St. Adelheid: Im Sommer geht's der Orgel gut

St. Adelheid : Im Sommer geht's der Orgel gut

Ein bisschen zögerlich meldet sich Robin aus der ersten Reihe. Zusammen mit seiner Schwester und einigen anderen Kindern sitzt er im Schneidersitz auf dem Boden und muss den Kopf in den Nacken legen, um auch die "Wipfel" des Instruments zu erfassen.

"Darf man später auch einmal kurz selbst spielen?", fragt der Elfjährige. Marita Hersam stimmt zu. "Selbstverständlich!" Die Kirchenmusikerin leitete im Rahmen des Pfarrfests in St. Adelheid eine Orgelführung und demonstrierte, dass die Bedienung der "Königin" ganzen Körpereinsatz erfordert.

"Als Orgelspieler ist man Dirigent und Orchester zugleich", sagte Hersam und zog einige der Register. "Damit kann man die Farbe des Klanges ändern." Von ganz sanft bis erhaben und voll. Sie verglich die Orgel mit einer Königin, die mal in Tanzstimmung sei und mal nicht so gut gelaunt. "Da passt dann der Tremulant - wer genau hinhört, merkt dass der Ton schwingt oder bebt."

Auch über das "Gemüt" hinaus attestierte Hersam der Orgel menschliche Züge. Sie habe ein Brustwerk, ein Rückpositiv und einen "Kopf", das Oberwerk. Geatmet wird mit Luft aus den riesigen Bälgen, "atmet mal ein und aus", forderte Hersam die Kinder auf. So oder so ähnlich mache das auch die Orgel.

Angetrieben werden die Bälge durch einen Motor, dem Herzen des sakralen Instruments. Was "die Königin" im wahrsten Sinne des Wortes verstimme, sei das Wetter. "Im Sommer geht's ihr gut, im Winter macht ihr die Heizungsluft zu schaffen." Dann komme es zu sogenannten "Heulern"; der Ton könne dann schon mal steckenbleiben.

Was braucht die Königin für ein richtiges Fest auf ihrem Schloss? Richtig, Fanfaren. Die Spanischen Trompeten sind im Prospekt der Orgel angeordnet und zeigen horizontal in den Kirchenraum. Bevor Hersam Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmarsch anstimmte, öffnete sie den hinteren Teil der Orgel und ermöglichte eine Art "Operation am offenen Herzen". "Es kann ein bisschen staubig werden", warnte sie vor.

Nachdem Mathilda sich am Instrument ausprobieren durfte, die Beine noch zu kurz, um an das Pedal heranzukommen, rutschte Robin auf die Bank. Der Elfjährige hatte sich immer wieder durch bemerkenswertes Fachwissen hervorgetan und Hersam assistiert. Zu hören gab's dann Bachs Taccato und Fuge. "Ich spiele jetzt seit einem Jahr Orgel", erzählte er. Angefangen habe er mit E-Gitarre und sei jetzt umgestiegen.

Walter Hombitzer, ebenfalls Besucher der Führung gab "Großer Gott wir loben dich" zum Besten und freute sich über Applaus. "Von klein auf spiele ich Tastinstrumente, zum Beispiel Akkordeon." Marita Hersam war sichtlich begeistert vom Publikum. "Ruft mich einfach an, und ich gebe euch mal den Schlüssel für ein Stündchen am Nachmittag", bot sie an.

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