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Vom Borkenkäfer befallen: In Beuel werden Fichten für China gefällt

Vom Borkenkäfer befallen : In Beuel werden Fichten für China gefällt

Wanderer, Mountainbiker und Autofahrer staunen derzeit am Ennertwald: Bis zu zehn Container-Lastwagen parken fast permanent auf dem Wanderparkplatz Ennert und dem Hardtweiher-Parkplatz. Dem gesättigten Holzmarkt zum Trotz wurde ein chinesischer Käufer für die befallenen Stämme gefunden.

Seit Tagen staunen Wanderer, Mountainbiker und Autofahrer über ein Phänomen, das es in dieser Form am Rande des Ennertwalds noch nie gegeben hat. Bis zu zehn Container-Lastwagen parken nahezu permanent auf dem Wanderparkplatz Ennert und auf dem angrenzenden Hardtweiher-Parkplatz. Das Gerücht, dass dort illegale Rastplätze für Lkw entstanden seien, weil Speditionsfahrer wegen der Coronavirus-Lage länger im Einsatz wären und dort Pausen machen müssten, hielt sich bislang hartnäckig. Doch auch diese Nachricht ist wie viele in diesen unsicheren Zeiten eine Falschmeldung – auf Neudeutsch auch gerne Fake News genannt.

Stephan Schütte vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft im NRW-Landesbetrieb Wald und Holz, klärte auf Nachfrage des GA auf: „Wir haben trotz der massiven Sättigung des Holzmarktes einen Käufer für das vom Borkenkäfer befallene Fichtenholz gefunden. Die Stämme werden alle nach China verschifft.“ 3000 Kubikmeter bereits geschlagenes Holz werden derzeit von den Waldrändern im Naturschutzgebiet Ennert zu den Parkplätzen transportiert und dort in die Container verladen.

Nach Auskunft von Simon Rose, zuständiger Verlademeister der niederländischen Spedition, passen 30 Kubikmeter Holz in einen Container: „Wir sind hier in Beuel ungefähr zwei Wochen im Einsatz und werden diese Woche fertig.“ Er sei von vielen Passanten angesprochen worden, warum die Lastwagen die Parkplätze verstopften. Manche Äußerungen wären auch nicht immer freundlich gewesen: „Zweimal haben wir sogar Besuch vom Ordnungsamt der Stadt Bonn erhalten, weil sich Bürger über diese Verladeaktion beschwert haben oder dachten, wir würden hier unerlaubt im Naturschutzgebiet parken.“ Aber man habe das gegenüber den städtischen Mitarbeitern schnell aufklären können.

Die Zugmaschinen transportieren die Container laut Schütte nach Antwerpen zum Hafen. Dort werden die Fichtenstämme in den Containern zwei Wochen lang „begast“, damit die Borkenkäfer im Holz absterben. Anschließend werden die Container auf Übersee-Frachtschiffe verladen. „98 Prozent der Holzstämme werden nach China, zwei Prozent nach Vietnam verschifft“, erklärte Simon Rose im Gespräch mit dem GA. Die Schiffsreise bis zu den Zielhäfen dauere ungefähr vier Wochen.

Gefragt, ob solche weiten Transporte in Zeiten des Klimawandels verantwortbar seien, antwortete Schütte: „Das ist vielleicht auf Anhieb nicht nachvollziehbar, aber diese Aktion schont letztlich sogar unsere Natur und unser Klima.“ Die Bäume habe man als zuständiges Forstamt nicht im Wald stehen oder liegen lassen können, weil sie auf den Flächen über zehn bis 15 Jahre verrotten würden. „Diese Flächen können so lange nicht mehr für Aufforstungsaktionen genutzt werden. Außerdem würde das über viele Jahre im Holz gebundene CO2 durch die Verrottung wieder in die Atmosphäre freigesetzt“, betonte Förster Stephan Schütte. Der Landesbetrieb sei „heilfroh“, dass man einen Abnehmer für das Holz gefunden habe. Der deutsche und der europäische Markt seien nämlich aufgrund der Ereignisse im Wald durch Sturm, Trockenheit und Schädlinge völlig übersättigt.

Das Regionalforstamt versicherte, dass die durch den Abtransport der Stämme teilweise zerstörten Wanderwege nach der Verladeaktion wieder von Waldarbeitern repariert und in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Allerdings dauere das noch einige Zeit.