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Folgen von Corona für eine Beuelerin: „In dem Moment hatte ich einfach Panik“

Folgen von Corona für eine Beuelerin : „In dem Moment hatte ich einfach Panik“

Miriam aus Beuel erlebt ihre Heimreise von Peru nach Deutschland als eine einzige Tortur. Fast gestrandet in Cali, Kolumbien wurde ihr von Flughafenangestellten mit Gewalt oder Gefängnis gedroht. „Ich hatte in diesem Moment totale Panik.“

Mit einem beispiellosen Programm will die Bundesregierung Deutsche, die gerade im Ausland sind, wieder zurückholen. Vor wenigen Tagen war sie noch in Peru und ist mittlerweile wieder in Deutschland – nach einer tagelangen Tortur. Eigentlich sollte es für sie eine entspannte dreiwöchige Uni-Exkursion in Peru werden.

„Am vergangenen Freitag kam ein Anruf von unserer Dozentin“, sagt die Studentin. „Ab Montag sollte keine Flüge mehr nach Europa geben.“ Für diesen Tag war eigentlich der Rückflug von der Uni geplant. Darauf machte sie sich mit dem Zug nach Cusco und von da aus mit dem Flugzeug weiter in die peruanische Hauptstadt Lima. „Als wir am Sonntagabend ins Hostel kamen, wurde uns gesagt, dass ab Dienstag eine zweiwöchige Quarantäne beginnt.“ Sie versuchte daraufhin, die Deutsche Botschaft zu erreichen.

„Die teilte mir aber nur mit, dass sie uns nicht helfen können und wir uns um die Rückreise selbst kümmern müssen.“ Am Sonntagabend kam sie dann in den Flughafen in Lima. „Der Flughafen war rappelvoll. Hunderte Menschen stand am Checkin-Schalter“, sagt die Lehramtsstudentin. Man wurde nur mit einem vorzeigbaren Ticket reingelassen. „Wir haben uns dann erst erkundigt, ob wir unseren eigentlichen Flug am Montag noch nehmen konnten.“ Da das nicht mehr möglich war, habe ihre Familie ihr dann von Deutschland aus geholfen, einen neuen Flug zu buchen. Der sollte am Dienstag in Lima starten und über Cali, Bogota, New York, Dublin und Düsseldorf gehen.

„Im Flieger nach Cali mussten wir schon Formulare ausfüllen, und beim Gate wurde unsere Temperatur gemessen.“ Dort angekommen, wurde den Reisenden nach Beschreibung der Studentin die Weiterreise untersagt. „Nur diejenigen, die einen internationalen Weiterflug hatten, durften weiterreisen.“ Den hatte sie auch. Doch trotzdem wurde ihr der weitere Flug nach Bogota verwehrt. „Uns wurden alle die Pässe weggenommen, fotografiert und per WhatsApp verschickt“, sagt die 23-Jährige. Es wurde sogar eher versucht, sie wieder dazu zu bringen, in ein Flugzeug zurück nach Lima einzusteigen. Da sie den Anschlussflug nach Bogota schon nicht mehr erreicht hatte, buchte ihre Familie einen neuen Flug von Cali direkt nach Madrid.

„Mir wurde aber dann gesagt, ich dürfe als Deutsche nicht nach Spanien einreisen. Denen war wohl nicht bekannt, dass Spanien und Deutschland in der EU sind und dort Reisefreiheit herrscht.“ Um sie wieder in den Flieger nach Lima zu bringen, schreckten die Flughafenangestellten auch vor drastischeren Maßnahmen nicht zurück. „Sie haben mir mit Gewalt oder Gefängnis gedroht“, sagt sie. „Ich hatte in diesem Moment totale Panik.“ Selbst die Frau aus der Deutschen Botschaft, die ihr am Telefon bestätigte, dass sie nach Madrid fliegen dürfe, wollten sie nicht gelten lassen. „Zuletzt habe ich gesagt, sie müssen mich schon K.O. schlagen, wenn ich in den Flieger nach Lima soll.“

Am Ende hat der Botschafter interveniert, und sie durfte in den Flieger nach Madrid. Aber selbst im Flieger Richtung Europa kam sie nicht zur Ruhe. „Ich hatte Panik, ob der Flieger überhaupt startet und ob er in Madrid eine Landeerlaubnis erhält.“ Als sie wieder europäischen Boden unter den Füßen hatte, ging alles ohne Probleme weiter. „In der Nacht auf Dienstag bin ich in Madrid gelandet. Dann ging es mit einem Flieger weiter nach München, und um 22 Uhr war ich dann am Flughafen Köln/Bonn.“ Dort holten sie dann ihr Freunde ab. Einen Tag später versuchte sie dann noch ihr Gepäck ausfindig zu machen, dass sie in Cali zurückgelassen hat. „Die Fluggesellschaft hat sich noch nicht einmal entschuldigt“, sagt sie. Ob sie ihr Gepäck jemals wiedersehen wird, wisse sie zurzeit nicht. Sie ist vor allem glücklich, wieder in der Heimat zu sein. „Das Gesundheitssystem in Peru/Kolumbien ist sehr schlecht. Und ob meine Auslandskrankenversicherung das alles bezahlen würde, weiß ich auch nicht.“