Schockierende Nachricht für Betroffene: Kita Weidenweg droht der Abriss

Schockierende Nachricht für Betroffene : Kita Weidenweg droht der Abriss

Nach der Asbestbeseitigung entscheidet die Stadt, ob das Gebäude der Kita Weidenweg saniert oder entfernt wird. Ende November ziehen alle 90 Kinder voraussichtlich für ein Jahr in einen Container nach Niederholtorf um.

Die Nachricht war für viele Betroffenen schockierend: Die Stadt Bonn hat am Donnerstag den Eltern der Kindertagesstätte Weidenweg im Beueler Rathaus mitgeteilt, dass die Sanierung der mit Asbest belasteten Kita in Ramersdorf wesentlich länger dauern wird als geplant. Sogar ein Abriss des 25 Jahre alten Gebäudes wollte Jugendamtsleiter Udo Stein nicht ausschließen.

Nach den Sommerferien wurden die 90 Kinder erst einmal auf fünf verschiedene Einrichtungen in Beuel verteilt (der GA berichtete). Diese Übergangslösung soll bis November dauern. Bis dahin sollten die Bauarbeiten in Ramersdorf fertig sein. Nun kommt alles ganz anders. Ende November ziehen alle 90 Kinder voraussichtlich für ein Jahr in einen Container nach Niederholtorf um. "Für viele Eltern war diese Nachricht fürchterlich, weil sie nicht wissen, wie sie den Transport der Kinder zeitlich organisieren sollen", sagte Jan Hürter, der drei Kinder in der Kita Weidenweg untergebracht hat. Der Bus sei keine Alternative, deshalb müssten einige Eltern jetzt wohl ihre Arbeitszeit verkürzen, was finanzielle Einbußen zur Folge habe. "Wir erwarten mehr Unterstützung von der Stadt Bonn", so Hürter.

Ursprünglich waren in der dreiwöchigen Schließzeit der Kita Weidenweg während der Sommerferien Maßnahmen zur brandschutztechnischen Ertüchtigung (Erneuerung von Elektroinstallationen, Ergänzung und Erneuerung von Brandschutztüren) geplant. Zusätzlich sollten verschiedene Einzelflächen des asbesthaltigen Putzes von insgesamt 300 Quadratmetern saniert werden.

Während der Arbeiten hat eine Firma aufgrund einer unsachgemäßen Ausführung einen Wasserschaden verursacht, der erhebliche Mängel an dem asbesthaltigen Putz im Treppenhaus sowie weiterer Einrichtungsgegenstände und baulichen Anlagen hervorgerufen hat. Die Schäden konnten während der Schließzeit nicht behoben werden, weshalb die Kita mit Beginn des neuen Kindergartenjahres weiterhin geschlossen bleiben musste.

Nach einem Ortstermin hatte die Stadt entschieden, die Kita aufgrund des Zustandes der Einrichtung erst nach Beseitigung der entstandenen Schäden, der brandschutztechnischen Ertüchtigung und Sanierung des asbesthaltigen Putzes in der gesamten Einrichtung wieder zu öffnen. Als zeitliche Verzögerung wurden von der Stadtverwaltung viel zu optimistisch nur zehn Wochen genannt.

Denn die Gesamtfläche des auszutauschenden Putzes beläuft sich aufgrund der eingetretenen Schäden nun auf circa 1500 Quadratmeter. Zudem sind Bereiche, wie das verwinkelte Treppenhaus, betroffen, die einen deutlich höheren Aufwand verursachen. Da alleine für die Räumung der gesamten Kita eineinhalb Wochen benötigt und die zu sanierenden Asbestputzflächen einschließlich der schwer zugänglichen Bereiche auf das Fünffache erhöht wurden, hätte die Prognose von zehn Wochen im Nachhinein leider nie eingehalten werden können, so die Stadt.

Um nun eine belastbare Aussage über den Zeitraum treffen zu können, der für die Sanierung des Kindergartens benötigt wird, findet parallel zu den zuvor genannten Arbeiten die Grundlagenermittlungen zum zusätzlichen Sanierungsbedarf der Einrichtung statt. Dabei stößt das von der Stadt beauftragte Büro - wie es beim Bauen im Bestand häufig vorkommt - immer wieder auf neue Funde: zum Beispiel innenliegende, undichte Dachentwässerungsleitungen, unsachgemäß eingebaute Türzargen, statische Untersuchungen von nicht vollflächig geschlossenem Mauerverbund werden erforderlich, Materialfunde mit zusätzlichem Asbestverdacht und unsachgemäß verbaute Elektrik. Eine belastbare Aussage zum Fertigstellungszeitpunkt ist erst nach vollständiger Bauzustandsanalyse möglich. In jedem Fall wird die Sanierung der Kita aber bis weit in das Jahr 2020 andauern.

Aus diesem Grund werden die 90 Kinder aus der Kita Weidenweg ab Ende November 2019 in einen für die Nutzung als Kindergarten ausgelegten Container nach Nieder-

holtorf umziehen. Diese Anlage liegt 3,2 Kilometer vom Weidenweg entfernt und soll eigentlich von der Kita Weinheimstraße, die unmittelbar danebenliegt, als Ausweichquartier bezogen werden, da diese Kita abgerissen und neu gebaut wird.

Einrichtungsleitungen und Eltern beider Einrichtungen wurden am Donnerstag informiert. "Für die Kinder, Eltern und Mitarbeitenden der Kita Weinheimstraße ist es sehr enttäuschend, dass sich der Umzug verschiebt. Leider haben wir keine andere Option. Ich bedanke mich ganz herzlich für die Solidarität mit den Familien aus dem Weidenweg. Wir sind sicher, dass die Umsiedlung aller Kinder gemeinsam an einen Ort in der derzeitigen Situation die einzig machbare und für alle praktikabelste Lösung darstellt", sagte Bonns Familiendezernentin Carolin Krause.