Premiere in der Beueler Brotfabrik: Jugendtheater des HIP führen "Herr der Fliegen" auf

Premiere in der Beueler Brotfabrik : Jugendtheater des HIP führen "Herr der Fliegen" auf

Die Theatergruppe der Musikstation Neu-Vilich führt einen Klassiker der Jugendliteratur auf. Zehn Jugendliche haben daran in den vergangenen Monaten unter der Regie von Anne Scherliess gearbeitet.

Nach einem halben Jahr Proben ist es nun endlich so weit: Das Theaterstück „Herr der Fliegen“, das die Theatergruppe der Musikstation aufführt, feiert am Montag, 28. Januar, ab 19.30 Uhr seine Premiere in der Brotfabrik. Dann zeigen die zehn Jugendlichen, was sie in den vergangenen Monaten unter der Regie von Anne Scherliess erarbeitet haben.

Für Scherliess, Schauspielerin und Regisseurin aus Bonn, ist es bereits die siebte Produktion, die sie mit den Jugendlichen aus der Musikstation vom Jugendzentrum HIP auf die Bühne bringt. Die zehn jungen Schauspieler, sechs Jungs und vier Mädchen, sind zwischen 16 und 23 Jahre alt und haben bis auf einen Neuzugang alle schon jahrelange Erfahrung auf der Bühne. „Das Stück habe ich zusammen mit meiner Schwester ausgewählt“, berichtet Scherliess. „Wir haben in diesem Stück Menschen in verschiedenen Situationen, die sich das Leben zur Hölle machen, was eine große Herausforderung für die Schauspieler ist.“

Die Inszenierung verzichtet auf einen echten Sandstrand

Die Inszenierung, verspricht sie, gehe unter die Haut. Dazu tragen auch die musikalischen Effekte und die Farbe der Kleidung, die nach farbpsychologischen Gesichtspunkten ausgesucht wurde, mit bei. Da das Stück auf einer Insel spielt, hätte sie am liebsten einen Sandstrand auf der Bühne gehabt. „Doch das hätte einen großen Aufschrei bei der Brotfabrik gegeben“, ist sie sich sicher.

„Herr der Fliegen“ wurde 1954 vom englischen Schriftsteller William Golding geschrieben. Neben einer Theaterfassung wurde der Roman auch mehrfach verfilmt. In dem Stück geht es um eine Gruppe Kinder, die aus einem Kriegsgebiet evakuiert werden sollten und mit dem Flugzeug auf einer Insel abstürzen. Was zunächst paradiesisch anmutet, mit weißen Stränden, Früchten, Trinkwasser und Wildschweinen, wird zum goldenen Käfig. Je mehr die Kinder, hier dargestellt von Jugendlichen, den Bezug zu Zivilisation und Gesetz verlieren, desto mehr schwindet ihre von Erwachsenen angenommene scheinbare Unschuld, und desto mehr regiert das Recht des Stärkeren. Der anfängliche Versuch, ohne Hilfe von Erwachsenen eine eigene Ordnung herzustellen, um das Überleben und eine eventuelle Rettung zu ermöglichen, gerät immer mehr aus dem Fokus und endet in einem Kampf um Leben und Tod.

Die Rolle eines bösen Mädchens

Malin Bertram, die schon sieben Jahre in der Gruppe mitspielt, hat die Rolle eines bösen Mädchens übernommen. „Es fiel mir ziemlich leicht, mich in diese Figur hineinzuversetzen, denn es ist eine ziemlich coole Rolle“, sagt sie. Ebenfalls bereits seit sieben Jahren dabei ist Dijar Omar. Es sei hauptsächlich der Zusammenhalt in der Gruppe, der ihn immer wieder motiviere. „Sich mit einem Thema zu befassen und sich dann in die Rollen hineinzudenken, das macht mir viel Spaß“, sagt er. Der einzige Neuling in der Gruppe ist Alexander Bachg. Er hat in der Schule in einer Theatergruppe Bühnenerfahrung sammeln können und wurde auf dieses Ensemble von einem Freund darauf aufmerksam gemacht. Allen bereitet das Theaterspielen so viel Freude, dass sie jetzt schon versprechen, im kommenden Jahr wieder mitspielen zu wollen.

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