Syrer hilft bei der Awo Beuel: In Damaskus erzählten Kunden von Bonn

Syrer hilft bei der Awo Beuel : In Damaskus erzählten Kunden von Bonn

Nach einer schwierigen und gefährlichen Flucht aus dem Krieg in Syrien kam Mohammed Khanji schließlich nach Deutschland. Kaum hatte er sich selbst in Sicherheit gebracht, kümmerte er sich bereits um andere bedürftige Menschen in seiner neuen Umgebung – in Beuel.

„Zwei Tage vor Weihnachten sind die Flüchtlinge in die Turnhalle an der Neustraße eingezogen. Seither kommt Mohammed Khanji jeden Tag her und hilft mit. Am Anfang des Jahres war gerade im Trödelmarkt sehr viel los und ich hatte alle Hände voll zu tun“, sagt Monika Steinhauer. Sie ist verantwortlich für den Trödelmarkt im Stadtteilzentral der Awo-Beuel.

Und auch bei den zahlreichen Veranstaltungen hilft der Mann aus Syrien, wo er kann. „Jetzt ist er genauso als ehrenamtlicher Helfer gemeldet wie wir alle“, berichtet Steinhauer. Derzeit lernt der 42-jährige Khanji deutsch. „Doch die Sprache ist sehr, sehr schwierig. Sie ist ganz anders als das Arabische“, übersetzt Mariam Mohamad für ihn. Zwar spricht er Französisch und Englisch – aber als Kind erlernt. Als Erwachsener sei das Erlernen einer neuen Sprache eine Herausforderung.

Khanji kommt aus Damaskus. Dort haben er und seine Familie eine Schneiderei und drei Damenbekleidungsgeschäfte betrieben. „Doch durch den Krieg ist alles kaputt“, berichtet er. Und noch viel mehr betrifft den 42-Jährigen, dass seine Frau, eine Tochter und zwei Söhne noch im Kriegsgebiet sind. Er war allein in den Westen aufgebrochen und will die Familie so schnell wie möglich nachholen. Doch zum einen halten sich Frau und Kinder in einem sehr gefährlichen Gebiet des Landes auf. Die Kommunikation ist sehr schwierig. Er weiß nicht, wie es ihnen geht. Und zum anderen müsse jetzt erst einmal geklärt werden, wie es hier weitergehe.

Khanji möchte in Deutschland bleiben

„Sein Antrag auf Asyl wurde genehmigt, und seit einer Woche ist er auch beim Jobcenter gemeldet“, sagt Steinhauer. Khanji möchte in Deutschland bleiben und sucht dringend eine Arbeit und eine Wohnung. Denn die Situation in der Turnhalle mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten auf engem Raum ist schwierig. „Deshalb sind wir oft zusammen unterwegs und er lernt so schrittweise den Alltag hier bei uns“, sagt Steinhauer. Beim Einkaufen und im Haushalt käme Khanji immer besser zurecht. „Er schaut genau zu, merkt sich Dinge sehr schnell, weiß, wo alles hingehört und versteht auch immer mehr auf Deutsch“, berichtet Steinhauer. Und wenn Zeichen und Gesten nicht reichen, kommen die Übersetzer-Apps auf den Smartphones der beiden zum Einsatz.

Bonn war dem 42-Jährigen schon vor seiner Flucht ein Begriff. „Es kamen immer wieder Urlauber in seine Geschäfte in Damaskus und haben ihm von Bonn erzählt und dass er unbedingt hierher müsse“, übersetzt Mariam Mohamad. Gemeinsam mit Monika Steinhauer erledigt er die Besorgungen mit dem Fahrrad und erkundet die Stadt. „Aber es hat sich schon herausgestellt, dass er Beuel lieber mag als Bonn“, sagt die Ehrenamtlerin.

„Hier sind alle Leute sehr nett zu mir und auch die Gegend gefällt mir sehr gut – mit den Bergen und Bäumen sieht es aus wie bei uns zu Hause“, sagt er. „Ich liebe es zu schwimmen, aber ins Hallenbad mag ich tagsüber nicht gehen, wenn ich all die fröhlichen Kinder sehe, werde ich ganz traurig. Ich vermisse meine Familie sehr und wünsche mir, dass sie zu mir nach Beuel kommen kann“, sagt Mohammed Khanji.

Mehr von GA BONN