Software für Baumkartierung: Keine Eiche kann sich mehr verstecken

Software für Baumkartierung : Keine Eiche kann sich mehr verstecken

Die alte Kastanie muss dringend in Behandlung. Sie steht im öffentlichen Park eines Krankenhauses, das für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich ist. Da darf kein Ast jemandem auf den Kopf fallen. Doch wie finden der Baumkontrolleur und später die Pfleger den Patienten, wie lässt sich eine für alle Beteiligten einsehbare Diagnose erstellen?

Hier setzt ein neues Crowdfunding-Projekt der Beueler Firma Terrestris an, das später kostenlos nutzbar sein wird. Crowdfunding heißt für die Entwicklung von "ArborMaps", dass für die nötigen 150 000 Euro Geldgeber gefunden werden, die nachher in irgendeiner Form von der Software profitieren können (siehe Kasten). "Es gibt einige Baumkataster auf dem Markt. Doch wir wollen eine Alternative aufzeigen", sagt Hinrich Paulsen, Geschäftsführer von Terrestris an der Pützchens Chaussee.

Die Idee entstand Anfang des Jahres, als Paulsen den Chef einer Baumpflegefirma kennenlernte. Die hatte in Bornheim das Problem, den richtigen Baum am richtigen Ort zu finden - nicht so leicht mit 1500 anderen Bäumen im Umkreis. Eine Karte müsste also her, fand auch Baumgutachter Florian Bremicker, Inhaber von "BreWo Arboristik". Terrestris ist ein Spezialist für interaktive Karten und Informationssystem mit Raumbezug. "Man kann fast alles auf einer Karte darstellen", sagt Paulsen. Zum Beispiel die Kaufkraft in einer Stadt, wofür sich dann wohl der Einzelhandel brennend interessieren würde.

Bei "ArborMaps" geht es also nun um ein Baumkataster mit Karte, das intuitiv zu bedienen und als offenes System für alle Nutzer kompatibel ist. Das könnte sowohl die Stadt nutzen, der Landesbetrieb Straßen NRW, der auf die Bäume am Straßenrand achtgibt, als auch Universitäten und Krankenhäuser, die zahlreiche öffentliche Flächen mit Bäumen verwalten.

"Die Baumkontrolle ist die Grundlage für den Eigentümer, damit Schäden abgewendet werden können", sagt Bremicker. Außerdem gebe es eine Dokumentationspflicht bei der Kontrolle. Eine Menge Papierkram, den man schon häufiger versucht hat, zu digitalisieren. "Das ist aber nicht aus einem Guss, keine Komplettlösung", sagt Bremicker. "Ideal wäre ein zentraler Datenbestand, der dem Eigentümer der Bäume gehört", sagt Paulsen. Diese Daten können dann an alle Beteiligten der Pflegekette weitergegeben werden - den Kontrolleuren und den Pflegern, die später in die Äste steigen müssen.

Zudem soll jeder dabei ein Editierrecht haben. So zieht dann später der Kontrolleur mit seinem Tablet-PC ins Gelände und sieht über seinem ganz normalen Browser, wo die kranke Eiche steht. Vor Ort kann er mit Datum eintragen, ob es etwa Totholz, Fäule oder Pilzfruchtkörper gibt. Dazu schreibt er, welche Behandlung nötig und wie dringend sie ist, am besten mit farblicher Markierung. So wissen die Pfleger - ebenfalls mit Tablet ausgerüstet - sofort, wo sie hin müssen, ob sie die Seilklettertechnik anwenden sollen oder besser einen Hubsteiger mitbringen.

Für eine solche Dokumentation, die bei der Baumpflege Pflicht ist, bräuchte man keine Aktenordner mehr. "Das Sammeln von Beweisen ist das A und O", sagt Bremicker. Ist die Pflege erledigt und eingetragen, wann man die Eiche wieder besuchen muss, hat der Eigentümer auch sofort den Überblick. Wenn alles klappt, ist bis Ende Oktober das nötige Geld zusammen. "Sechs Monate später ist die Software dann da", sagt Paulsen.

Mehr zum Beueler Unternehmen unter www.arbormaps.de

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