Stadt reicht es jetzt. Als Vertragspartner des Sportvereins - das städtische Grundstück ging im Rahmen des Erbbaurechts an den Verein - will sie jetzt dem Vorstand einen Denkzettel verpassen und droht per Abmahnung mit dem Heimfallrecht. Will heißen: Wenn der TuS Pützchen die Vermietungen an Dritte nicht sofort einstellt, dann wird der Vertrag aufgelöst und das Gebäude fällt an die Stadt.

Über die bevorstehende Abmahnung wurden jetzt die Mitglieder der Bezirksvertretung Beuel schriftlich informiert. Seit 2004 fechten der TuS Pützchen und die Nachbarn an der Straße Rosenbach diesen Strauß aus. Es geht ausschließlich um abendliche Lärmbelästigungen. Allein 2011 wurden 13 Beschwerden sowie Einsätze der Polizei und des Ordnungsamtes aktenkundig. 2012 sind bereits drei Polizeieinsätze bis Mitte März verzeichnet.

Laut Stadt handelt es sich bei den Veranstaltungen im Vereinsheim um private Feierlichkeiten - und die sind nach dem Erbbaurechtsvertrag verboten. Weil die Nachbarschaft keine Besserung der Situation wahrnimmt, hat sie im November 2011 die Bezirksregierung Köln eingeschaltet. Laut Stadt sind bislang sämtliche Bemühungen zur Schlichtung des Streits ohne dauerhaften Erfolg verlaufen.

Ohne Vereinsheim ist der Sport in Pützchen undenkbar

Peter Heidinger, seit 35 Jahren Vorsitzender des TuS Pützchen, ist besorgt: "Wenn die Stadt uns das Vereinsheim wegnimmt, dann ist der Sport in Pützchen kaputt." Heidinger, der von Beruf Rechtsanwalt ist, versteht das Vorgehen der Stadt nicht: "Wir schließen mit unseren Mietern knallharte Verträge ab, in denen jeweils eine Person benannt ist, die bei Schäden und Belästigungen Ansprechpartner ist. Die Stadt reagiert aber darauf nicht, sondern lastet immer uns die Vorfälle an."

Mittlerweile ist der Verein das Theater derart leid, dass er bereit wäre, an einen anderen Standort umzuziehen. Heidinger schlägt der Stadt vor: "Wir übernehmen den holprigen Rasenplatz an der Gesamtschule Beuel und bauen mit finanzieller Hilfe der Stadt dort einen Kunstrasenplatz. Der Verein würde dann auf seine Kosten dort ein Vereinsheim errichten."

Mit der Leitung der Gesamtschule hat Heidinger bereits darüber gesprochen und ist nach seinen Angaben auf Zustimmung gestoßen. "Die Stadt würde dann im Gegenzug unser jetziges Vereinsheim übernehmen können. Sie müsste auch nicht mehr jährlich nach Pützchens Markt für viel Geld unseren Platz wieder herrichten lassen, der durch die Kirmes immer stark beschädigt wird", so Vorsitzender Peter Heidinger.

CDU und SPD wollen die Mitteilung über die Abmahnung in der Sitzung der Bezirksvertretung Beuel am Mittwoch, 16. Mai, zu einem regulären Tagesordnungspunkt aufwerten. "Wir müssen diesen Vorgang stoppen, gemeinsam diskutieren und nach einer Lösung suchen. Ansonsten wäre das der Todesstoß für den Verein", sagte Willi Härling (CDU). Dieter Schaper (SPD) sieht das ähnlich: "Wegen Nachbarschaftsbeschwerden kann man doch keinen Verein dicht machen. Entweder muss der Verein schärfere Auflagen erhalten oder wir müssen über einen Umzug sprechen."

Härling, der auch Vorsitzender des Sportausschusses ist, erklärte, dass im städtischen Haushalt 300 000 Euro für den Bau eines neuen Kunstrasenplatzes zur Verfügung stehen. Das Problem sei nur, dass der TuS Pützchen im Ranking der Bonner Sportvereine gar nicht geführt werde, weil der jetzige Sportplatz wegen der jährlichen Kirmes nicht zu einem Kunstrasenplatz umgebaut werden könne.

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