Kommentar zum Pfarrermangel in Pützchen: Klartext des Bischofs

Kommentar zum Pfarrermangel in Pützchen : Klartext des Bischofs

Während in der Pfarrgemeinde St. Adelheid die Vorbereitungen für die Wallfahrtsoktav im August in Pützchen begonnen haben, ist die Frage nach der Neubesetzung der zum 31. August frei werdenden Pfarrerstelle nach wie vor nicht beantwortet. Ein Kommentar.

Missbrauchsvorwürfe, Priestermangel, sinkende Mitgliederzahlen und folglich rückläufige Kirchensteuererträge – die katholische Kirche kommt nicht zur Ruhe. In diesem unruhigen Fahrwasser fällt es derzeit vielen Gemeindemitgliedern schwer, den beschwichtigenden Worten der Kirchenoberen Glauben zu schenken. Diese Zerrissenheit ist allerorten zu spüren, derzeit vor allem in Pützchen – einer Wallfahrtsgemeinde, deren Heiliger Adelheid im Jahr 2008 der Status der Stadtpatronin Bonns zugesprochen worden ist.

Da klingt die jüngste Ansprache von Weihbischof Ansgar Puff an die Gemeinde schon fast wohltuend für die Pützchener, weil ehrlich – wenn auch enttäuschend. Der für den südlichen Teil des Erzbistums zuständige Regionalbischof scheut sich nicht, den Gläubigen reinen Wein einzuschenken und sie auf noch intensivere seelsorgerische Notstände vorzubereiten. Mehrere Seelsorgebereiche müssen sich wohl künftig ein Pastoralteam teilen.

Was bedeutet, dass noch mehr Aufgaben an ehrenamtliche Gemeindemitglieder delegiert werden müssen. Die Katholiken im Seelsorgebereich Am Ennert hadern jedenfalls aktuell mit ihrer Kirche. Viele fragen sich, ob der plötzliche Abschied der indischen Ordenspriester wirklich so freiwillig erfolgt ist, wie das Erzbistum die Bürger glauben lassen will. Jedenfalls rumort es derzeit an der Basis der Pfarrei St. Adelheid.

Das Erzbistum stößt dort in der Gemeindearbeit auf starke Frauen, ein engagiertes Ehrenamt und einen festen Glauben an die Kirchentradition. Die Stimmen der Verärgerung werden täglich lauter und fordernder. Aufhorchen lässt ein Spruch aus dieser Woche, der die Verzweiflung einiger offenkundig werden lässt: Monsignore Wilfried Schumacher, beim Erzbistum wegen der Haushaltsführung am Münster in Ungnade gefallener Ex-Stadtdechant von Bonn, solle doch bitte in Pützchen als Pfarrer eingesetzt werden.

Nach seiner Versetzung in den Ruhestand habe er doch die Zeit und allemal die erforderliche Persönlichkeit. Schumachers Nachfolger, Stadtdechant Wolfgang Picken, wird von diesem Personalvorschlag ebenso wenig halten wie das Erzbistum. Um das klar zu machen und den Dialog zu suchen, hat sich Picken für Montagabend zur Sitzung des Pfarrgemeinderates in Pützchen angekündigt. Grenzenloser Optimist muss sein, wer glaubt, Picken habe eine Lösung im Gepäck. Wenn schon der zuständige Weihbischof keinen neuen Pfarrer für Pützchen am Horizont des Erzbistums sieht, muss sich der Seelsorgebereich Am Ennert wohl leider auf eine längere Vakanz einrichten.

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